Samsung bricht die Kante

Die Plastikzeit neigt sich ihrem Ende zu: Mit dem Galaxy S6 und dem S6 Edge bringt Samsung endlich auch äusserlich überzeugende Geräte in den Handel.

Schön in Szene gesetzt: Eine Installation mit dem Galaxy S6 Edge am Mobilfunkkongress in Barcelona.

Schön in Szene gesetzt: Eine Installation mit dem Galaxy S6 Edge am Mobilfunkkongress in Barcelona.

(Bild: Mathias Born)

Mathias Born@thisss

Angenehm kühl liegt es in der Hand. Und hochwertig fühlt es sich an, das Galaxy S6. Samsung hat dem neuen Topgerät ein elegantes Gehäuse aus gehärtetem Metall und besonders bruchsicherem Glas spendiert. Damit schlagen die Designer beim südkoreanischen Unternehmen einen neuen Weg ein. Bislang kam bei der Spitzenlinie Kunststoff zum Einsatz; teils in der Form von Lederimitat. Während Konkurrenten wie Apple, HTC, Sony und Huawei ins Design investierten, vertraute man auf die inneren Werte und versuchte mit Vorteilen des Plastiks zu punkten: der Robustheit und dem geringen Gewicht.

Nun aber setzt auch Samsung aufs Design. Das Gehäuse ist elegant. Auf dem Metall zeichnen sich aber rasch Fingerabdrücke ab und der Akku wurde fix verbaut. Bei der pompösen Lancierung in Barcelona betonten die Redner, dass das S6 das Produkt «feiner Handwerkskunst» sei. «Wir wollten das schönste Smartphone in Samsungs Geschichte bauen», sagte der Geschäftsführer Jong-Kyun Shin.

Monitor mit Wow-Effekt

Dafür wagte er Avantgardistisches: Der Bildschirm des Spitzenmodells S6 Edge ist beidseitig abgerundet. «Ihre Freunde werden denken: Das ist sehr cool», sagte Samsungs Marketingchefin Younghee Lee. Die abgerundeten Ecken sehen in der Tat sehr schön aus, auch wenn sie nicht so recht zum eher kantigen Hinterteil passen wollen. Sie müssen aber in einem aufwendigen und teuren Verfahren gefertigt werden. Offenbar traut man bei Samsung dem neuen Design deshalb nicht ganz. Nur so ist es zu erklären, dass zusätzlich ein fast baugleiches Schwestergerät in traditioneller Gestaltung verkauft wird – 150 Franken günstiger.

Eine Sekunde bis zum Foto

Technisch bringt das Galaxy S6 erwartungsgemäss keine Quantensprünge. Natürlich ist der Prozessor besser geworden; die Eigenentwicklung mit 64-Bit-Architektur ist besonders energieeffizient. Und das neue Speichersystem ermöglicht einen hohen Datendurchsatz bei tiefem Stromverbrauch. Weitaus stärker werden die Kunden die neuen Kameras wahrnehmen: Sie liefern auch bei schummrigem Licht gute Bilder. Vor allem aber: Die Hauptkamera ist in einer Sekunde schussbereit, selbst wenn sich das Smartphone im Standby befindet. Die Software verfolgt Objekte, die sich bewegen, und justiert die Schärfe nach.

Das Galaxy S6 kann drahtlos geladen werden, sofern man sich die optionale Schale besorgt. Und: Beim herkömmlichen Laden mit Kabel ist der Akku eineinhalb Mal schneller voll als beim S5. In nur zehn Minuten kann dabei Strom für rund vier Stunden Betrieb getankt werden.

Auffallend ist aber vorab der Bildschirm. Nicht, weil Samsung eine vierfache HD-Auflösung auf den 5,1 Zoll unterbringt und das Display 600 Candela hell leuchten lässt. Der Hingucker sind vorab die Rundungen. Doch sind diese ihren Preis wirklich wert – zumal Samsung den Seitenleisten ab Werk kaum eine Funktion zuordnet? Ausser dass sie bei Anrufen in der dem Kontakt zugewiesenen Farbe glimmen. Und dass sie Freunde zum Staunen bringen sollen.

Samsungs Preisempfehlung liegt fürs S6 je nach Speichergrösse bei 700 bis 900 Franken und fürs S6 Edge bei 850 bis 1050 Franken.

Berner Zeitung

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