Sprechen Sie schon Emoji?

Ob in SMS, Mails oder auf Social-Media-Plattformen, das geschriebene Wort wird langsam, aber sicher durch Emojis – also kleine Symbolbilder – ersetzt. Ein Trend, der unsere Kommunikation verändert.

Emoji

Frage 1 von 9:

Welcher Film verbirgt sich hinter diesem Emoji?

Star Wars

Herr der Ringe Triologie

Star Trek

Bilder: Christ Stefanie und Maria Künzli


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Der «Oxford Dictionary» hat den Begriff Emoji vergangenes Jahr aufgenommen. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie, sind doch die Emojis gerade dabei, die geschriebene Sprache zu verdrängen. Wenn Sie jetzt keine Ahnung haben, wovon die Rede ist, gehören Sie nicht zu jenen, die in ihren SMS oder Mailnachrichten «Feierabendbier» durch ein Bierglassymbol oder «Vielen Dank» durch ein Blumenstraussbildchen ersetzen.

Denn genau das sind Emojis: Hunderte von bunten Symbolen wie Gesichtern, Tieren, Gegenständen, Piktogrammen, die in einem Text Emotionen unterstreichen oder einzelne Wörter und ganze Sätze ersetzen können. Nun gibt es mit «Emojli» sogar ein soziales Netzwerk für iPhone-Nutzer, in dem ausschliesslich über Emojis kommuniziert wird. Selbst der Benutzername muss sich aus Symbolen zusammensetzen.

Über 130 Millionen Smileys

Wer jetzt denkt, kommunizieren über Smileys sei eine Erfindung des Internetzeitalters, irrt: Schriftsetzer wussten schon Ende des 19.Jahrhunderts um die Wirkung von Kommas und Punkten, die zu grinsenden Gesichtern arrangiert werden.

Ein Jahrhundert später kamen das Internet und E-Mails auf, Chats und Messenger-Dienste. Bald wurden Nachrichten durch diese sogenannten Emoticons ergänzt, die eine bestimmte Emotion ausdrücken. Zum Beispiel :-) (fröhlich). Oder :-O (entsetzt). Parallel dazu entwickelten sich Ende der Neunzigerjahre in Japan Emojis.

Im Gegensatz zu Emoticons liegen diese nicht horizontal im Text, sondern stehen vertikal. Zudem sind sie nicht auf Gefühlszustände beschränkt – auch Tiere, Pflanzen oder Gegenstände werden dargestellt. Mit dem Smartphone gabs plötzlich hochaufgelöste Displays im Taschenformat und mit ihnen ein ganzes Arsenal an Emojis, die mittlerweile aus digitalen Nachrichten nicht mehr wegzudenken sind.

Emojitracker, ein Webdienst, der zählt, wie viele Emojis pro Sekunde weltweit über Twitter versendet werden, weiss: Pro Bildchen sind es mehrere Millionen. Ein Standardsmiley wird beispielsweise über 130 Millionen Mal pro Sekunde verwendet.

Verluderung der Sprache?

«Verluderung!», werden Sprachhüter jetzt denken. Wie sie dies auch schon gedacht haben, als plötzlich alle anfingen, auf Pseudomundart zu schreiben, englische Begriffe zu «verdeutschen» oder exzessiv Abkürzungen zu verwenden. Dabei haben Linguisten längst Entwarnung gegeben. So sagte auch Christa Dürscheid, Linguistikprofessorin an der Universität Zürich, in dieser Zeitung: «Wer Probleme mit der Rechtschreibung oder dem sprachlichen Ausdruck hat, hat diese unabhängig vom Gebrauch der neuen Medien.»

Neue Kommunikationsformen loten die Grenzen einer Sprache aus und entwickeln sie im besten Fall weiter. Oder regen zumindest die Kulturproduktion an. So gibt es mittlerweile Klassiker der Weltliteratur in Emoji-Form, etwa «Moby Dick» (nun: «Emoji Dick»). Und dass das Entziffern von Bilderrätseln, denen Emoji-Nachrichten zum Teil nahe kommen, unsere grauen Zellen anregt und Gedächtnisverlust entgegenwirkt, ist ebenfalls bekannt.

Verwirrung inbegriffen

Doch es ist nicht von der Hand zu weisen: Mit einer neuen Sprache ergeben sich auch gewisse Probleme. So ist die Anzahl verfügbarer Emojis beschränkt, und nicht wenige Benutzer haben immer spezifischere Bedürfnisse – suchen etwa nach einer Vogelscheuche oder wollen ein rotes statt ein grünes Kleid. Und auch vor Fehlinterpretationen sind die Emojis nicht gefeit.

Verwirrte Kollegen strecken einem plötzlich Nachrichten mit Kussmund-Smileys entgegen und wollen wissen, wie sie die zu deuten haben. Als Nettigkeit? Flirtversuch? Heiratsantrag? Oder wars am Ende bloss ein freudscher Vertipper? Wir werden künftig lernen müssen, solche Nuancen bei den Emojis herauszulesen – wie wir dies bei jeder anderen Sprache auch müssen. Oder anders gesagt: Wir müssen Herr über unsere Emojis werden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.09.2014, 13:30 Uhr

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