Mit Doppelkamera und allem Schnickschnack

Weltmarkführer – das will Huawei werden. Doch kommt der chinesische Hersteller schon an Samsung und Apple heran? Ein Gerätetest.

Mate 10 Pro: Mit Doppelkamera.

Mate 10 Pro: Mit Doppelkamera.

(Bild: zvg)

Mathias Born@thisss

Huawei ist längst nicht mehr der Billigheimer von einst: In den letzten fünf Jahren hat sich der chinesische Hersteller in der Mittelklasse etabliert – und von dort sukzessive Richtung Spitze vor­angetastet. Das ist nötig, wenn Huawei wirklich innert weniger Jahre Weltmarktführer werden soll, wie Richard Yu es plant, der Leiter der Smartphone-Sparte.

Sein Vorhaben könnte tat­sächlich glücken: Die Firma, die mit einem Marktanteil von 10 Prozent weltweit an dritter Stelle liegt – fast auf der Höhe von Apple, aber ein gutes Stück hinter Samsung –, legt ein immenses ­Innovationstempo vor. Mit dem neuen Phablet versucht Huawei nun in der Topliga mitzumischen.

Das aus Glas

Das Mate 10 Pro macht eine gute Figur: Es ist tadellos verarbeitet und wirkt wertig. Dies vorab wegen des Gehäuses, dessen Rückseite aus seitlich abgerundetem Glas gefertigt ist. Während bei Samsung und Apple die drahtlose Ladefunktion ein Grund fürs Glas ist, dürfte es Huawei ums Optische gehen. Drahtlos laden lässt sich das Gerät jedenfalls nicht. Da Glas oft bricht, legt Huawei dem Vorzeigegerät – Kostenpunkt: rund 800 Franken – eine Plastikhülle bei. Doch wer will schon ein Schmuckstück verhüllen?

Die Frontseite gehört fast ganz dem 6 Zoll grossen OLED-Monitor. Oben hats bloss Platz für Kamera und Lautsprecher, unten für den Markennamen. So bleibt das Gerät trotz grosser Anzeige verblüffend handlich. Apropos: Huawei verweigert sich dem Pixelwahnsinn und setzt mit 2160 mal 1080 Bildpunkten auf eine bloss leicht erweiterte Full-HD-Auflösung. Mehr ist nicht nötig.

Die Leistungsdaten sehen gut aus: Der Arbeitsspeicher ist mit 6 Gigabyte grosszügig, der permanente Speicher mit 128 Gigabyte angemessen. Allerdings lässt er sich nicht erweitern. Dafür ­bietet das Gerät Platz für eine zweite SIM-Karte. Der Akku ist mit 4000 Milliampèrestunden sehr gross. Eine Klinkenbuchse für den Kopfhörer gibt es nicht. Dafür überlebt das Gerät ein kurzes Eintauchen ins Wasser.

Mit künstlicher Intelligenz

Punkten kann das Mate 10 Pro mit den Hauptkameras, die wiederum gemeinsam mit Leica entwickelt worden sind. Beeindruckend ist ihre Lichtempfindlichkeit: Blende 1:1.6 ist ein Topwert. Das Foto des sensiblen Schwarzweisssensors wird mit jenem des Farbsensors zusammengeführt. So entstehen selbst im Dämmerlicht akzeptable Fotos. Die neue Fotosoftware erkennt die Art des Sujets und passt die Einstellungen automatisch an.

Dies ist ein erster Fall für den Chip Kirin 970, in dem nebst dem Haupt- und dem Grafikprozessor ein für maschinelles Lernen optimierter Rechenkern steckt. Entsprechend bewirbt Huawei das Mate 10 Pro als «das erste intelligente Smartphone». Noch merkt man als Nutzer indes wenig davon. Eingesetzt werden die neuen Möglichkeiten aber in Microsofts App Translator. Diese kann rudimentär lokal übersetzen – ohne Rechenpower in Serverfarmen anzuzapfen.

Berner Zeitung

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