Eine Runde weiter

Die runde Smartwatch Urbane ist die neuste Android-Uhr von LG. Im Test zeigt sich, was Google Apple abschauen sollte.

  • loading indicator
Jan Rothenberger@janro

Beim ersten Blick wird klar, wo LG mit seiner neuesten Smartwatch hinwollte – weniger Gadget, mehr Accessoire. Das Design ist gediegener, der Name ebenso: «Urbane». Man fragt sich unweigerlich, ob LG nachträglich ein e angehängt hat, um mit einem französischen Namen Uhrmacher-Tradition anklingen zu lassen.

Die LG Watch Urbane ist eine aufgehübschte Variante der letztjährigen LG Watch R. Das Lederarmband und das silber- oder goldfarbene Gehäuse sorgen dabei für einen Aufpreis: Mit rund 290 Franken kostet das Modell knapp 100 Franken mehr als die Watch R, deren Innenleben sich kaum von der Urbane unterscheidet. Wer auf das Design keinen Wert legt, fährt darum mit der Watch R billiger.

Breites Handgelenk ist Pflicht

Die Standardausführung hat ein Stahlgehäuse und ein austauschbares Lederarmband. Den Ein/Aus-Knopf tarnt LG als Krone. Die Smartwatch mit dem Look einer Männeruhr sieht nur an breiten Unterarmen gut aus – sie wirkt an zierlichen Handgelenken klobig, gerade verglichen mit der frisch erschienenen Apple Watch.

Die Uhr besitzt ein helles 1,3-Zoll-Display mit einer Auflösung von 320 Pixel. Es sitzt versenkt hinter kratzfestem Gorillaglas. Der Kontrast des Displays ist gut und eignet sich besonders für dunkle Zifferblätter. Im Stromsparmodus zeigt die Urbane dank Android Wear 5.1 weisse Zeiger und Texte auf unbeleuchtetem schwarzem Grund.

Langlebige Batterie

Erfreulich leistungsfähig ist der Prozessor: Die Bedienung der Uhr funktioniert reaktionsschnell, die Apps öffnen sich augenblicklich. Trotzdem muss die Uhr nicht jeden Tag aufs Ladedock. Die Akkulaufzeit ist mit zwei bis drei Tagen bei geringer Benutzung etwas grosszügiger als bei der Apple Watch. Die Urbane bringt WLAN-Fähigkeit mit, eine willkommene Ergänzung zu Bluetooth. Benachrichtigungen erhält der Träger damit auch, wenn das Telefon gerade nicht in Funkreichweite ist.

Die Uhr besitzt einen Pulsmesser, allerdings kein GPS – dafür muss das Handy mit von der Partie sein. Der Pulsmesser funktionierte im Test nur mässig zuverlässig und setzt zudem ein eng angeschnalltes Armband voraus. In drei aufeinanderfolgenden Ruhepulsmessungen erhielten wir 45, 54 und 115 Schläge pro Minute. Korrekt gewesen wären rund 60.

Android Wear fehlt der Feinschliff

Die LG Watch Urbane hat die neuste Version von Android Wear im Gepäck, 5.1. Verglichen mit Android oder iOS auf dem Smartphone sind die Bedienkonzepte von Google und Apple auf der Smartwatch noch einmal deutlich unterschiedlicher. Google setzt bekanntlich primär auf Touch-Bedienung, während die Apple-Konkurrenz mit einer drehbaren Krone eine Alternative bietet. Android-Wear-Nutzer müssen sich nach wie vor auf viel Wischen auf dem Display einstellen. Zwar funktioniert die Sprachbedienung im Test gut – Kommandos im Stil von «Ruf Rafael an» klappen zuverlässig – sie ist aber kein Ersatz für eine durchdachte Benutzeroberfläche. So ist noch immer zu viel vertikales Scrolling angesagt.

Neu kann der Nutzer Benachrichtigungen zwar per ruckhafter Handgelenkdrehung durchgehen, die Funktion ist im Alltag aber nur mässig praktisch. Hier darf Google noch nachbessern, Ideen für eine leichtere Bedienung wären wünschenswert. Auch sonst vermisst man die geschliffenen Kleinigkeiten der Apple Watch, etwa den deutlich diskreteren Umgang mit Benachrichtigungen. Zwar hat Android Wear deutliche Fortschritte gemacht seit unserem letzten grossen Smartwatch-Test (Die runden Google-Uhren im Test), in jeder Beziehung überzeugt das Betriebssystem aber noch nicht.

Die LG Watch Urbane kostet in der Standardausführung rund 290 Franken. Das Testmodell zur Verfügung gestellt hat Digitec.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt