Whatsapp wird ein bisschen sicherer

Whatsapp verschlüsselt in der Android-Version Textnachrichten. Das macht den Dienst sicherer. Andere Probleme bleiben aber.

Whatsapp rüstet nach. Allerdings greift die neue End-zu-End-Verschlüsselung derzeit nur, wenn beide Chatpartner ein Android-Gerät haben.

Whatsapp rüstet nach. Allerdings greift die neue End-zu-End-Verschlüsselung derzeit nur, wenn beide Chatpartner ein Android-Gerät haben.

(Bild: Keystone)

Mathias Born@thisss

Whatsapp hat einen schlechten Ruf. Wann immer Experten getestet haben, wie sicher die Daten beim grossen Chatanbieter sind, kriegte dieser einen Rüffel. Die Liste der Sicherheitslücken, die in der kurzen App-Geschichte aufgedeckt wurden, ist lang.

Doch nun kommt unerwartet eine gute Nachricht: Whatsapp tauscht in der Android-Version Nachrichten komplett verschlüsselt aus – und dies offenbar schon seit einiger Zeit, ohne dass es jemand bemerkt hat. Publik gemacht hat dies Open Whisper Systems im eigenen Blog.

Das vor wenigen Jahren von Twitter übernommene Sicherheitsunternehmen hat das Verschlüsselungsprotokoll entwickelt und in Whatsapp integriert. Täglich würden schon Milliarden codierter Nachrichten ausgetauscht.

Zum Einsatz kommt eine End-zu-End-Verschlüsselung: Nachrichten werden auf dem Gerät des Absenders codiert. Einzig der Empfänger sollte sie dechiffrieren können. Selbst Whatsapp kann dies nicht. Sollte die Firma etwa vom Geheimdienst gezwungen werden, Daten herauszurücken, kriegen die Ermittler bloss einen Zeichensalat zu Gesicht.

Allerdings werden derzeit nur Texte von Direktnachrichten auf diese Art verschlüsselt. Zudem kommt die Verschlüsselung lediglich zum Einsatz, wenn eine Nachricht von einem Android-Gerät auf ein anderes versandt wird.

Wer also etwa ein iPhone besitzt, profitiert noch nicht davon. Die Verschlüsselung wird laut Open Whisper Systems bald auf Gruppenchats und Medieninhalte ausgedehnt. Apps für andere Betriebssysteme sollen folgen.

Angst vor Vertrauensverlust

Doch weshalb setzt man sich bei Whatsapp – in Sicherheitsfragen bislang nicht ein Musterknabe – fürs Verschlüsseln ein? Seit Edward Snowden das Ausmass der Schnüffelei des US-Geheimdienstes publik gemacht hat, engagiert sich Whatsapp-Mitgründer und heutiger Verwaltungsrat Jan Koum gegen die Überwachung. Der Wahlamerikaner weiss, wovon er spricht: Er ist im ukrainischen Teil der damaligen Sowjetunion aufgewachsen.

Doch es gibt auch geschäftliche Gründe: Viele Nutzer messen der Datensicherheit seit Snowdens Enthüllungen grosse Bedeutung zu und sind US-Unternehmen gegenüber kritisch eingestellt. Denn diese sind verpflichtet, dem Staat weitreichenden Zugriff auf die Daten von Nicht-Amerikanern zu geben. Viele Anbieter setzen deshalb auf Verschlüsselungen oder legen Daten zerstückelt ab. Das macht es für den Staat zumindest sehr aufwändig, die Daten zu rekonstruieren.

Viele Probleme bleiben

Whatsapp beginnt nun also mit einer solchen Verschlüsselung. Damit wird indes nur eines von vielen Problemen gelöst. Weiterhin ist Whatsapp als US-amerikanische Firma verpflichtet, dem Staat weitreichende Zugriffe zu ermöglichen; ein Vorschlag der Regierung Obama, das betreffende Gesetz abzuschwächen, wurde im Senat soeben verworfen.

Zudem: Bislang wertete der Geheimdienst vorab aus, wer wann mit wem Kontakt hatte. Diese Metadaten dürften bei Whatsapp trotz der Verschlüsslung der Textnachrichten weiterhin zu holen sein. Und noch viel mehr: Whatsapp kopiert auch die Rufnummern aus dem Adressbuch des Smartphones auf den eigenen Server.

Und die App sichert sich das Recht, den Gerätestandort auszulesen und aufs Mikrofon zuzugreifen. Das ist nötig, damit man im Chat zeigen kann, wo man ist, beziehungsweise um Sprachmitteilungen zu verschicken. Doch damit liesse sich eine Person auch überwachen.

Daten besitzt der Chatanbieter jedenfalls viele. Sonst hätte Facebook anfangs Jahr wohl nicht 19 Milliarden Dollar für Whatsapp bezahlt.

Berner Zeitung

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