Mal schnell, mal langsam

Für Eilige oder Langsame: In manchen Situationen ist es hilfreich, ein Video oder ein Hörbuch schneller oder gemächlicher abzuspielen. Mit der richtigen App funktioniert das zu Hause und unterwegs.

Spart Zeit: Studentinnen und Studenten können online abrufbare Vorlesungen schneller abspielen.

Spart Zeit: Studentinnen und Studenten können online abrufbare Vorlesungen schneller abspielen.

(Bild: Fotolia)

Es gibt Spielfilme, da möchte man die Zeit am Liebsten etwas schneller drehen. Und auch Hörbücher haben manchmal so ihre Längen, wo man dem Sprecher gerne mal Beine machen würde. Medien auf mechanischen Datenträgern wie VHS-Kassette, CD oder DVD bieten dafür nur den schnellen Vor- und Rücklauf an – allerdings systembedingt mit nervigem Ton oder gar stumm und mit grossen Bildsprüngen.

Unbrauchbar. Da bietet die digitale Welt mehr Möglichkeiten: Mit der richtigen App spielt man Video- und Audiodateien nach Belieben stufenlos schneller oder langsamer ab — und das trotzdem bei akzeptablem Ton und Bild.

In vielen Situationen macht schnelleres Abspielen Sinn. Zwar sehen sich Kinofreaks ihre Streifen weiterhin in Normalgeschwindigkeit an. Doch zum schnellen Überblicken verpasster Serienfolgen, Dokus, Reiseberichten oder Lernmaterialien sowie Hörbüchern eignet sich das beschleunigte Abspielen hervorragend.

Eine um zehn Prozent höhere Abspielgeschwindigkeit macht sich beim Sehen und Hören nicht stark bemerkbar, verkürzt aber die nötige Zeit bei 100 Minuten Material auf 90 Minuten. Manche Medien vertragen auch noch höhere Abspielgeschwindigkeiten.

Das schnelle Konsumieren beispielsweise von online abrufbaren Vorlesungen von der Uni oder Lernmaterialien hat dabei möglicherweise noch einen netten Zusatznutzen: Studien liefern schon länger Hinweise, dass durch beschleunigtes Abspielen der Lerneffekt grösser ist, da sich der Zuhörer stärker konzentrieren muss und so mehr Leistung vom Gehirn abfordert.

Keine Mickymaus-Stimme

Aber auch langsameres Abspielen hat seine Einsatzgebiete. Viele ­ältere Personen oder Menschen mit Handicap verstehen langsam Gesprochenes besser und können so Nachrichten oder Spielfilmen besser folgen. Macht das Lesen von Büchern Probleme, sind langsamer abgespielte Hörbücher für sie eine Alternative. Auch wer sich auf Youtube eine Anleitung ansehen möchte, um etwa ein Lied auf dem Klavier oder der Gitarre nachzuspielen, kann ihr besser folgen, wenn sie langsamer abläuft.

Mehr Zeit: Manche Senioren oder Menschen mit Handicap verstehen langsam abgespielte Hörbücher besser. Bild: Fotolia

Möglich macht es die digitale Technik. Damit schnelles Abspielen nicht in einer Mickymaus-Stimme und springenden Bildern endet, speichert der Player während der Wiedergabe die Video- und Audiodaten zwischen und schneidet sich wiederholende Audiofrequenzen im Millisekundenbereich heraus, und zwar ­umso häufiger, je schneller der Vorlauf sein soll.

Anschliessend werden die Reste über mathematische Algorithmen wieder miteinander verbunden, sodass die Tonhöhe erhalten bleibt. Der Zuhörer merkt davon nichts, ausser dass der Ton schneller läuft. Ähnlich läuft es bei der Zeitkomprimierung des Videomaterials, wo identische Einzelbilder herausgeschnitten werden.

Ganz einfach ists bei Youtube

Youtube, die weltweit grösste ­Videoplattform, setzt auf diese Technik. Allerdings nur dann, wenn man Youtube auf dem heimischen PC, Notebook oder Mac über den normalen Internetbrowser aufruft. Das dafür zuständige Menü erscheint nach einem Klick unten rechts auf das Zahnrad. Dort sind Einstellungsmöglichkeiten zu finden – unter anderem das Menü Geschwindigkeit. Schon lässt sich das Video be- oder entschleunigen.

Ausgerechnet bei den grossen Film-Streaming-Anbietern Amazon und Netflix sowie bei Apple TV ist dies indes nicht so einfach möglich. Ihre Infrastruktur ist auf das bestmögliche Filmerlebnis optimiert. Bei schnellerer Wiedergabe aber steigt auch der Datendurchsatz stark an. Ist die Internetleitung oder die Hardware dafür nicht schnell genug, kommt der Film ins Stocken. Dieser Diskussion mit dem zahlenden Kunden wollen die Anbieter aus dem Weg gehen.

Problemlos ist es hingegen, auf Festplatte gespeicherte Filme und Hörbücher langsamer oder schneller auf PC oder Notebook abzuspielen. Das funktioniert zum Beispiel gut mit der bewährten Software VLC. Das seit vielen Jahren von einer grossen Programmiergemeinde betreute Programm ist kostenlos, werbefrei und sowohl für PC, für Macs wie für Linux-Computer erhältlich. VLC ist zudem schnell und beherrscht die meisten Video- und Audiodateiformate.

Wer die Filme nicht nur auf dem PC-Monitor, sondern lieber auf dem TV-Gerät in variabler Geschwindigkeit abspielen möchte, kann VLC auf einem der verbreiteten Streaming-Player wie dem Fire-TV-Stick/Player von Amazon, Googles Chromecast sowie auf neueren Modellen des Apple TV installieren und seine Filme von der Festplatte aufs TV streamen. Auch auf mobilen Endgeräten lassen sich Medien variabel abspielen.

Mobilapps für Tempobolzer

Kommerzielle Anbieter von Hörbüchern wie Audible von Amazon oder die Musik-Streaming-Dienste Deezer und Spotify, die ebenso eine grosse Zahl von Hörbüchern im Repertoire haben, bieten schon einige Zeit in ihren Apps eine Regulierung der Abspielgeschwindigkeit an. Die mobilen Youtube-Apps für iOS oder Android bieten hingegen diese Funktion nicht.

Offenbar hat Google als Plattformbetreiber Bedenken, dass die Internetverbindung mancherorts zu schwach und so manche Handyhardware zu langsam ist und so bei schnellerem Abspielen das Video hakelt. Für iPhone und iPad gibt es zwar einige Alternativ-Apps wie etwa Speedtube, die quasi bei Youtube ihren eigenen Player darüberstülpen, der dann auch variables Abspielen beherrscht. Unter Android funktioniert das jedoch nur mit ein paar gekonnten Kniffen, etwa mit dem BS-Player.

Einfacher ist es, wenn man sich die Video- oder Audiodatei zu Hause über WLAN oder Datenkabel auf das Smartphone oder Ta­blet kopiert. Abspielen lassen sich die Dateien unterwegs dann zum Beispiel mit der VLC-App, die es auch für iOS, Android und Windows Phone kostenlos gibt und auch mobil die variable Abspielgeschwindigkeit beherrscht. Das funktioniert übrigens auch mit Hörbüchern.

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