Facebook wird zur Suchmaschine

Rund zwei Billionen Nutzerbeiträge können beim sozialen Netzwerk neuerdings durchsucht werden. Ein Experte erklärt, warum.

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Jan Rothenberger@janro

Search FYI nennt sich Facebooks verbesserte Suchfunktion. Mit ihr macht das soziale Netzwerk erstmals alle öffentlich sichtbaren Nutzerbeiträge durchsuchbar. Finden, was die Welt sagt, ist laut Facebook-Manager Tom Stocky das Ziel. Zu einem Stichwort versammelt die Suche neu einen Überblick aus Newsmeldungen, Diskussionen und Freundesposts. «Facebook will das soziale Gefängnis der Freunde durchbrechen», sagt Thomas Hutter dazu. Er berät Unternehmen in Sachen Facebook-Marketing und doziert zum Thema Social Media. Per Suche schaue man als Nutzer künftig über das eigene Freundesumfeld hinaus – Facebook werde ein Zugang zu Diskussionen weltweit.

Schlüssel dazu ist die Suche: Über sie kann jeder Nutzer die Millionen täglicher Posts auf Facebook thematisch ordnen. Bislang hatte Twitter die Nase vorn, was Echtzeitdiskussionen angeht: etwa das allwöchentliche Krimi-Stelldichein unter dem Hashtag #Tatort. Hier tauscht sich ein grösseres Publikum während der Sendung über Plot und schauspielerische Leistung aus oder spekuliert über den Täter. Wer live in einer Debatte mitmischen oder zumindest mitlesen will, sucht meist auf Twitter. Die Suche nach Stichworten liefert hier schnell und zeitnah einen Querschnitt zu jeder Diskussion.

Twitter das Publikum wegnehmen

Facebook eignete sich dafür weniger. Die harzige Suchfunktion und vor allem der Fokus auf Freunde machten den Einstieg in grössere Diskussionen schwierig. Das soll die Suche nun ändern, denn Facebook verlege seine Strategie, sagt Hutter: Nutzer können sich künftig schnell einen Überblick über ein Nachrichtenthema verschaffen. Wer nach einem Stichwort sucht, findet populäre Newsartikel dazu und ergänzend eine Übersicht, was Nutzer dazu schreiben.

Gemäss Manager Tom Stocky beobachtet Facebook bereits jetzt Interesse an diesem Zugang zur Welt: «Wenn etwas auf der Welt passiert, schauen die Menschen oft auf Facebook nach, wie ihre Freunde und ihre Familie darauf reagieren.» Nutzer können nun wählen, ob sie nach wie vor sehen möchten, was ihre Freunde zu einem Thema posten oder was ganz allgemein zu einem Schlagwort kursiert. Damit schickt sich Facebook an, mit seiner viel grösseren Nutzergemeinde das Feld aufzurollen, das bisher Twitter besetzt hielt.

Dem Netz den Puls fühlen

Laut Hutter ist es der neuste Schritt eines Plans, den Facebook schon länger verfolgt – sein Angebot auszubauen und sich mehr Standbeine zu schaffen. Das passe zur Strategie; in der Vergangenheit hatte Facebook bereits Funktionen in eigene Apps ausgelagert, etwa Paper, Rooms oder den Messenger. «Facebook will nicht nur Freundewelt sein», so Hutter. Statt bloss Inhalte zu verteilen, wolle es diese künftig auch auswählen und personalisiert zusammenstellen.

Eine gute Suchfunktion sei dabei auch unmittelbar im Interesse des Unternehmens. «Wenn Nutzer per Suche mehr Inhalte entdecken, erhöht das die Verweildauer», so Hutter. Längerfristig sei es auch denkbar, dass Facebook den Nutzern von sich aus Themen anbiete, ohne dass diese danach suchten. So würde Facebook zu einer Art Seismograf der Netzdebatte.

Privatsphäre-bewusste Nutzer sollten die neue Suchfunktion im Auge behalten. Wer bereits darauf achtet, Statusupdates und Fotos nicht öffentlich, sondern nur mit Freunden zu teilen, verbirgt diese nun auch vor der neuen Suche. Allerdings sind Kommentare, die man auf öffentlichen Seiten hinterlässt, nun durch die Suche leichter auffindbar.

Die neue Suchfunktion ist ab sofort verfügbar und zielt in einem ersten Schritt auf die englischsprachige Welt. Wer sie nutzen will, muss die Sprache seines Facebook-Profils auf Englisch umstellen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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