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Neues Blackberry? «Heisser als das iPhone 5»

Wie ein deutscher Manager den Blackberry-Hersteller vor dem Untergang retten will. Und warum der 30. Januar über das Schicksal des einst grössten kanadischen Unternehmens entscheiden könnte.

Der Lack ist ab: Der Blackberry-Konzern Research in Motion (RIM) war mit 83 Milliarden Dollar im Juni 2008 das wertvollste Unternehmen in ganz Kanada. Seither ging der Aktienkurs jedoch stetig zurück, von damals mehr als 140 auf aktuell knapp 18 Dollar. (18. April 2012)
Der Lack ist ab: Der Blackberry-Konzern Research in Motion (RIM) war mit 83 Milliarden Dollar im Juni 2008 das wertvollste Unternehmen in ganz Kanada. Seither ging der Aktienkurs jedoch stetig zurück, von damals mehr als 140 auf aktuell knapp 18 Dollar. (18. April 2012)
Reuters
Von RIMs 16'500 verbliebenen Mitarbeitern leben 7500 in Waterloo, einer Universitätsstadt, 90 Minuten von Toronto entfernt. (18. April 2012)
Von RIMs 16'500 verbliebenen Mitarbeitern leben 7500 in Waterloo, einer Universitätsstadt, 90 Minuten von Toronto entfernt. (18. April 2012)
Mark Blinch, Reuters
Der studierte Physiker und Informatiker arbeitet schon seit Dezember 2007 für RIM. Der 55-jährige Manager war zuletzt als Vorstand für Blackberry-Smartphones zuständig. Bei Siemens war er als Manager in der Kommunikationssparte tätig. (1. Mai 2012)
Der studierte Physiker und Informatiker arbeitet schon seit Dezember 2007 für RIM. Der 55-jährige Manager war zuletzt als Vorstand für Blackberry-Smartphones zuständig. Bei Siemens war er als Manager in der Kommunikationssparte tätig. (1. Mai 2012)
David Manning, Reuters
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Vor fast genau einem Jahr trat ein Mann an die Spitze des einstmals grössten kanadischen Unternehmens Research in Motion, den kaum ein Branchenkenner auf dem Radar hatte. Sein Name: Thorsten Heins. «Thorsten who?», fragte das «Wall Street Journal» überrascht in einem Artikel über den Nachfolger des langjährigen RIM-Führungsduos Mike Lazaridis und Jim Balsillie. Intern indes wurde der Deutsche schon länger als Thronfolger gehandelt. Der studierte Physiker und Informatiker arbeitet schon seit fünf Jahren für RIM und wechselte von der Siemens-Zentrale in München in die Blackberry-Zentrale in Waterloo, einem Vorort von Toronto.

Fokussierung auf das neue OS

Woran aber liegt es, dass Heins auch nach zwölf Monaten an der Spitze des Blackberry-Unternehmens – zumindest auf dem alten Kontinent – kaum jemand kennt, nicht einmal in seinem Heimatland?

Untätig gewesen ist der 55-Jährige jedenfalls nicht. Nach verheerenden Fehlentscheidungen seiner Vorgänger, Gewinneinbrüchen und dem damit einhergehenden Niedergang zum Multimedia-Nonvaleur (siehe Bildstrecke) strich Heins fast ein Drittel der insgesamt 16'500 Stellen und konzentrierte sich auf die Vorbereitungen zum Start des mobilen Betriebssystems Blackberry 10.

Dies ermöglicht unter anderem separate Bereiche für private und geschäftliche Nutzung. Firmen können so ihren Angestellten Zugriff auf Businessinhalte gewähren, ohne dass diese mit (zum Beispiel) persönlichen Social-Media-Aktivitäten oder Privatmails vermengt werden. Das OS wird am Mittwoch vorgestellt, zeitgleich mit neuer Hardware namens Blackberry Z10.

Das Smartphone, so viel ist bekannt, verfügt unter anderem über einen 4,2 Zoll grossen Bildschirm mit einer Auflösung von 1280 mal 768 Pixeln (356 ppi), Dual-Core-Prozessor, 16 GB internen Speicher, 2 GB RAM, 8 MP-Kamera und einen NFC-Chip, der bargeldloses Zahlen ermöglicht.

Die Bekehrung des Starbloggers

Das 125 Gramm leichte Blackberry-Flaggschiff ist, glaubt man dem bekannten US-Blogger Jesus Diaz, rundum gelungen: «Ich habe», schreibt der Gizmodo-Autor, «Blackberrys immer gehasst, diese hässlichen Klötze – bis das Blackberry Z10 kam. Das Z10 ist heiss, heisser als das iPhone 5.» Ebenfalls durchaus zufrieden mit dem Gerät zeigt sich der Tester des österreichischen Techportals Telekom-Presse (siehe Video in der linken Spalte).

Handelt es sich beim Z10 um ein Touchscreen-Mobile, kommt die zweite Handyneuerung, das Blackberry X10 mit klassischer QWERTZ-Tastatur daher. Heins möchte zudem, glaubt man den Technikportalen in Übersee, mit einem Blackberry-10-Tablet das Playbook-Fiasko vergessen machen – das erste Tablet aus dem Hause RIM erwies sich als Ladenhüter.

Zu hohe Ambitionen

Niemand kann derzeit prognostizieren, ob den neuen Blackberrys nicht ein ähnliches Schicksal droht. Allerdings scheinen die Kanadier dazugelernt zu haben. RIMs Appstore Blackberry App World heisst laut einem Eintrag im offiziellen Firmenblog per sofort Blackberry World und wird nicht mehr nur Applikationen, sondern auch Fernsehserien, Kinofilme und Songs umfassen. Der Onlinemarktplatz für RIM-Kunden werde so zum «zentralen Treffpunkt für alle mobilen Unterhaltungswünsche».

«Langfristig», gab Thorsten Heins 2012 den Medien zu Protokoll, «will ich im Segment für mobile Computer die Nummer 1 sein.» Trotz aller Anstrengungen dürfte dieses Ziel kaum zu erfüllen sein: Laut der neusten Analyse des Marktforschungsunternehmens Gartner betrugt der Blackberry-Anteil im globalen Handymarkt im dritten Quartal 2012 gerade mal noch 2,1 Prozent. Der Rückstand ist gross. Zu gross? RIM komme «sehr spät in einen Markt, der zwischen den Betriebssystemen sehr umkämpft ist», so Gartner-Analystin Roberta Cozza gegenüber der Nachrichtenagentur DPA. RIM sei erfolgreich gewesen, «als man noch klar trennen konnte, was Geschäftskunden und was Privatnutzer wollen». Heute sei diese Grenze verschwommen.

Spekulationen statt Produkte

Vielleicht muss Thorsten Heins einfach seine Erwartungshaltung korrigieren? Immer wieder machten Gerüchte die Runde, wonach sich die Konkurrenz RIM einverleiben wolle. Zuletzt wurde heftig über eine Übernahme durch Lenovo spekuliert (Redaktion Tamedia berichtete). Wenn Heins am 30. Januar seine Sache gut macht und wie in den guten alten RIM-Zeiten wieder die Produkte im Mittelpunkt stehen, dürften solche Berichte der Vergangenheit angehören. Das dürfte der Chef durchaus auch als Erfolg verbuchen.

Hat der Blackberry-Konzern RIM noch eine Zukunft. Was meinen Sie? Schreiben Sie uns.

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