Der Nintendo Switch Lite im Alltagstest

Der Game Boy ist zurück. Grösser denn je, aber auch besser? Wir haben den Switch Lite ausprobiert.

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Rafael Zeier@RafaelZeier

Bei keinem anderen Techgerät der letzten Jahre hat mich der erste Eindruck so getäuscht wie beim Nintendo Switch. Ich erinnere mich noch, wie ich damals die Präsentation verfolgte.

Nach dem Wii-U-Flopp musste ein Hit her, sonst würde das Traditionsunternehmen zum Übernahmekandidaten. Meine hohen Erwartungen wurden nicht erfüllt. Die damals in einem Video vorgestellte Mischung aus Konsole und Game Boy überzeugte mich nicht. Modulare Konzepte sehen meist toll aus, aber verkaufen sich dann schlecht, und irgendwie wirkte alles zu wackelig.

Umgestimmt vom Karton-Bausatz

Auch der erste Testbericht der Kollegin Simone Luchetta konnte mich nicht umstimmen. Geändert habe ich meine Meinung erst, als ich Nintendos Labo-Karton-Bausätze für mich entdeckt und später sogar ein Klavier damit gebaut habe.

So bin ich mit reichlich Verspätung doch noch zum Switch-Fan geworden. Eine Runde Mario Kart mit dem Besuch zu Hause oder alleine im Flieger hat durchaus ihren Reiz. Dank dem Pro-Controller wirkt das alles auch nicht mehr so fummelig.

Erneut auf den Holzweg geführt

Als sich abzeichnete, dass Nintendo an einem neuen Switch arbeitet, standen auf meiner Wunschliste vor allem ein grösserer Bildschirm und eine solidere Bauweise. Aber Nintendo wäre nicht Nintendo, wenn sie mich nicht einmal mehr erwischt hätten.

Der neue Switch Lite (ab 220 Franken) hat einen (wenn auch nur leicht) kleineren Bildschirm mit viel Rand, ist immer noch ziemlich fummelig und weiterhin aus Plastik. Dafür ist er nun nicht mehr modular. Er hat also keine Mini-Controller links und rechts, die man entfernen kann. So gesehen, ist der Switch Lite eher ein grosser Game Boy als ein Switch. Denn switchen (also wechseln) kann man da nichts mehr.

Nicht Hightech

Verglichen mit Hightech-Smartphones und iPads mit Rechenleistung ohne Ende und ultra-hochauflösenden Bildschirmen kann der Switch Lite genauso wenig mithalten wie der Original-Switch damals mit den neuesten Playstations und Xboxen. Das hat Nintendo freilich noch nie interessiert oder gar aufgehalten. Was der Switch an Technik vermissen lässt, gleicht er mit originellen (Labo) und packenden (Zelda) Spielen mehr als aus.

Beim Akku verspricht Nintendo beim Lite zwischen 3 und 7 Stunden. Das ist abhängig vom Spiel und der Bildschirmhelligkeit. Selber ist mir der Akku noch nie ausgegangen. Dank dem praktischen USB-C-Anschluss kann man den Switch Lite mit demselben Kabel wie Android-Handys, iPad Pros, Mac-Computer usw. laden.

Keine Vibrationen

In meiner Hand liegt der etwas kleinere Switch Lite besser als der grössere Switch. Aber das ist freilich Geschmacksache. Auffällig ist dagegen, dass der Lite keine Vibramotoren hat. Anders als beim normalen Switch spürt man also nicht, wenn man bei Mario Kart in die Bande kracht oder beim Start den Motor abgewürgt hat.

Dass der Switch Lite keinen Ausklappständer hat, macht Sinn. Schliesslich hat man den sowieso in der Hand. Auch wenn man ihn auch mit einem Controller verbinden kann.

Zweimal spielen, zweimal zahlen

Apropos Controller: Man kann den Switch Lite leider nicht als zusätzlichen Controller für den grösseren Switch verwenden. Technisch dürfte das keine Hexerei sein, aber Nintendo hat da wohl (noch) kein Interesse daran. Der Switch Lite passt übrigens auch nicht ins TV-Dock des normalen Switch.

Ebenfalls umgewöhnen musste ich mich als App-Store- und Familien-Abo-verwöhnter Mensch, dass man bei Nintendo gekaufte Spiele nur auf einem Gerät nutzen kann. Schnell im Schlafzimmer eine Runde Mario Kart gegen jemanden in der Stube spielen geht nur, wenn man das Spiel zweimal kauft. Für Konsole-Profis eine Selbstverständlichkeit. Für mich als Handy- und Tablet-Gelegenheitsspieler eine Umgewöhnung.

Fazit: Der normale Switch ist nach wie vor die lustigere, kreativere und vielseitigere Nintendo-Konsole. Wer aber nur unterwegs oder alleine auf dem Sofa etwas spielen möchte, ist beim Switch Lite genau richtig.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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