Die vier Sorgen der Facebook-Investoren

Analyse

Analysten und Beobachter wollen bei jungen Nutzern eine Facebook-Müdigkeit geortet haben. Und da gibt es noch andere Probleme, die Mark Zuckerberg ein Jahr nach dem Börsengang lösen muss.

Börsenliebling: Mark Zuckerberg brachte im Mai 2012 Facebook an die Börse. (Bild: Keystone)

Börsenliebling: Mark Zuckerberg brachte im Mai 2012 Facebook an die Börse. (Bild: Keystone)

Am 18. Mai 2012 ging Facebook an die Börse. Ein Jahr später ziehen Investoren eine Bilanz. Wie die «Financial Times» schreibt, sorgen sich die Anleger. Zwar nutzen heute 665 Millionen Menschen – oder jeder zehnte Mensch auf dieser Welt – die Seite täglich. Befürchtet wird allerdings, dass Facebook mittelfristig an Attraktivität verlieren könnte. Bei den Nutzern unter 25 Jahren wollen sie eine Facebook-Müdigkeit festgestellt haben. So sagt Internetanalyst Mark Mahaney von RBC Capital Markets, einer der führenden Investementbanken der Welt, dass die Kunden zunehmend das Thema ansprechen würden.

Gegenüber der Wirtschaftszeitung erklärt Mahaney, dass die meisten Investoren auf ihre Gespräche mit Jugendlichen verwiesen, die ihnen diese «Müdigkeit» bestätigten. Die Jugend sei zunehmend von Diensten wie Twitter und Whatsapp begeistert. Hoch im Trend sei nach Ansicht der Anleger auch der Dienst Snapchat. Das ist eine App, die das Verschicken von Text und Bildern ermöglicht. Allerdings wird der Inhalt nach einer bestimmten Zeit automatisch gelöscht.

Sättigungsgrad erreicht

Für den langfristigen Erfolg von Facebook sei die Altersgruppe der unter 25-Jährigen entscheidend, so die Investoren. Sie nutzten die Plattform am häufigsten und würden die restliche Bevölkerung dazu animieren. Das bestätigt im Bericht der «Financial Times» auch Facebooks Finanzchef David Ebersman. Er glaubt, dass sich die jungen User vermehrt aus Facebook ausklinken. «Junge Nutzer gehören zu unseren aktivsten», sagt er. Interne Untersuchungen zeigten, dass andere Anwendungen boomen. Doch auch wenn Facebook bei den jungen Amerikanern einen Sättigungsgrad erreicht habe, sei das Netzwerk in der Nutzung immer noch führend.

Die Investoren sind allerdings nicht allein über das zunehmende Fernbleiben der jungen Nutzer besorgt. Auch die aggressive Werbestrategie könnte unvorteilhaft für Facebook sein. Denn der Dienst sei durch die viele Werbung unübersichtlich und schliesslich weniger attraktiv geworden. Facebook selbst verharmlost diese Bedenken. Man verweist auf Untersuchungen, wonach durchschnittliche Nutzer ebenso aktiv seien wie jene, die keine Werbung vorgesetzt bekommen hätten.

Noch keine Killer-App

Aber die grösste Herausforderung für Facebook orten die Investoren im Aufkommen der mobilen Endgeräte. Benedict Evans, Analyst beim Marktforscher Enders Analysis, sagt, dass Facebook zwar viel in die mobile Zukunft investiert habe. Doch sei es keinesfalls sicher, ob das Unternehmen aus dem harten Wettbewerb auch tatsächlich als Sieger hervorgehen werde. Bis jetzt sei es Facebook noch nicht gelungen, eine Killer-App auf den Markt zu bringen. Die Konkurrenz ist allerdings hart: Weltweit gibt es bereits mehr als ein Dutzend soziale Anwendungen für Smartphones, die mehr als 100 Millionen mobile Nutzer haben. Einige von ihnen haben Facebook als Marktleader in gewissen Ländern abgelöst. Evans sagt: «Alle Menschen, die eine alternative Anwendung installierten, sind Menschen, die bereits ein Facebook-Konto haben und sich dagegen entschieden.»

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