Zwischen Schein und Innovation

An der Internationalen Funkausstellung in Berlin werden die neusten Trends der Unterhaltungselektronik vorgeführt. Nicht alle werden halten, was sie versprechen.

Krumm ist das neue Flach: LG zeigt seine gekrümmten Fernseher.

Krumm ist das neue Flach: LG zeigt seine gekrümmten Fernseher.

(Bild: Reuters)

Rafael Zeier@RafaelZeier

Produktankündigungen sind immer auch ein Versprechen. So verlockend manche klingen, ganz sicher kann man sich nie sein, ob sie dann auch halten, was versprochen wurde. An einer Messe wie der IFA wird einem auf Schritt und Tritt alles Mögliche und Unmögliche vorgeführt. Perfekt inszeniert und im Scheinwerferlicht versprechen die Hersteller einen Blick in die nahe und ferne Zukunft. Doch ob sich diese Versprechen ausserhalb der inszenierten Messewelt auch erfüllen, zeigt sich erst, wenn die pompösen Stände längst wieder abgebaut sind.

Das grösste Versprechen hat dieses Jahr Samsung abgegeben. Mit seiner smarten Uhr soll man das Handy seltener hervorkramen müssen. Telefonieren können soll man elegant mit der flachen Hand am Ohr und einem Mikrofon in der Schnalle der Uhr. Hat man sich verlaufen, reicht vielleicht schon bald ein Blick auf das Zifferblatt, wo auf das Livebild der Kamera Richtungsangaben projiziert werden.

Erfüllt sich dieses Versprechen, könnte sich die Behauptung bewahrheiten, dass das Handy die Taschenuhr unserer Zeit ist. Ob die Uhr dem Handy aber schon mit der ersten wirklich vielversprechenden Smartwatch den Rang abläuft, bleibt abzuwarten. Zumal neue Geräteklassen für gewöhnlich mit Kinderkrankheiten und zu hohen Preisen die meisten Käufer abschrecken.

Mängelwesen Handy

Eine ähnliche Überlegung wie Samsung hat sich auch Sony gemacht. Handys werden zwar mit jedem Jahr ein bisschen besser, aber wirklich zwingend sind die Verbesserungen für die meisten Käufer kaum noch. Darum rücken die bereits verkauften Handys und ihre Mängel ins Blickfeld der Hersteller. Gerade bei den Handykameras sind die Mängel augenfällig. So gut die kleinen Knipser auch geworden sind, in Sachen Zoom oder Tiefenschärfe sind sie Fotokameras, allein schon wegen ihrer geringen Grösse, unterlegen.

Um diesen Mangel auszugleichen, hat Sony zwei Objektivkameras vorgestellt. Dabei handelt es sich um vollwertige Kameras mit Akku, Speicherplatz und eigenem Fotosensor. Nur einen Bildschirm haben diese zylinderförmigen Kameras nicht. Als Bildschirm dient ihnen das per Funk verbundene iPhone oder Android-Telefon. Wer will, kann die Kamera mit verschiedenen Klemmen und speziellen Hüllen an seinem Handy befestigen. Es ist aber auch möglich, beim Fotografieren die Kamera in der einen Hand und das Handy in der anderen zu halten.

Wie auch die Uhr von Samsung nutzen die Objektivkameras NFC. Diese Technologie erleichtert es, zwei Geräte per Funk zu verbinden. Möchte man sein Handy mit einer Objektivkamera oder einer Smartwatch verbinden, müssen sich die zwei nur berühren und schon wird die Funkverbindung automatisch hergestellt.

Immer mehr Geräte und Hersteller unterstützen diesen intuitiven Standard. So gibt es etwa schon Kopfhörer, Lautsprecher, Fernseher oder Drucker, die sich per Berührung unkompliziert mit dem Handy oder Tablet verbinden lassen. In einem Probebetrieb lassen sich so selbst Postauto-Fahrpläne an Haltestellen aufs Handy übertragen. Mit Spannung wird daher erwartet, ob sich Apple morgen an seiner jährlichen iPhone-Präsentation ebenfalls diesem Trend anschliessen oder eine eigene Lösung vorstellen wird.

Gekrümmte Fernseher

Wie schon im Vorjahr zeigen die Hersteller auch heuer wieder reihenweise grosse Fernseher der angeblich nächsten Generation. Hinter den Namen 4K, UHD oder Ultra HD verbergen sich Fernseher mit viermal höherer Auflösung als die heute gängigen Geräte.

Ein Blick auf die teilweise exorbitanten Preise zeigt aber, dass die Geräte immer noch Jahre vom Massenmarkt entfernt sind. Und ob selbst dann die höhere Auflösung den Preis für einen neuen Fernseher rechtfertigt, muss sich erst noch zeigen.

Mit einer anderen Innovation im TV-Bereich könnte den Herstellern aber mehr Erfolg beschieden sein. Gekrümmte Bildschirme sollen das Seherlebnis verbessern, so das Versprechen der Hersteller. Viele Händler dürften sich ob der Neuerung die Hände reiben. Ist es doch nicht immer einfach, die Unterschiede eines neuen TV-Geräts im Vergleich zu einem alten zu zeigen. Eine Krümmung sieht man dagegen auf den ersten Blick.

Ob es sich dabei aber um eine tatsächliche Neuerung oder nur eine Scheininnovation handelt, muss sich erst noch weisen. Die Chancen stehen allerdings gut, dass auch im nächsten Jahr in Berlin wieder gekrümmte Fernseher gezeigt werden.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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