Facebook will Lügen loswerden

Facebook ist ­immer mehr zu einem Netzwerk geworden, in dem Falschmeldungen ungehindert verbreitet werden können. Nun reagiert es. Künftig sollen Meldungen, die falsch sein könnten, gesondert markiert werden.

Lügen haben lange Nasen: Facebook will nun gezielt auf die Suche nach Falschmeldungen gehen – mithilfe von Nutzern und unabhängigen Experten.<p class='credit'>(Bild: Fotolia)</p>

Lügen haben lange Nasen: Facebook will nun gezielt auf die Suche nach Falschmeldungen gehen – mithilfe von Nutzern und unabhängigen Experten.

(Bild: Fotolia)

Facebook geht gegen die Falschmeldungen vor, mit denen das weltweit grösste soziale Netzwerk regelrecht überflutet wird. «Wir sind dafür verantwortlich, die Anzahl an Falschmeldungen auf unserem Netzwerk zu reduzieren», erklärte Vizepräsident Adam Mosseri.

Zu den fiktiven Geschichten, die auf Facebook kursierten, gehören Überschriften wie «Papst Franziskus schockiert die Welt und befürwortet Donald Trump als Präsidenten» oder «In Hillarys E-Mail-Affäre verwickelter FBI-Agent wurde nach erweitertem Selbstmord tot in Wohnung gefunden». Personen oder politische Gruppen ­veröffentlichten diese Falschmeldungen, die dem künftigen US-Präsidenten Donald Trump genutzt haben.

Kürzlich eskalierte die Situation um die Falschmeldungen allerdings. Ein Mann aus dem Bundesstaat North Carolina war einer Falschmeldung auf Facebook und Twitter aufgesessen. Demnach sollte die Pizzeria Comet Ping Pong gemeinsam mit der ehemaligen demokratischen Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton einen Kinderschänderring betreiben.

Der Mann nahm eine sechsstündige Fahrt auf sich, um die Pizzeria mit einem Gewehr bewaffnet zu stürmen. Die Polizei konnte ihn festnehmen, ohne dass jemand verletzt wurde. Die «New York Times» und andere Medien hatten die Geschichte zwar widerlegt. Doch in den sozialen Netzwerken wurde der Enthüllung kein Glauben geschenkt, stattdessen wurde den Journalisten vorgeworfen, gemeinsam mit Clinton zur Elite zu gehören.

Unabhängige Experten

Facebook ist das erste Unternehmen, das nun eine Strategie präsentiert. Dazu will es seine Daten durchforsten und Falschmeldungen kennzeichnen oder löschen, wie Mosseri erklärte. Dabei bewegt sich Facebook auf einem schmalen Grat zwischen freier Meinungsäusserung und dem Schutz der Nutzer vor Fehlinformationen.

«Wir wollen den Menschen eine Stimme geben, daher können wir nicht selbst zum Überbringer der Wahrheit werden. Wir müssen sorgfältig vor­gehen», sagte Mosseri. Daher will Facebook nicht nur seine Nutzer, sondern auch unabhängige Experten in den Prozess einbinden.

Facebook wird daher gemeinsam mit dem Poynter International Fact-Checking Network auf die Suche nach den Falschmeldungen gehen. Dem Netzwerk sind zahlreiche nicht an Profit orientierte und kommerzielle Organisationen angeschlossen, die sich auf die Überprüfung von Fakten spezialisiert haben.

Geschäft wird eingedämmt

Facebook will zudem sicherstellen, dass die Falschmeldungen nicht mehr in Onlineanzeigen verwendet werden. Einige Internetseiten bestehen zu einem Grossteil aus diesen Anzeigen. Diese sollen entsprechend markiert und eventuell sogar gesperrt werden. Dadurch soll dem Geschäft mit den Falschmeldungen Einhalt geboten werden, wie Mosseri erklärt.

«Wir wollen nicht gegen seriöse Organisationen vorgehen. Wir konzentrieren uns auf die Anbieter, die vorgeben, seriös zu sein.» Professorin Emily Bell von der Columbia-Universität ist überrascht, dass es beinahe eines Massakers bedurfte, damit Facebook gegen die Falschmeldungen vorgeht. Ob dieses Vorgehen Wirkung zeigt, hält sie für zweifelhaft. Wenn Facebook aber nichts unternehmen würde, könnten Falschmeldungen noch zu wesentlich schlimmeren Folgen führen als bislang.

Berner Zeitung

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