Irrungen und Wirrungen um die nächsten iPhones

Ist das iPhone X tatsächlich ein Flop? Was wissen wir über die Nachfolger? Eine Einordnung.

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Das iPhone X ist ein Flop und wird eingestellt, ist auf der einen Seite zu lesen, andere schreiben, das iPhone X bricht Kundenzufriedenheitsrekorde und vereint 35 Prozent der weltweiten Smartphone-Gewinne auf sich.

Parallel dazu überbieten sich Analysten, Blogger und Journalisten mit Meldungen um die nächsten iPhones. Ein eindeutiger Beweis dafür, dass wir mitten in der jährlich wiederkehrenden Apple-Gerüchte-Saison sind.

Zeit für einen Realitycheck:

Was weiss man über die nächsten iPhones mit absoluter Sicherheit?
Nichts. Aber es gibt wie immer Anzeichen und Hinweise aus chinesischen Fabriken und von gesprächigen Apple-Mitarbeitern. Tatsächlich gestaltet sich die Situation heuer unübersichtlicher denn je. Da sich nämlich diese Gerüchte und Spekulationen auf mehrere Modellreihen verteilen und nicht ganz klar ist, was zu welcher gehört, ist die Lage äusserst unübersichtlich. Kommt dazu, dass Apple in der Regel verschiedene Varianten ausprobiert und für Aussenstehende (und sogar manche Mitarbeiter) nicht immer klar ist, was ein Experiment war und was nun das finale Produkt ist.

Generell ist auch Vorsicht geboten, was das Timing angeht. Apple macht ein grosses Geheimnis darum, wann die Arbeit an neuen Produkten angefangen hat oder wann ein Design fertig ist. Im letzten Jahr zum Beispiel wurde den ganzen Sommer lang spekuliert, dass Apple in letzter Minute versuche, einen Fingerabdrucksensor in den Bildschirm einzubauen. Tatsächlich dürfte Apple den Entscheid, auf so einen Sensor zu verzichten, schon im Herbst gefällt haben. Es dauert dann nur jeweils ein paar Monate, bis solche internen Diskussionen und Pläne an die Öffentlichkeit gelangen.

Wie viele iPhone-Modelle wird es heuer geben?
Aktuell sieht es ganz danach aus, als würde es (vermutlich wie üblich im September) ein neues iPhone X, ein grösseres iPhone X und eine günstigere Variante des iPhone X in einer mittleren Grösse geben. Immer wieder tauchen aber auch Meldungen auf, dass Apple das günstige iPhone SE aktualisieren möchte und dieses noch vor den anderen iPhones auf den Markt kommen könnte.

Was bringen die neuen iPhones?
Im Zentrum steht bei Apple sicher die Frage, wie der Konzern die Technologie hinter dem iPhone X in anderen Preisklassen anbieten kann. Neue Technologien, die aktuell herumgereicht werden, sind unter anderem drahtloses Laden und eine zweite SIM-Karte. Drahtloses Laden könnte den Weg in das neue iPhone SE finden. Es ist aber auch gut möglich, dass da jemand etwas verwechselt hat. Denn die aktuellen Top-iPhones beinhalten das schon, und deren Nachfolger dürften auch wieder drahtlos aufladbar sein. Die Möglichkeit, zwei SIM-Karten zu verwenden, klingt für Geschäftsleute und Vielreisende verlockend. Denkbar wäre aber auch, dass die Funktion für Länder wie Indien geplant ist. Eine wilde Spekulation ist schliesslich noch, dass das iPhone eine zusätzliche eSIM-Karte bekommt, wie sie schon im iPad Pro und in der Apple Watch verbaut ist. Aber damit dürfte sich Apple bei den Telecomanbietern keine Freunde machen.


Das iPhone X im Alltagstest
Wie gut ist das neuste und teuerste Apple-Handy? Bernerzeitung.ch/Newsnet hat es eine Woche lang ausprobiert. (Abo+)


Was ist mit Namen, Timing und Preisen?
Anders als Geräte, die Apple in China herstellen lässt, kann der Konzern Namen, Timing und Preise viel besser geheim halten. Gerade was Namen angeht, wird die Situation zusehends unübersichtlich. Heissen die neuen iPhones vielleicht iPhone XI, XI Plus und 9? Oder wagt Apple einen Schnitt und mistet beim Zahlen-Wirrwarr aus? Beim iPhone X wurde zwar im Vorfeld über das X im Namen spekuliert, aber sicher waren sich auch die erfahrensten Apple-Experten nicht. Und dass man es 10 und nicht X ausspricht, wissen manche Besitzer bis heute nicht.

Bonus-Frage: Ist das iPhone X ein Flop und wird darum eingestellt?
Die Frage erinnert ein bisschen an die frühen Diskussionen um die Apple Watch. Auch da gab es in den ersten Jahren ähnliche Meldungen zu lesen. Tatsächlich brauchte die Uhr etwas Zeit, bis sie in Schwung kam. Aber auch Apple trug seinen Teil dazu bei, da die Firma keine Verkaufszahlen veröffentlichte und so Gerüchte erst möglich machte. Beim iPhone X machen solche Meldungen in regelmässigen Abständen die Runde. Meist basieren sie auf Meldungen von chinesischen Zulieferern, denen Aufträge reduziert wurden. Da Apple gewöhnlich mehrere Hersteller parallel anstellt und die wiederum auch andere Kunden haben, ist es schwierig, anhand solcher Berichte auf Erfolge oder Nichterfolge zu schliessen. Kommt dazu, dass Apple Jahr für Jahr im Frühjahr Bestellmengen korrigiert. Das führt regelmässig zu Meldungen über schlechte Verkaufszahlen.

Wie es um das iPhone X wirklich steht, weiss nur Apple. Bei den letzten Quartalszahlen hat sich der Firmenchef Tim Cook nur kurz und gewohnt euphorisch dazu geäussert: «Das iPhone X hat unsere Erwartungen übertroffen und ist seit der Auslieferung im November jede Woche unser meistverkauftes iPhone.» Er nennt zwar keine absoluten Zahlen, aber nach einem Flop klingt das nicht. Kommt dazu, dass man nur von einem Flop sprechen kann, wenn man unrealistische Erwartungen an das iPhone X hatte. Da es das erste seiner Art ist und in neue Preisdimensionen vorstösst, tut und tat man in Zeiten des Smartphone-Plateaus gut daran, seine Erwartungen im Zaum zu halten.

Sollte Apple die Produktion des iPhone X tatsächlich, wie einige Gerüchtemacher behaupten, im Sommer komplett einstellen, dürfte das weniger mit den Verkaufszahlen als mit den Nachfolge-iPhones und vor allem den verbesserten Abläufen und Herstellungsprozessen zu tun haben. Die Verspätung des iPhone X war ein eindeutiger Beweis für die komplizierte Herstellung. Inzwischen dürften die Probleme gelöst sein, und es wäre nicht überraschend, wenn Apple lieber mehr vom einfacheren Nachfolger als vom komplizierten iPhone X herstellt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.04.2018, 11:56 Uhr

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