Ein Spiel für Masochisten

George R. R. Martins Fantasyepos «Game of Thrones» bekommt ein Videospiel zur Seite gestellt. Wir haben es getestet.

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Jan Rothenberger@janro

Es folgen milde Spoiler bis und mit Staffel 3 der TV-Serie.

Die kalifornische Spielefirma Telltale ist bekannt für Lizenzspiele: Games, die auf bekannten Stoffen basieren, etwa «CSI», «Jurassic Park», oder «The Walking Dead». Nun hat sich das Unternehmen mit «Game of Thrones» (GOT) an die populäre HBO-Serie herangewagt. Das Spiel erscheint in sechs Episoden, bislang haben die Entwickler die erste davon vorgestellt. Die Spieldauer des ersten Teils beläuft sich auf gut zwei Stunden.

Das gleichnamige Spiel nimmt George R. R. Martins Fantasywelt Westeros zur Grundlage und lässt den Spieler am Plot der dritten und vierten Serienstaffel teilhaben. Das Spielprinzip ist dasjenige eines Adventure oder interaktiven Films – wie auch für bisherige Telltale-Titel typisch. Der Spieler entscheidet in Dialogen über die Aussagen seiner Figur und steuert diese durch eingestreute Actionszenen. Dies allerdings nur durch mechanisches Tastendrücken. Das reine Gameplay wird so auch für Nicht-Gamer recht zugänglich, hinterlässt aber einen schwachen Eindruck. Viel lieber will Telltale dafür erzählen, was den Entwicklern mehr als passabel gelingt.

Den Figuren bleibt nichts erspart

Leser von Martins «Song of Ice and Fire» oder Serienkenner fühlen sich gleich zu Hause. Telltale reproduziert geschickt die Dinge, die beides populär gemacht haben: markige Dialoge, kantige Figuren und eine ständige Atmosphäre der Bedrohung. Was in Martins Werk gilt, gilt nämlich auch im Spiel: Den Figuren bleibt nichts erspart. Auch hier ist das Gute meist machtlos, triumphieren die Schurken öfter, als dem Spieler lieb ist. Wie beim Serienvorbild leidet der Spieler auch hier mit, und Hauptfiguren segnen am laufenden Band das Zeitliche.

Die von Telltale beschworenen Entscheidungsfreiheiten sind wie in früheren Titeln recht begrenzt. Für welchen Pfad sich der Spieler entscheidet, prägt den weiteren Spielverlauf meist nicht entscheidend. Dass dies beim ersten Durchspielen aber kaum auffällt, zeigt, wie gut Telltale das Storytelling beherrscht.

Serienstars sind mit von der Partie

Als Nebenher-Spielereihe darf Telltale Autor und Kanon nicht ins Handwerk pfuschen und schafft sich darum einen eigenen erzählerischen Freiraum. Als Akteure wählt Telltales GOT die Bewohner eines frisch erfundenen Hauses: Die Forresters sind Vasallen der Starks, ihr Haus liegt im Nordwesten von Westeros. Die aus der Serie bekannten Figuren lassen sich nicht steuern, die Forresters begegnen den Stars aber zumindest, etwa Cersei und Tyrion Lannister. Wie die Buchvorlage springt kapitelweise die Erzählperspektive hin und her. In der ersten Folge steuert der Spieler abwechslungsweise Ethan Forrester im Norden, seine Schwester Mira in King's Landing und den Knappen Gared. Startpunkt des Spiels ist ein Ereignis, das Fans erschaudern lässt: die rote Hochzeit. In den Wirren des Massakers lernt der Spieler die bald arg dezimierte Familie kennen.

Da Telltale eine Serienlizenz hat, sehen die Figuren nicht nur wie die TV-Akteure aus, sondern werden auch von deren Schauspielern – kompetent – gesprochen. Dies allerdings nur in Englisch, eine deutsche Synchronfassung gibt es nicht. Die Gebundenheit an die Serie wirkt in beide Richtungen: Die Narration ist effektiv, allerdings lebt das Spiel dafür vom nötigen Fan-Vorwissen – Telltales GOT ist klar ein Spiel für Kenner der Materie. Dialoge mit finsteren Figuren wie Cersei Lannister oder Ramsay Snow lassen nur bei Serienveteranen den Puls ansteigen. Bei ihnen dafür umso mehr.

Telltales «Game of Thrones» ist erhältlich für Windows, OS X, Playstation 4, Xbox 360, Xbox One, iOS, Playstation 3 und Android.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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