iOS 7 ist sehr gewöhnungsbedürftig

Digital

Die neue Version von Apples mobilem Betriebssystem ist da. Sie polarisiert wegen des radikal anderen Designs.

Flach und einfach: Die neue Optik bei iOS 7 ist sehr reduziert.

Flach und einfach: Die neue Optik bei iOS 7 ist sehr reduziert.

(Bild: Reuters Stephen Lam)

Matthias Schüssler@MrClicko

Manche Nutzer, die das System schon vorab testen konnten, lassen kein gutes Haar an iOS 7: Die Icons sähen aus wie von Kindergärtlern gezeichnet. Das neue Farbschema verursache Magenkrämpfe – und die Benutzbarkeit leide, weil Bedienelemente wie Buttons kaum mehr als solche erkennbar seien. Andere bemängeln, Apple habe für einmal nicht die Rolle als Federführer inne, sondern kopiere lediglich den gestalterischen Weg, den Microsoft mit Windows Phone seit 2010 gegangen sei.

Die neue Optik von iOS nennt sich flach (Flat Design), weil es keine dreidimensionalen Elemente simuliert – es gibt keine Schlagschatten oder Verläufe, die hervorstehende Elemente oder Wölbungen simulieren. Das Erscheinungsbild soll maximal einfach und funktionell sein. Vertreter des Flat Designs argumentieren, dass die Anwender heute so versiert seien, dass sie keine optischen Anleihen aus der realen Welt mehr benötigen würden, um sich zu orientieren. Für den neuen Look steht Jony Ive. Apples Chefentwickler war bis anhin mit dem Design der Geräte befasst und drückt nun erstmals auch dem Betriebssystem den Stempel auf. Ive gilt als Gegner des Skeuomorphismus – das ist die Nachbildung realer Elemente und Materialien in der Software. Folgerichtig hat Ive auch den Filz aus der Game-Center-App und das Leder aus der Freunde-finden-Anwendung entfernt.

Die Befürworter des neuen Designs werfen in die Waagschale, dass das flache Design zwar gewöhnungsbedürftig sei, aber helfe, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren – nämlich die Inhalte. Das Betriebssystem rückt weiter in den Hintergrund und lässt dem Content den Vortritt.

Das sind die weiteren Neuerungen:

Control Center. Es lässt sich per Wischgeste überall, sogar auf dem Sperrbildschirm, aktivieren. Im Control Center schaltet man WLAN, Bluetooth und den Flugzeugmodus ein und aus, aktiviert Airplay und steuert die Musikwiedergabe – und sogar eine Taschenlampenfunktion ist im Control Center vorhanden.

Notification Center. Die Benachrichtigungen werden besser. Nun erscheinen auch die To-dos in der Liste, und eine Übersicht des Tages zeigt, wer Geburtstag hat, was das Wetter macht und wie die Aktien stehen.

Das Multitasking wurde verbessert. Beim doppelten Drücken des Home-Knopfs erscheint jetzt eine Voransicht aller offenen Apps. Das Betriebssystem sei sogar lernfähig, sagt Apple. Wenn man jeden Tag um 9 die Facebook-App startet, sorgt das Betriebssystem dafür, dass die App um diese Zeit ihre Inhalte bereits aktualisiert hat.

Die Kamera-App stellt nun Filter à la Instagram zur Verfügung. In der Bildübersicht kann man sich nun alle Fotos aus einem Jahr oder nach «Collections» sortiert anzeigen lassen.

AirDrop. Diese Technologie überträgt Bilder, Videos, Kontakte oder Inhalte aus Apps per WLAN oder Bluetooth direkt von Gerät zu Gerät.

Safari versteckt nun die Symbolleisten und Knöpfe und auch das neue Suchfeld. Mit Wischgesten bewegt man sich nun vor und zurück, und die offenen Seiten werden nun wie die Seiten in einer Schublade dargestellt. Per Wischen werden Webseiten geschlossen.

iTunes Radio. Nun gibt es auch Webradioempfang am iOS-Gerät. 300 Stationen werden von DJs betreut und sind nach Musikstil wählbar. Allerdings steht dieser Dienst beim Start in Europa noch nicht zur Verfügung.

Siri hat eine neue Stimme und kann nun auch mit einer Männerstimme antworten. Auch Bing, Wikipedia und Twitter stehen als Auskunftsquellen zur Verfügung, und Siri beherrscht neue Funktionen wie das Abspielen von Voicemail-Nachrichten oder das Beantworten von Anrufen.

Live Wallpapers. Die lebendigen Hintergrundbilder bewegen sich, wenn das Telefon in der Hand gedreht oder geschwenkt wird. Bei statischen Hintergrundbildern soll der Parallaxeneffekt eine räumliche Wirkung erzielen. Wenn man ein mit der Standardkamera-App fotografiertes Bild in den Hintergrund legt, dann bewegt sich das bei Drehungen des Telefons mit.

Ab iPhone 4

iOS 7 kann ab iPhone 4 installiert werden (4S, 5 und natürlich 5C und 5S). Auch das iPad 2 und neuer, das iPad Mini und der iPod Touch der 5. Generation sind kompatibel.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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