Wenig Neues. Und uraltes

Nokia ist mit einer skurrilen Neuheit zurück. Derweil leckt man sich bei Samsung die Wunden, und Huawei nutzt die Gunst der Stunde. Ein Überblick über die neuen Produkte auf der Mobilfunkmesse in Barcelona.

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Mathias Born@thisss

Ein altmodisches Teil stiehlt den Boliden die Show: Nokia feiert mit dem Handy 3310 einen überraschenden Erfolg auf dem Mo­bile World Congress in Barcelona, der heute zu Ende geht.

Zwar wurde das neu aufgelegte Handy im Vergleich zum Kultgerät aus dem Jahr 2000 verbessert: Es ist mit einen Farbbildschirm und einer einfachen Kamera bestückt. Auch das Design wurde modernisiert.

Im Vergleich zu den Smartphone-Boliden, die an der grössten Mobilfunkmesse an den Start gehen, bietet es aber wenig – ausser dem Akku, der sich austauschen lässt und der im Schlafmodus fast einen Monat durchhält. Dafür weckt das neue Nokia 3310 mit dem vorinstallierten Spielklassiker Snake und den (nervtötenden) Klingeltönen nostalgische Gefühle.

Retrochic in Ehren, doch zum Verkaufshit dürfte es das Handy nicht mehr bringen. Trotzdem ist es für seinen Hersteller wichtig. Denn dank ihm weiss nun fast jedermann: Nokia, das Urgestein der Mobiltelefonie, ist zurück.

Beim finnischen Hersteller hatte man vor 15 Jahren die Entwicklung zum Smartphone verschlafen. Vor 6 Jahren begann eine enge Kooperation mit Micro­soft. 2014 wurde die Endgerätesparte nach Redmond verkauft. Ohne Erfolg: Microsoft stampfte die Marke schliesslich mangels Erfolg ein.

Unter dem alten Markennamen erscheint nun nicht nur das Nokia 3310 – ein Gerät, das so tut, als hätte es nie etwas anderes als Handys gegeben – sondern auch drei moderne Mittelklasse-Smartphones. Hergestellt werden sie durch die Firma HMD aus Finnland, die sich die Markenrechte gesichert hat.

Samsung steckt in der Krise

In den letzten Jahren war es jeweils die Firma Samsung, die in Barcelona den Ton angab; der Hauptkonkurrent Apple setzt auf eigene Veranstaltungen. Doch jüngst hatte der südkoreanische Konzern Rückschläge einzustecken: Das im Spätsommer in aller Eile auf den Markt gedrückte Phablet Galaxy Note 7 musste wegen des brandgefährlichen Akkus zurückgerufen werden.

Das kostete Vertrauen und 5,3 Milliarden Dollar. Ende Jahr überholte Apple nach gutem Weihnachtsgeschäft Samsung und wurde wieder zum grössten Smartphone-Hersteller. Gleichzeitig legen die Konkurrenten aus China zu.

Samsungs Präsentation fiel im Vergleich zu den pompösen Shows der Vorjahre denn auch eher nüchtern aus. Details gab es zum Galaxy Tab S3, einem klassischen Tablet, und zum Galaxy Book, einem Tablet-Notebook-Zwitter, der Microsofts Surface Book Konkurrenz machen soll.

Zudem wurde das überarbeitete Virtual Reality-Headset Gear VR vorgestellt: Es wird mit Steuergerät geliefert. Zudem soll es einem beim Filmeschauen und Spielen weniger oft schlecht werden.

Die Südkoreaner verzichteten aber darauf, das neue Spitzen-Smartphone S8 auf der grossen Bühne zu zeigen. Dieses soll Ende März in New York lanciert werden. Damit das Feld nicht ganz den Konkurrenten überlassen blieb, wurden aber wohl bewusst einige Infohäppchen gestreut.

Zwei Kameras genügen nicht

Die Konkurrenten hatten ihre Chance indes längst gewittert. Bei Huawei etwa, wo man Ambitionen hegt, Samsung über kurz oder lang zu überholen. In den vergangenen Jahren hatte der chinesische Hersteller jeweils darauf verzichtet, das neue Spitzenmodell an dieser Messe zu lancieren.

Samsung war schlicht zu dominant und zog zu viel Aufmerksamkeit ab. Doch heuer war es umgekehrt: Huawei zeigte das Smartphone P10. Der wichtigste Unterschied zum gut gelungenen Vormodell ist die neue Selfie-Linse, die – wie die normale sowie die Linse des Schwarzweissmoduls auf der Geräterückseite – vom renommierten deutschen Hersteller Leica stammt.

Auch LGkonnte sich mit einem überzeugenden Produkt und Innovationen bei der Kamera Aufmerksamkeit sichern. Das Smartphone G6 soll sich mit einer Hand bedienen lassen, obwohl der Bildschirm 5,7 Zoll gross ist.

Damit das gelingt, wurde es in die Länge gezogen: Während die meisten Smartphones einen Bildschirm im Format 16 zu 9 aufweisen, beträgt das Seitenverhältnis des Geräts 18 zu 9.

Dasselbe Format nutzen einige neue Fernsehserien, die auf Amazon und Netflix zu sehen sind. Lobenswert beim Design ist, dass die Linsen nicht aus dem Gehäuse hervorstehen. Apropos: Auf der Rückseite wurden zwei Kameras verbaut, sodass man wahlweise auf Weitwinkel umschalten kann.

Mit dem LG X Power 2 liefert LG zudem einen Langstreckenläufer ab: Dieses Mittelklassegerät verfügt über einen mit 4500 Milliamperestunden potenten Akku. Damit soll das Smartphone zumindest einige Tage ohne Aufladen genutzt werden können.

Sony wiederum setzt auf einen besonders brillanten Bildschirm: Das neue Spitzenmodell Xperia XZ Premium glänzt mit 4K, also mit vierfacher HD-Auflösung. Die Kamera macht Fotos mit 19 Megapixeln.

Und: Sie wartet mit einer Superzeitlupenfunktion auf, die bis zu 960 Bilder pro Sekunde aufzeichnet. Wegen des knappen Fotospeichers ist sie indes auf 0,2 Sekunden begrenzt, was 6 Sekunden Film ergibt.

Während die meisten Hersteller mit mehr oder weniger praktischen Kamerainnovationen zu punkten versuchen, setzt der chinesische Anbieter ZTE auf die Datenübertragung: Er präsentiert einen Smartphone-Prototyp, der Daten über das kommende 5G-Netzwerk übertragen kann – bis zu zehnmal schneller als die heutigen Geräte.

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