Wie viel Smartphone gibt es für 150 Franken?

Das neue Motorola kostet so viel wie sonst ein Handy mit Abzahl-Abo. Bernerzeitung.ch/Newsnetz hat es getestet.

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Rafael Zeier@RafaelZeier

Bereits das Billig-Nokia für 89 Euro (in der Schweiz 180 Franken), das eigentlich für Entwicklungsländer gedacht ist, war eine positive Überraschung. Wären da nur nicht die zahlreichen Softwareeinschränkungen gewesen (Das 89-Euro-Telefon im Alltagstest).

Die Erwartungen an die Noch-Google-Tochter Motorola (das Unternehmen soll noch dieses Jahr an Lenovo weiterverkauft werden) waren entsprechend hoch: Android soll hier ohne Designänderungen und unnötige Apps daherkommen.

Und tatsächlich wischt das Moto E diesen Kritikpunkt ganz beiläufig weg. Ein Android-Telefon mit der aktuellen Software, ohne digitalen Ballast und für 150 Franken. Das klingt zu gut, um wahr zu sein. Irgendwo muss Motorola gespart haben.

Das hat das Unternehmen bei der Hardware. Der Prozessor hat nur zwei statt der aktuell üblichen vier Kerne. Der Speicher ist nur vier Gigabyte gross, lässt sich aber per Micro-SD-Karte vergrössern. Beides sind Einschränkungen, die man mit etwas Zurückhaltung kaum bemerkt. Bei aufwendigen Spielen füllt sich der Speicher natürlich rasant, und der Prozessor kommt an seine Grenzen.

Nutzt man das Moto E aber für das übliche Telefonieren, Surfen, Chatten, Fotografieren und für kleine Spielchen, reichen Prozessor und Speicher. Klar ruckelt es hin und wieder, und Apps öffnen sich nicht immer so schnell wie bei einem mehrfach teureren Handy, aber damit kann man gut leben.

Bei der Kamera gespart

Die grössten Abstriche muss man bei der Kamera hinnehmen. Aktuellen Top-Smartphone-Kameras, wie sie etwa Nokia und Sony Jahr für Jahr perfektionieren, kann das Motorola bei weitem nicht das Wasser reichen. Aus Kostengründen wurden der Blitz, die Kamera auf der Front für Selbstporträts und die Möglichkeit zu fokussieren weggelassen.

Dass der Blitz fehlt, ist zu verkraften, macht er doch die meisten Bilder unansehnlich. Dass die Frontkamera fehlt, trifft höchstens die Selfie-Fraktion. Dass die Kamera einen fixierten Fokus hat, macht dagegen das Fotografieren schwieriger.

Die Kamera ist insgesamt zwar nicht gut, aber mit etwas Übung immer noch schnappschusstauglich. Wer Freude am Fotografieren hat, wird mit dem Moto E trotzdem nicht glücklich werden - ausser man investiert das gesparte Geld in eine Fotokamera mit WLAN.

Kein NFC, dafür wasserfest

Ebenfalls eingespart wurde ein NFC-Chip. Damit kann man ein Smartphone einfach mit Kopfhörern, Stereoanlagen, Fotokameras oder Freisprechgeräten verbinden. Man muss die Geräte nur aneinanderhalten, und die Verbindung wird hergestellt.

Mühsames Suchen nach Bluetooth- oder WLAN-Verbindungen und das Eintippen von Passwörtern entfällt. Dereinst soll man damit auch in Geschäften bezahlen können. Da aber auch Apple diesen Chip (noch) nicht verbaut, kann man dies Motorola nicht ankreiden.

Bei den restlichen Kriterien fallen die Sparmassnahmen dagegen kaum auf. Der Bildschirm gefällt, und der Akku ist ebenso schlecht wie bei allen Smartphones. Einen Tag schafft man auch mit dem Moto E als fleissiger Nutzer nur knapp, aber ein Ladekabel sollte man sowieso nie vergessen.

Das Gehäuse ist zwar etwas dicker als aktuell angesagt; das stört aber nicht, zumal es sehr gut in der Hand liegt. Kommt dazu, dass es gegen Spritzwasser geschützt ist. Dafür braucht es einiges an Gewalt und Mut, wenn man die Rückabdeckung entfernen möchte. So fest sitzt die.

Fazit: Das beste Argument für das Moto E ist sein Preis. Dafür bekommt man ein solides, alltagstaugliches und vollwertiges Smartphone. Einzig bei der Kamera muss man merklich Abstriche machen.

Haben Sie Fragen zum Moto E? Digital-Redaktor Rafael Zeier beantwortet sie gerne in den Kommentaren.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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