Amazon ködert die Fotografen

Unbegrenzter Fotospeicher für den Gegenwert dreier Kaffees: Das bietet nun Amazon an. Allerdings ist das Hochladen eine Tortur.

Ein Blick ins Fotoalbum: Amazon sortiert die Bilder nach dem Aufnahmedatum.

Ein Blick ins Fotoalbum: Amazon sortiert die Bilder nach dem Aufnahmedatum.

(Bild: mbb)

Mathias Born@thisss

Das ist sehr attraktiv: Bei Amazon können unbeschränkt viele Fotos in den Online-Speicher Cloud Drive geladen werden. Und das für umgerechnet knapp 12 Franken – wohlgemerkt: nicht pro Monat, sondern pro Jahr. Ein Vierteljahr lang darf der Speicher zudem gratis getestet werden.

Zum Vergleich: Bei Google und Dropbox kostet ein Terabyte Online-Speicher derzeit umgerechnet um die 10 Franken pro Monat, in Apples iCloud muss man sogar doppelt soviel hinblättern.

Ist das Cloud Drive von Amazon also eine kostengünstige Lösung fürs Fotoarchiv – zumindest für jene Bilder, die nicht besonders geschützt werden müssen und auf die von mobilen Geräten aus zugegriffen werden soll?

Einfache Bedienung

Der erste Test ist viel versprechend: Die Fotos lassen sich bequem mit dem Webbrowser ins Cloud Drive laden. Werden einzelne Fotos ausgewählt, funktioniert das problemlos. Sollen ganze Ordner hochgeladen werden, muss allenfalls auf den Webbrowser Chrome von Google gewechselt werden. Die hochgeladenen Fotos lassen sich auch nachträglich in Ordnern beziehungsweise Alben sortieren.

Anzeigen lassen sich die Bilder in der Alben-Ansicht. Oder man lässt nach dem Aufnahme- oder Hochladedatum sortieren. Wer die Fotos vor dem Hochladen bereits mit Schlagworten oder Kommentaren versehen hat, wird allerdings enttäuscht: Das Cloud Drive von Amazon ignoriert diese so genannten IPTC- oder Exif-Metadaten. Und auch eine Gesichtserkennung, wie etwa Google sie anbietet, wurde noch nicht implementiert.

Die einzelnen Fotos lassen sich bequem in voller Auflösung wieder herunterladen. Und sie können einfach mit anderen Leuten per Direktlink oder via Facebook geteilt werden. Bislang ist es aber nicht möglich, ganze Alben beziehungweise Ordner zu teilen.

Die selben Möglichkeiten bieten die Android- und die iOS-App, die Amazon kostenlos zur Verfügung stellt. Hinzu kommt eine praktische Zusatzfunktion: Auf Wunsch werden alle mit dem Smartphone oder dem Tablet gemachten Fotos automatisch ins Cloud Drive geladen. Auch Hochladeprogramme für Windows und fürs MacOS sind verfügbar. Diese bieten aber kaum mehr Möglichkeiten als die Hochladefunktion im Browser.

Noch zu wenig flexibel

Und genau hier liegt das Hauptproblem, wie ein weiterführender Test zeigt: Nicht nur dauert das Hochladen einer grossen Fotosammlung abhängig von der Internetverbindung sowie der Anzahl und der Grösse der Fotos bisweilen tagelang. Amazon macht es den Nutzern auch nicht leicht, grosse Bildersammlungen automatisiert in die Cloud zu schicken. So fehlt etwa eine Möglichkeit, die Bandbreite während des Hochladens zu begrenzen. Tut man das nicht, wird die Internetverbindung unter Umständen für die übrigen Benutzer unbrauchbar langsam.

Noch ein weiteres Problem muss Amazon lösen: Die meisten Fotoapparate legen Filme und Fotos im selben Verzeichnis ab. Bevor Verzeichnisse tel quel hochgeladen werden, müssen die Filme manuell aussortiert werden. Denn diese hochzuladen, dauert viel zu lange. Und für Filme bleibt das bisherige Speicherlimit von 5 Gigabytes bestehen.

Allerdings steht Amazon derzeit noch ganz am Anfang. Bereits sind die ersten Updates für die Apps eingetroffen. Und auch eine technische Schnittstelle besteht, die von externen Programmierern genutzt werden kann. Es ist also zu erwarten, dass bald schon zumindest eine bessere Hochladefunktion zur Verfügung steht.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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