Konkurrenz für den Kabelanschluss?

Wilmaa bringt eine Box fürs Fernsehen via Internet. Die überzeugt – ausser beim Preis.

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Matthias Schüssler@MrClicko

Fernsehen per Internet ist am Tablet oder Laptop längst gelebte Wirklichkeit. Das TV-Gerät in der guten Stube wird indes nach wie vor über den Kabelanschluss mit Programmen versorgt. Nun bringt Wilmaa eine Set-Top-Box, die diesen Anschluss überflüssig macht, wenn eine schnelle Internetverbindung, zum Beispiel per Glasfaser, vorhanden ist.

Ab einer Verbindungsgeschwindigkeit von 10 Mbps ist man dabei – unabhängig vom Provider. Soll die Box die Nutzer mit schnellem Internetzugang dazu bringen, ihr Digital-TV-Abo zu kündigen? «Nicht unbedingt», sagt Michael Loss, Mediensprecher von Wilmaa. «Die Box funktioniert auch wunderbar als Zweitbox und eignet sich somit fürs Schlafzimmer oder fürs Ferienhäuschen.» So mobil wie sie sei, lasse sie sich auch problemlos mitnehmen.

Allerdings ist die Box nicht billig. Nebst den einmaligen Kosten von 199 Franken berappt man 29 Franken pro Monat fürs TV-Abo. Ist das nicht etwas teuer für die Box fürs Schlafzimmer? Loss verweist auf die Zusatzfunktionen, auf die man bei günstigeren Lösungen verzichten müsste: Nebst den 200 Sendern (40 davon in HD) kann man das Programm pausieren, aufzeichnen oder über die Replay-Funktion auf Sendungen der vergangenen sieben Tage zurückgreifen – ohne dass man diese vorgängig hätte aufzeichnen müssen. Stolz ist Loss auch auf die «Start over»-Funktion. Sie springt automatisch zum Anfang der Sendung zurück. Das funktioniert nicht nur bei Aufzeichnungen, sondern auch beim Live-Programm. Das heisst: Endlich keine verpassten Sendungsanfänge mehr!

Sendungen unkompliziert archivieren

Die Sendungen werden in der Cloud aufgezeichnet, was eine Festplatte im Gerät überflüssig macht. Die Aufnahmen können aber per USB auf einen Stick oder eine externe Festplatte heruntergeladen werden. Auf dem Speichermedium landet eine unverschlüsselte MPG4-Datei, die sich am Computer oder Tablet wiedergeben lässt: Das eröffnet auch eine vergleichsweise unkomplizierte Möglichkeit, Fernsehsendungen zeitlich unbeschränkt aufzubewahren.

Ohne Festplatte und Lüfter verbraucht die Box auch sehr wenig Strom: 4 Watt sind es im Betrieb und 0,33 Watt im aktiven Standby-Betrieb – das ist nur wenig mehr als die 0,23 Watt, die das Netzteil benötigt, wenn die Box über den Aus-Schalter auf der Rückseite ganz ausgeknipst wird. Ein Nachteil hat die Speicherung der Sendungen in der Cloud allerdings: Man kann nicht mit mehrfacher Geschwindigkeit durch die Aufnahmen spulen, sondern nur vor- und zurückhüpfen. Das macht das Auslassen von Werbespots etwas schwieriger als bei einem digitalen Festplattenrekorder.

Die Installation erweist sich in unserem Test als unkompliziert. Die Box wird an den Strom und per HDMI am Fernseher angeschlossen und per Ethernet-Kabel oder drahtlos mit dem Internet verbunden. Bei der Verwendung von WLAN ist die grösste Herausforderung (wie immer bei Geräten ohne Tastatur oder Touch-Screen), das Passwort über die Navigationstasten der Fernbedienung einzugeben. Die Box weist beim Umschalten der Sender die Verzögerung auf, an die man sich beim Digitalfernsehen schon gewöhnt hat, und reagiert ansonsten flüssig. Beim direkten Vergleich des Fernsehbildes mit dem Signal der UPC-Cablecom ist zu vermuten, dass die Wilmaa-Box eine geringere Bitrate verwenden dürfte. Für den favorisierten Einsatz als Box für den nicht ganz so grossen Zweitfernseher ist das allemal gut genug.

Durchdacht bis in die Details

Fazit: Die Wilmaa-Box ist ein Produkt, dem man anmerkt, dass es hierzulande entwickelt wurde: Solide, durchdachte Technik und gut verarbeitet. Beim Rezensionsexemplar für die Presse, das wir getestet haben, lagen zwei Fernbedienungen bei: Eine kleine, einfache und eine etwas grössere mit zusätzlichem Zahlenblock und Lautstärkeregler: «Die anspruchsvollen Schweizer Nutzer legen auch bei der Fernbedienung Wert auf Qualität und Haptik», erklärt Mediensprecher Michael Loss. An die Kunden wird nur die grössere Fernbedienung geliefert. Durch das Founder-Programm sind auch Anregungen der Community eingeflossen.

Die Box überzeugt auch bei den Details: Die «Top Ten» zeigt an, was bei anderen Wilmaa-Nutzern populär ist. Die Empfehlungen werden aus den Einschaltquoten und den Likes ermittelt, mit denen man als Nutzer der Box seine Lieblingssendungen kennzeichnet. Es gibt die Möglichkeit, im Browser per Drag & Drop eine eigene Senderreihenfolge zu bestimmen. In Zukunft wird man in der «Livingroom»-Ansicht, in der man auch den Teletext und die Favoriten vorfindet, ein eigenes Bild hinterlegen können – und nebst dem Aquarium als Bildschirmschoner gibt es vielleicht auch das legendäre Fernsehkaminfeuer. Nur bei der Preisgestaltung ist die Box noch nicht ausgereift – die Fixkosten von 29 Franken pro Monat dürften vielen zu hoch sein.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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