Mit dem Fitnessgadget zum Joggen und ins Bett

Moderne Armbänder, Uhren und Smartphones messen, wie man sich bewegt – und animieren zu einem gesünderen Lebensstil. Doch welcher Fitnesstracker eignet sich für wen? Wir gingen mit einigen Geräten joggen, arbeiten – und ins Bett.

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Der Weltmeister ist gekürt, der Bier- und Chipsvorrat geplündert. Nun gibt es gerade keinen grossen Fussballmatch mehr zu verpassen. Und damit fällt die Hauptausrede dahin, mit der in den letzten Wochen die Trainingsabstinenz gerechtfertigt wurde. Nun also los, Couch Potatoe, ab auf die Piste! Der Gesundheit zuliebe – und um nach dem übermässigem Chips- und Bierkonsum wieder abzuspecken.

Sollte der innere Schweinehund stark sein, kann ein persönlicher Trainer helfen – ein richtiger oder ein elektronischer: Seit die Spitzensmartphones mit fürs Verarbeiten von Sensordaten optimierten Prozessoren bestückt und besonders stromsparende Bluetooth-Module eingebaut sind, gehen immer mehr Hersteller mit Aktivitätstrackern an den Start: Armbändern und Uhren, die im Zusammenspiel mit dem Smartphone etwa die Schritte oder den Puls aufzeichnen. Unter Hobbysportlern grassiert bereits die Sensoritis, und einige weniger Ambitionierte versuchen sich mit einem Gerät etwas Motivation zu kaufen: Wenn man sich schon anstrengt, will man wenigstens genau wissen, was man geleistet hat. Etwa wie viele Schritte man gegangen ist, wie schnell das Herz dabei geklopft hat und wie viele Kalorien man dabei verbrannt hat.

Doch welcher Aktivitätstracker eignet sich wozu? Wir lassen eine Handvoll Geräte gegeneinander antreten. Und zwar wortwörtlich: Am Arm zurren wir eine Pulsuhr von Garmin fest, eine Smartwatch von Samsung und ein Messgerät von Withings. Zusätzlich stecken wir das Spitzensmartphone von Samsung ein, das auch auf Fitness getrimmt ist. Schliesslich wird als Referenz ein mechanischer Schrittzähler, den wir auf dem Estrich gefunden haben, an den Hosenbund geklipst.

Disziplin I: Beim Jogging

Zuerst steht eine Joggingrunde auf dem Programm – ein kleine, nach der langen trainingslosen Zeit. Noch vor dem Start erfolgt eine erste Pulsmessung – mit der Sportuhr, der Smartwatch, dem Withings-Gerät und dem Smartphone. Alle messen zwischen 72 und 75 Schläge pro Minute. Für die permanente Pulsmessung unterwegs eignen sich dann aber bloss zwei der Geräte: die Sportuhr von Garmin, die via einen Brustgurt misst, und die Smartwatch von Samsung. Bei den anderen Geräten muss jede Messung manuell gestartet werden, die mit rund 10 Sekunden relativ lange dauert. Das Gerät von Withings müsste dazu aus der Halterung und das Smartphone aus der Hülle geklaubt werden. Das geht beim Joggen schlecht. Anders die Smartwatch von Samsung: Sie hat zwar auch einen optischen Sensor, nimmt aber sogar am Handgelenk den Puls. Allerdings weicht der Wert teils um 10 Schläge von jenem ab, der von Garmins Sportuhr geliefert wird.

Nach dem Jogging erfolgt wieder eine Pulsmessung mit dem ganzen Gerätearsenal. Sie gestaltet sich schwierig: Offenbar kommen optische Sensoren mit Schweiss schlecht klar. Sie brauchen mehrere Anläufe. Und die Werte variieren mit 102 bis 113 Schlägen pro Minute stark.

Disziplin II: Im Büroalltag

Beim Jogging punktet also die Sportuhr. Für die beiden anderen Disziplinen muss diese allerdings Forfait geben. Denn einen Brustgurt trägt man nicht im normalen Alltag und schon gar nicht während der Nacht. Für solche Messungen eignen sich bloss Smartwatches und Armbänder. Sowohl das Gerät von Samsung als auch jenes von Withings messen etwa die Anzahl Schritte. Im Test zeigte sich: Bei normalen Spaziergängen und Joggings kommen die Schrittzähler auf ähnliche Werte. Nicht aber, wenn man sie im Büroalltag trägt: Während das Gerät von Withings 1342 und jenes von Samsung 2248 Schritte registriert, kommt der mechanische Zähler auf 2443. Auch bezüglich der Kalorien gehen die Angaben stark auseinander. Withings zeigt «40 cal» an, Samsung «78 kcal».

Disziplin III: Im Bett

Sowohl die Smartwatch von Samsung als auch die Sensoren von Withings sollen dabei helfen, den Schlaf zu überwachen. Deshalb steigen wir – erschöpft nach dem intensiven Tag – mit diesen Geräten ins Bett. 89 Prozent des 8 Stunden und 35 Minuten dauernden Schlafs seien bewegungslos verlaufen, teilt das Gerät von Samsung am Folgetag mit. Jenes von Withings kommt auf 3 Stunden und 59 Minuten leichten und 4 Stunden und 26 Minuten tiefen Schlaf. Halten wir uns also an die spartanischen Angaben von Samsung und notieren uns die letzte Nacht als eine gute. Noch besser schläft man aber garantiert ohne Messgerät am Handgelenk.

Mathias Born> (Berner Zeitung)

Erstellt: 15.07.2014, 14:49 Uhr

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