Die Provokation des Blackberry-Chefs

«Bei allem Respekt – die Benutzeroberfläche des iPhones ist fünf Jahre alt»: Thorsten Heins warnt den Apfelkonzern vor dem Niedergang. Auch der ehemalige Apple-Chef John Sculley hat Schwächen ausgemacht.

«Die Geschichte wiederholt sich einmal mehr»: Blackberry-Chef Thorsten Heins. (30. Januar 2013)

«Die Geschichte wiederholt sich einmal mehr»: Blackberry-Chef Thorsten Heins. (30. Januar 2013)

(Bild: AFP Mario Tama)

Es ist noch nicht allzu lange her, dass Blackberry ums nackte Überleben gekämpft hat. Die Pessimisten unter den Branchenkennern sind sogar der Ansicht, dass selbst das neue Betriebssystem Blackberry 10 (BB 10) sowie die neuen Blackberry-Smartphones den kanadischen Konzern nicht mehr in die Spur bringen.

Um so erstaunlicher die Worte, die von Thorsten Heins zu vernehmen sind. Der seit einem Jahr als Blackberry-Chef amtende Deutsche sieht ausgerechnet Trendsetter Apple in Gefahr. «Die Geschichte», so der 55-Jährige gegenüber der «Australian Financial Review», «wiederholt sich einmal mehr. Wenn man mit der Geschwindigkeit, mit der Innovationen in unserer Branche stattfinden, nicht mitgeht, kann man schnell ersetzt werden.»

Warum die neuen Blackberrys besser sein sollen

Die BB-10-Mobiles seien dank der Fähigkeit, mehrere Anwendungen gleichzeitig auszuführen, dem iPhone 5 überlegen. Darum könne, so Heins, der Nutzer mit den neuen Blackberrys gleich arbeiten wie mit einem Notebook. Den Einwand, es stünden noch zu wenig Blackberry-Apps zur Verfügung, konterte der Firmenchef mit der Ankündigung, in den kommenden Tagen die 100'000er-Marke zu erreichen. Zwar betrachte er den iPhone-Konzern immer noch als Design-Ikone, aber dies allein genüge möglicherweise nicht mehr.

Die Aussagen Heins' überraschen auch darum, weil sein Unternehmen vor wenigen Tagen eine neue Software angekündigt hatte, die nicht nur auf Blackberrys, sondern auch auf Android- und iOS-Mobiles (also Apple-Geräten) laufen solle. Der Service, mit dem private und dienstliche Daten voneinander getrennt und mit jeweils passenden Schutzvorrichtungen ausgestattet werden, heisst Secure Work Space und soll in den nächsten Monaten erhältlich sein.

Die kritischen Ex-Apple-Manager

Kritisch zur Apple-Zukunft äussert sich auch John Sculley, der in den 80er-Jahren dem Unternehmen als CEO vorstand und 1985 den zwischenzeitlichen Abgang von Steve Jobs zu verantworten hatte. Er reiht sich damit in eine Reihe ein mit Steve Wozniak: Der Apple-Mitgründer thematisierte 2012 wiederholt die Schwächen des Konzerns (siehe hier und hier).

Allerdings ist laut Sculley nicht nur Apple, sondern die ganze Branche von der Innovationsflaute betroffen, so der 73-Jährige gegenüber der «Huffington Post».

Jonathan Ive – der nächste Steve Jobs?

Einen Ausweg für Apple sieht Sculley in der Eroberung der asiatischen Märkte (China, Indien) mit günstigerer Hardware. Zu dieser komme wahrscheinlich bald die iWatch hinzu, welche für ihn das Zeug zum «next big thing» habe. Auch personell könne der Konzern mit einem Trumpf aufwarten. In Design-Chef Jonathan «Jony» Ive sieht Sculley den künftigen Chef in Cupertino.

rek

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