Die Posti-Liste wird zum Supermarkt

Die Schweizer Einkaufslisten-App Bring steigt in den Onlinehandel ein. Wir haben den Dienst ausprobiert.

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Rafael Zeier@RafaelZeier

Wenn es um App-Empfehlungen geht, gehört Bring zu den besten Tipps überhaupt. Die in Zürich entwickelte App ersetzt den Poschtizettel und erleichtert den Gang in den Supermarkt ungemein. Da sich mehrere Personen einen digitalen Einkaufszettel teilen können, sollte es nicht mehr passieren, dass man Sachen doppelt kauft oder in den Laden geht und das Wichtigste vergisst. Die App ist so einfach und intuitiv, dass man sie im Supermarkt bequem mit einer Hand bedienen und einen Punkt nach dem anderen abhaken kann.

Seit die App 2012 das erste Mal auf Handys auftauchte, hat sie sich optisch kaum verändert. Im Hintergrund hat sich aber einiges getan: Die anfangs kostenpflichtige App ist inzwischen kostenlos. Ein kurzzeitiges Abo-Modell war kein Erfolg und wurde eingestellt. Inzwischen findet man in der App auch Prospekte und Rezeptvorschläge. Das Team hinter der App ist von zwei auf inzwischen zwölf Personen angewachsen. Trotzdem funktioniert die App im Prinzip immer noch gleich wie vor über fünf Jahren.

Logischer nächster Schritt

Heute lanciert Bring die bis anhin gewichtigste und gleichzeitig logischste Weiterentwicklung. Künftig kann man in der App nämlich nicht mehr nur aufschreiben, was man gern kaufen möchte, sondern es auch gleich kaufen. Bring wird von der Einkaufslisten-App zur Einkaufs-App.

Möglich macht dies eine Partnerschaft mit Brack.ch. Der für Elektrogeräte bekannte Onlinehändler ist dieses Jahr ins Lebensmittelgeschäft eingestiegen.

Per Knopf in den Shop

Drückt man nun in der Bring-App auf das Einkaufswagen-Symbol erhält man zu allen Punkten auf der Einkaufsliste Einkaufsvorschläge. Möchte man zum Beispiel Senf kaufen, sieht man das ganze Senfsortiment von Brack. Vom gewöhnlichen milden Senf bis zum abenteuerlichen Mayonnaise-Senf wird einem alles vorgeschlagen.

Bestellt wird dann direkt in der App. Man gibt seine Adresse an oder meldet sich mit dem bestehenden Brack-Konto an. Kommt man auf über 50 Franken, entfallen die 9 Franken für Versandkosten. Bezahlt wird per Rechnung, und geliefert wird von der Post.

Ausprobiert

Bernerzeitung.ch/Newsnetz konnte den Bestelldienst vor der offiziellen Lancierung schon ausprobieren. Tatsächlich klappte die Bestellung einfach und ohne Komplikationen.

Das Sechserpack Rivella, die Packung Pommes-Chips und eben der Mayonnaise-Senf (das kann ja nicht lecker sein!) kamen wie versprochen am nächsten Tag per Post in einer grossen Schachtel von Brack.

Damit es mit dem Mayonnaise-Senf keine Sauerei gibt, wurde der vor dem Versand fein säuberlich in Luftpolsterfolie eingewickelt, wie man es von zerbrechlichen Elektrogeräten kennt. Insgesamt machten Bestellprozess, Lieferung und Ware einen guten ersten Eindruck. (Auch wenn ich so bald keinen Mayonnaise-Senf mehr bestellen werde.) Kleine Kinderkrankheiten und Mängel dürften sich in den nächsten Tagen und Wochen schnell beheben lassen. So empfahl die App zum Beispiel in der Senf-Rubrik auch eine Rösti, und statt Mehl schlug sie Maizena-Paniermehl vor. Mit der Zeit sollte die App auch lernen, welchen Senf man in der Regel bestellt, und den künftig an erster Stelle vorschlagen.

Lücken im Sortiment

Gewichtiger wiegen da die Lücken im Brack-Sortiment, das nur lange haltbare Produkte beinhaltet. Gemüse, Fleisch oder Milchprodukte sucht man vergebens. Auch fehlen die flexibel wählbaren Lieferzeiten, wie man sie von den grossen Heimlieferdiensten von Migros und Coop kennt.

Was das Sortiment angeht, verspricht Bring, künftig auch mit anderen Partnern zusammenarbeiten zu wollen. Weitere Partner sollen bis Ende Jahr folgen. Welche das sind und ob gar Migros und Coop mitmachen werden, wollen die Bring-Macher nicht verraten.

Tatsächlich wäre eine App, die mehrere Onlineshops bündelt, eine nützliche Innovation. Da käme dann der Senf von Brack, das Gemüse von einem Grosshändler und das Fleisch von der Metzgerei ums Eck. Bis so ein Dienst Realität wird, dürfte es aber noch seine Zeit dauern.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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