Welches ist das richtige Smartphone?

Wer ein ausgereiftes Smartphone wollte, kam lange am iPhone von Apple nicht vorbei. Heute gibts Alternativen. Das zeigte sich vor einer Woche am «Smartphone-Gipfel» in Bern. Trotzdem: Fast alle Teilnehmer wollen beim iPhone bleiben.

Mathias Born@thisss

Sie habe keine Wurstfinger, versichert die zierliche Frau und hält wie zum Beweis ihre Hand in die Höhe. «Trotzdem habe ich bei vielen Smartphones Mühe, den Cursor an der richtigen Stelle zu platzieren.» Seglias, wie sich die Frau auf Twitter nennt, beschreibt ein Problem, das viele Anwesenden kennen. Andere haben es gelöst: Sie geben Seglias Tipps, wie sie besser im Text navigieren kann.

Am «Smartphone-Gipfel» in der Berner Dampfzentrale, den der Netzaktivist Christian Leu organisiert hat, treffen sich Twitterer, um bei Kaffee und Gipfeli über Alleskönnerhandys zu fachsimpeln. Viele von ihnen nutzen ihr Smartphone sehr intensiv. Entsprechend spannend ist es, zu hören, wie sie die neuen Geräte beurteilen, die der Versandhändler Brack für den Anlass zur Verfügung gestellt hat.

Grösser ist besser. Das sagt zumindest Seglias. Zwei Männer erheben Einspruch: Allzu gross dürfe ein Smartphone auch nicht sein, müsse es doch im Hosensack Platz finden. «Wenn schon gross, dann richtig», wirft Souslik ein. Er deutet auf den Tablet-PC, der auf dem Nachbartisch liegt. Er habe ihn auf den Geschmack gebracht. Auch Boumi ist angetan von Tablet-Computern. Diese seien «gut für die Beziehung». Früher habe die Freundin vor dem TV und er am Computer gesessen. «Heute sitzen wir beide auf dem Sofa: Sie schaut fern, ich surfe mit dem Tablet.»

Doch zurück zum Smartphone.

Alternative zum iPhone. Die vielen Geräte auf den Tischen zeigen eindrücklich: Es gibt heute gute Alternativen zum iPhone. Dies räumen auch die meisten Gipfelteilnehmer ein, obschon die meisten ein iPhone besitzen. Besonders eifrig wird über die Geräte mit dem neuen System Windows Phone 7 von Microsoft diskutiert. Es sei ein Schlüsselprodukt, so der Tenor: Lege Microsoft kein sehr gutes Betriebssystem vor, sei die Firma weg vom Fenster.

Microsoft scheint es noch einmal zu schaffen: «Windows Phone 7 sieht schön aus», sagt etwa Dworni. Augenzwinkernd fügt der Webdesigner hinzu: «Offensichtlich hat Microsoft nun auch einen Grafiker eingestellt.» Während Apple beim iPhone und iPad Metaphern wie das Büchergestell grafisch umsetze, sei die Benutzeroberfläche von Windows Phone 7 abstrakter und schlanker. «Beides hat Vor- und Nachteile.»

Windows Phone 7 sei eine «sehr attraktive Plattform», sagt Rolandgreber. Auch Jcfrick lobt: «Die Oberfläche sieht anders aus als jene bei der Konkurrenz – ist aber durchdacht und effizient.» Hätte er sich nicht im Apple-Universum eigenistet, würde er wohl wechseln. «Es genügt nicht, wenn die Typografen begeistert sind», wendet indes Ooswald ein, der Smartphone-Apps entwickelt. Doch auch er gibt Microsoft gute Chancen. Ein Pluspunkt sei, dass für die Spielkonsole Xbox entwickelte Games mit geringem Aufwand auf Windows Phones zum Laufen gebracht werden könnten.

Android legt zu. In einem Punkt scheinen sich die meisten Gipfelteilnehmer einig zu sein: Das iPhone bleibt, aber die Konkurrenz wird zulegen. Android von Google, das in den USA das Apple-System bereits überholt hat, werde auch hierzulande zum Hauptkonkurrenten, sagt Kusito – nicht zuletzt dank der Offenheit und den Kooperationen mit mehreren Geräteherstellern. Dahinter positioniere sich wohl Microsoft mit Windows Phone 7.

Man dürfe die Firma Nokia nicht vergessen, die mit MeeGo ein vielversprechendes System vorbereite, wirft am Rande einer ein. Und auch das WebOS, das HP von Palm übernommen hat, mache einen sehr guten Eindruck.

Wechseln will niemand.Ihm habe vor allem das Windows Phone gefallen, sagt Ckuert. «Es ist erfrischend anders.» Wechseln wolle er aber nicht, sei er doch mit seinem iPhone zufrieden. Ähnlich tönt es bei den meisten anderen Teilnehmern. Auch er bleibe dem iPhone weiterhin treu, sagt Christian Leu am Ende seines «Smartphone-Gipfels». Der Grund? «Ich habe bereits 600 Franken in Apps investiert.»

Berner Zeitung

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