Flatrate rechnet sich nicht immer

Zum Fixpreis telefonieren, so lange man will. Das versprechen die Flatrate-Abos. Sie rechnen sich indes nicht für jedermann.

Die Mobilfunkanbieter werben derzeit mit ihren Flatrates. Doch für welche Nutzer rechnen sich solche Pauschalangebote?<p class='credit'>(Bild: Keystone)</p>

Die Mobilfunkanbieter werben derzeit mit ihren Flatrates. Doch für welche Nutzer rechnen sich solche Pauschalangebote?

(Bild: Keystone)

Mathias Born@thisss

Nie mehr braucht man sich beim Telefonieren Sorgen zu machen. Denn wie viel man bezahlt, ist dank dem Flaterate-Abo schon von vornherein klar. Auch bei den jüngst lancierten «Now Relax»-Abos von Sunrise sowie den «Me» genannten Pendants von Orange handelt es sich um Pauschalangebote. Sie stehen in Konkurrenz zu Swisscoms «Infinity»-Angeboten. Während Sunrise die Angebotspalette vereinfacht, gibt es bei Orange Neuerungen: Die Preise sind gesunken. Allerdings sind Inklusivminuten neu nicht mehr für Anrufe nach Europa gültig.

«Die Anbieter setzen stark auf Pauschalangebote», konstatiert Ralf Beyeler, Telecomspezialist beim Onlinevergleichsdienst Comparis.ch. «Die klassischen Abos verlieren hingegen an Bedeutung.» Oliver Zadori von Dschungelkompass.ch pflichtet ihm bei. Und er warnt: «Flatrates rechnen sich nicht in jedem Fall.»

Flat nur beim Telefonieren

Einmal bezahlen und so viel konsumieren, wie man will: Das gilt bei den günstigeren Flatrates nur für die Telefonie und für die SMS – und auch da mit Einschränkungen. So sind bei den erwähnten Abos zwar Anrufe innerhalb der Schweiz enthalten, bei den günstigeren aber keine Anrufe ins Ausland und keine Roaminganrufe aus dem Ausland. Dafür gibt es teurere Flatrates, wo Gespräche ins Ausland inbegriffen sind, oder sogar die teuerste, die beschränkte Roamingdienstleistungen enthält. Zudem hat selbst «unlimitiertes» Telefonieren in der Schweiz offenbar eine Grenze: Bei Orange liegt sie bei 3000 Gesprächsminuten pro Monat.

Etwas einfacher ists bei den SMS: Der Versand innerhalb des Landes ist in allen Flatrates enthalten. Bei Swisscom und Orange kann man ohne Mehrkosten SMS ins Ausland schicken. Bei Sunrise hingegen sind SMS ins Ausland bloss im teuersten Abo enthalten.

Beim mobilen Internetzugang geht die Swisscom einen anderen Weg als die Konkurrenten: Je nach Abopreis variiert die Geschwindigkeit. «Für die meisten Nutzer reicht die langsame Geschwindigkeit von 1 MBit/s vollkommen», sagt Ralf Beyeler. Sunrise und Orange hingegen bieten allen Kunden dieselbe Geschwindigkeit. Dafür limitieren sie die Datenmenge, die übermittelt werden darf.

Unterschiede gibt es auch beim Umgang mit den Subventionen. Die Swisscom gewährt Leuten, die beim Abschluss eines Abos kein neues Gerät beziehen, keinen Rabatt. Orange und Sunrise hingegen vergünstigen die Abos um bis zu 20 beziehungsweise 19 Franken pro Monat. Einzige Ausnahme: Beim Abo Sunrise24 werden keine Geräte subventioniert.

Kaum vergleichbar

Die Beispiele zeigen: Die Flatrate-Pakete lassen sich kaum miteinander vergleichen, da sie unterschiedlich geschnürt sind. Um sich einen Überblick über das Angebot für Intensivnutzer zu verschaffen, hat Oliver Zadori von Dschungelkompass.ch drei Profile für Vielnutzer erstellt. Sein Fazit: Wer Anrufe und SMS nur innerhalb der Schweiz tätigt und grosse Datenmengen übermittelt, fährt mit dem Sunrise24 (49 Franken, nur für Neukunden) oder mit Sunrise Now relax (89 Franken) am günstigsten. Wer keine Daten nutzt, setzt auf Sunrise24 (49 Franken), Swisscom infinity XS (59 Franken) oder Orange Me Unlimited Swiss (60 Franken). Wer hingegen einige internationale SMS verschickt und monatlich zwei Stunden ins europäische Handynetz telefoniert, fährt mit Swisscom infinity M (108 Franken) oder Orange Me Unlimited International (115 Franken) am günstigsten.

«Das günstigste Abo kann aber sehr schnell zum teuersten werden – wenn es nicht zum Nutzungsverhalten passt», sagt Zadori. Um das richtige Abo zu finden, muss man sich entweder genau mit den Angeboten beschäftigen. Oder man lässt sich online das beste Angebot berechnen.

Flatrate oder Prepaid?

«Flatrates lohnen sich nur für Durchschnitts- und Vielnutzer», sagt auch Ralf Beyeler. «Die teuersten sollten sich nur jene Leute leisten, die sehr spezielle Kommunikationsbedürfnisse haben.»

Er rechnet vor: Bei Swisscom müsse man monatlich 54 Anrufe tätigen, damit man von der günstigsten Flatrate profitiert – also 2 Anrufe pro Tag. Bei Sunrise wiederum müsse man monatlich 67 Minuten telefonieren – 2 Minuten pro Tag. «Die meisten Nutzer sparen Geld, wenn sie auf die Abos kleinerer Anbieter oder auf ein Prepaidangebot setzen, allenfalls gekoppelt mit einem Datenpaket.» Dabei solle man einen Anbieter wählen, bei dem sich das Datenpaket erneuert, sobald es aufgebraucht ist. Der Grund: Die anderen Anbieter verrechnen zusätzlich übermittelte Daten zu hohen Preisen.

Oliver Zadori empfiehlt vor dem Abschliessen einer Flatrate einen Blick auf die Rechnungen der letzten Monate. Als Grundregel gelte: Bloss wenn die monatliche Rechnung im Durchschnitt höher war als die Grundgebühr des Flatrate-Abos, kann dieses sich lohnen. Dabei müsse man eines in die Berechnung miteinbeziehen: «Im Gegensatz zu Prepaidangeboten kosten Flatrate-Abos auch, wenn man gar keine Dienstleistungen bezieht – also etwa während der Ferien.»

Berner Zeitung

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