«Viele sagen, 2012 muss was Grosses her»

Apple enttäuscht die Anleger. Kein Grund zur Beunruhigung, sagt Achim Himmelreich: Mit den Innovationen der letzten Jahre könne Apple gut leben. Und in Zukunft gelte sowieso: «It's the software, stupid».

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Reto Knobel@RetoRek

Achim Himmelreich, hat Apple seinen Zenit erreicht? Jede Revolution geht einmal zu Ende. Apple hat über Jahre den Markt umgekrempelt, neu erfunden und stösst jetzt an seine Grenzen. Nach dem iPad kam kein Sprung, sondern «nur» das iPad 2. Nach dem iPhone 4 kam kein Sprung, sondern «nur» das 4S. Aber das ist natürlich Jammern auf hohem Niveau.

iPhone und iPad machen etwa die Hälfte des Geschäftes aus. Kann man von einem Klumpenrisiko sprechen? Apples finanzieller Erfolg hängt natürlich sehr stark von diesen Produkten ab. Das macht das Unternehmen abhängig.

Ist die Führungsriege Apples nach dem Tod von Steve Jobs gut aufgestellt? Hier antworte ich mit einem klaren Jein. Die Apple-Manager sind seit Jahren ein eingespieltes Team. Kaum ein Konzern dieser Grösse weist an der Spitze eine solche Konstanz aus. Das spricht für Apple. Aber Apple unter Jobs war unangreifbar, weil er selber unangreifbar war.

Er war ein charismatischer Präsentator. Nicht nur das. Steve Jobs hat den Konzern zu einem radikalen Konzern transformiert.

Was ist – oder besser gesagt – war an Apple radikal? Anderswo wird alles ausdiskutiert. Nicht so unter Jobs. Wenn er gesagt hat, so wird es gemacht, dann wurde es genau so gemacht. Wenn er es für richtig befand, hat er Altes vernichtet und durch Neues ersetzt. Apple erfand disruptive Technologie – also Produkte, die zuerst einmal belächelt werden, später aber die Branche neu erfinden.

Ist Tim Cook zu Ähnlichem fähig? Nominell ist er die wichtigste Führungsperson. Tatsächlich wird die Führung jedoch teamorientierter. Einer allein kann das Erbe von Steve Jobs nicht bewältigen.

Was erwarten Sie von Apple auf dem Tablet-Markt? In diesem Segment ist Apples Dominanz noch grösser als im Smartphone-Geschäft. Die Tablet-Produktion ist immer noch im Experimentierstadium. Vielleicht wird das nächste iPad etwas kleiner, das nächste iPhone etwas billiger (Stichwort Budget-iPhone). Das ist aber nicht entscheidend: Der Erfolg, nicht nur beim iPad und iPhone, hängt künftig weniger von der Ausgestaltung der Hardware, sondern von neuen Softwarelösungen ab, welche die verschiedenen Geräte miteinander intelligent verknüpfen.

Zum Beispiel? Ein Zukunftstrend ist Smart TV, also internetfähiges Fernsehen. Vielleicht wird man schon in ein paar Jahren sagen: Das iPad stand am Anfang dieser Erfindung, die Internet, Fernseher und Apps zusammengebracht hat. Gerüchtehalber beschäftigt sich Apple seit längerem mit dem «iFernseher».

Das wäre das viel beschworene Next Big Thing... ...das Produkt, das eine ganze Branche umkrempelt. Ja. Viele sagen, 2012 muss was Grosses her.

Sie nicht? Mit den Innovationen der letzten Jahre kann Apple gut leben. Ich bin sicher, Apple arbeitet an etwas Grossem. Aber das heisst nicht, dass die Firma dieses 2012 fixfertig präsentiert. Wir erinnern uns gern an die letzten Wochen zurück: Alle sprachen vom iPhone 5 – nur Apple nicht. Und tatsächlich: keine Spur davon.

Kein iPhone 5 – das freut die Konkurrenz. Samsungs Galaxy S II ist besser als das iPhone 4, das neue Android-Flaggschiff Galaxy Nexus ist dem iPhone 4S überlegen. Das sagen Sie. iCloud und die Sprachsteuerung Siri sind grosse Innovationen. Natürlich gibt es weltweit mehr Android- als iOS-Smartphones. Aber das ist nur die eine Seite: Schauen Sie mal den Applikationsmarkt an. Apple macht mit dem App Store ein Vielfaches des Umsatzes der App-Konkurrenten. In Anlehnung an einen Wahlslogan von Bill Clinton: «It's the software, stupid». In Zukunft noch viel mehr.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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