Ein Telefon mit Kanten

Das HTC One M9 im Test

Das HTC One M9 soll das Beste seiner beiden Vorgänger vereinen. Bernerzeitung.ch/Newsnetz hat es ausprobiert.

  • loading indicator
Rafael Zeier@RafaelZeier

Der Vergleich war gewagt, aber nicht falsch. Bei der Präsentation seines neusten Smartphones wagte HTC den Porsche-Vergleich. Ein Bild zeigte mehrere Modelle der 911er-Reihe in chronologischer Folge. Selbst wer wenig von Autos versteht und sich nicht dafür interessiert, erkennt den berühmtesten Porsche auf einen Blick. Äusserlich verändert er sich von Generation zu Generation nur minimal.

Aus diesem Grund hat HTC die Sportwagen- und Designikone als Vorbild herangezogen. Das neuste Modell der One-Reihe unterscheidet sich optisch nur in Nuancen vom Vorgänger und vom Vorvorgänger. Die grossen Unterschiede liegen anderswo. Aber bleiben wir noch bei den Äusserlichkeiten. Das One M9 ist kantiger als seine Vorgänger und dadurch etwas griffiger.

Dank einem neuen Verfahren gibt es das Telefon nun zweifarbig. Unser Testmodell ist an der Kante bronzegolden und auf der Ober- und Unterseite silbergrau. Wegen einer feinen Kante zwischen den Farben sieht es aus, als stecke das silbrige Telefon in einer bronzenen Hülle. Etwas unverständlich sind die Anschlüsse an der unteren Kante. Die USB-Buchse und der Kopfhöreranschluss wirken arg zufällig platziert. Mag sein, dass es technische Gründe dafür gibt. Schön ist es nicht.

Neue Software

Bei den Innereien (siehe Box) fallen vor allem zwei Neuerungen auf. Das M9 läuft mit der neusten Android-Version Lollipop. Wie man es von HTC kennt, verwendet das Unternehmen die eigene Benutzeroberfläche Sense. Die ist inzwischen aber so diskret, dass das kaum jemanden stören wird. Im Gegenteil: Kleine Änderungen wie das überarbeitete Multitasking sind willkommene Verbesserungen.

Besonders gefallen hat, wie leicht man das Telefon einrichten konnte. Man brauchte nur das alte Handy (vorausgesetzt, es nutzt ebenfalls Android) mit dem neuen zu berühren, und per NFC wurde eine Verbindung hergestellt und die Daten und Apps übernommen. Einzig sein Google-Passwort musste man noch eintippen. Einfacher und komfortabler gehts kaum.

Auch praktisch sind die Schnellstartabkürzungen. Wenn man das Telefon aus der Tasche nimmt, muss man nur aufwärtswischen und es wird entsperrt. Dank dem Lagesensor merkt das Telefon, wann es so entsperrt werden soll und wann nicht. Ähnlich funktioniert die Kameraabkürzung. Hält man das Telefon quer, muss man nur den einen Lautstärkeknopf drücken und die Kamera wird geöffnet.

Neue Kamera

Die andere grosse Neuerung ist die neue Rückkamera. Bei den letzten zwei Modellen hat HTC auf eine sogenannte Ultrapixelkamera gesetzt. Die Argumentation war jeweils: weniger Auflösung, dafür bessere Lichtempfindlichkeit. Mit vier Megapixeln war die Auflösung aber derart klein, dass Fotos schon auf hochauflösenden Handybildschirmen und auf Tablets und Fernsehern sowieso nicht mehr gut aussahen.

Mit dem M9 hat HTC das nun korrigiert. Ultrapixel kommen nur noch bei der für Selbstporträts optimierten Frontkamera zum Einsatz. Die Rückkamera ist eine gewöhnliche 20-Megapixel-Kamera, wie man sie von anderen Herstellern kennt. Dabei gilt es zu beachten, dass die Anzahl Megapixel nicht automatisch bessere Bilder liefert. Apples iPhones mit ihren 8-Megapixel-Kameras sind das beste Beispiel dafür. Nebst dem Fotosensor spielen auch Linsen und vor allem Software eine entscheidende Rolle.

Im Alltag gefällt die neue Kamera. Bei gutem Licht macht sie für eine Handykamera gute und hochauflösende Fotos. Schnell ist die Kamera aber nicht. Der Fokus braucht gerade bei schlechtem Licht seine Zeit und stimmt auch nicht immer. Was Einfachheit, Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit angeht, ist das iPhone 6 nach wie vor das Mass aller Dinge (wenigstens so lange, bis wir das Galaxy S6 testen konnten). Wer sich aber die Zeit nimmt, sich an die HTC-Kamera zu gewöhnen und ihre Stärken und Schwächen kennen zu lernen, wird damit sehr gute Handyfotos schiessen können.

Die restlichen technischen Innereien sind wenig auffällig (siehe Box). Der Prozessor ist etwas leistungsstärker, die Auflösung des Bildschirms ist gleich geblieben wie beim Vorgänger, und der Akku reicht für einen Tag. Lobend erwähnen muss man noch, dass HTC nicht mehr einen knausrigen 16-GB-Speicherplatz verbaut, sondern 32 GB (Schluss mit der Speicher-Knauserei). Wer mehr Platz braucht, kann eine SD-Karte verwenden.

Fazit:Wer auf der Suche nach einem Premium-Smartphone ist, sollte das neue HTC in seine Überlegungen einbeziehen. Die neuen Galaxy S6, die nun auch, was Äusserlichkeiten angeht, mithalten können, sollte man aber nicht ausser Acht lassen. Trotzdem wird es Jahr für Jahr schwieriger, Premiumpreise zu rechtfertigen, wenn immer günstigere Telefone praktisch dasselbe bieten.

Welche Erfahrungen haben Sie mit HTC gemacht? Kommt das HTC One M9 für Sie infrage? Sagen Sie uns Ihre Meinung in den Kommentaren.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt