«Wir haben die Tastatur neu erfunden»

Lange waren Blackberrys das Statussymbol für Manager schlechthin. Doch dann verpasste die Firma den Anschluss. Nun bringt Blackberry in Kooperation mit der chinesischen Firma TCL ein Smartphone mit Tastatur auf den Markt.

Zurück in die Zukunft: Das neue Blackberry-Gerät hat eine richtige Tastatur.

Zurück in die Zukunft: Das neue Blackberry-Gerät hat eine richtige Tastatur.

(Bild: zvg)

François Mahieu, wir schreiben das Jahr 2017. Sogar Grosseltern besitzen Smartphones mit berührungsempfindlichen Bildschirmen. Weshalb versucht es Blackberry nochmals mit einem Smartphone mit Tastatur?François Mahieu: Viele Leute ­vermissen am Smartphone die Tastatur. Denn mit Tasten arbeitet man viel effizienter. Schauen Sie sich die heutigen Produkte an: Alle sehen gleich aus. Mit dem Blackberry Key One lancieren wir ein Gerät, das anders ist. Darauf sind wir stolz. Vor allem aber sind wir stolz darauf, dass wir die Tastatur neu erfunden haben.

Was ist neu an der Tastatur?Darauf kann man nicht nur bequem tippen. Man kann auch gut navigieren, also zwischen Apps oder von einer zur nächsten Webseite wechseln. Sehr wichtig sind dabei die Tastaturkürzel: Jeder einzelnen Taste lässt sich ein Befehl zuordnen. Sie können eine Taste so konfigurieren, dass beim Druck darauf ihre Partnerin angerufen wird. Ein Druck auf «F» wiederum könnte Facebook öffnen, einer auf «M» die Mail-App. Sogar als Maus­er­satz dient die Tastatur. Die Software dahinter lernt, was die Nutzer schreiben, und macht Vorschläge. Probieren Sie es aus: So effizient wie mit diesem Smartphone arbeitet man mit keinem Konkurrenzprodukt.

Shortcuts mögen zwar praktisch sein. Bedingung ist aber, dass man die Tastenkombinationen verinnerlicht. Das machen in der Regel nur Intensivnutzer.Genau an diese richten wir uns. Intensiv- und Geschäftsnutzer werden aus zwei Gründen mit dem Key One glücklich werden: Sie wollen Aufgaben möglichst rasch erledigen. Und sie wollen nicht ständig mit einem leeren Akku kämpfen. Bei vielen aktuellen Smartphones ist der Akku bei intensiver Nutzung mitten am Nachmittag leer. Nicht so bei diesem Gerät.

«Viele Leute vermissen am Smartphone die Tastatur. Denn mit Tasten arbeitet man viel effizienter.»François Mahieu

Die Tastatur ist praktisch, benötigt aber Platz. Deshalb ist der Monitor vergleichsweise klein.Das Key One hat tatsächlich einen leicht kleineren Bildschirm als viele Konkurrenzprodukte. Das ist aber kein Nachteil. Denn das Gerät wird vorab zur Kommunikation genutzt. Und sobald Sie auf einem herkömmlichen Smartphone etwas tippen sollen, wird eine virtuelle Tastatur eingeblendet, die einen Grossteil des Bildschirms abdeckt.

Weshalb wird das Gerät von TCL, einem chinesischen Hersteller, produziert?Blackberry stellt mittlerweile ausschliesslich Software her. TCL hingegen ist auf die Produktion von Geräten spezialisiert. Eine enge Partnerschaft zwischen den beiden Firmen macht Sinn. Gemeinsam haben wir ein gutes, schönes Produkt geschaffen – das bislang sicherste Android-Telefon überhaupt.

Das Gerät wird in China produziert. Als Betriebssystem kommt – anstelle des bislang verwendeten Blackberry OS – das weitgehend von Google entwickelt Android zum Einsatz. Weder die Chinesen noch die US-Amerikaner sind dafür bekannt, die Privatsphäre der Nutzer gut zu schützen. Wie können Sie trotzdem das «sicherste Android-Smartphone» bauen?Die Sicherheitssoftware wird von der Firma Blackberry in Kanada entwickelt. Dazu gehört die Verschlüsselungstechnologie sowohl für die Hard- wie auch für die Software. So können wir einen hohen Standard sicherstellen. Wir erfüllen selbst die strikten Anforderungen von staatlichen Organisationen, die mit heiklen Daten zu tun haben.

Früher verkaufte Blackberry die Software und die Smartphones als Bündel an Grosskunden. Wie gehen Sie heute vor?Der Markt hat sich geändert. Früher kauften die Unternehmen die Smartphones für ihre Manager ein. Das ist heute nicht mehr so. In der Regel suchen sich die Leute ihr Gerät selber aus. Deshalb verkaufen wir die Geräte nun auch über den normalen Handel.

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