Dieses Armband reagiert auf Klopfzeichen

So soll sich der Fitnesstracker von Sony gegen die Konkurrenz durchsetzen.

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Rafael Zeier@RafaelZeier

Fitnessarmbänder und Smartwatches gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Möchte sich ein Hersteller dennoch von der Konkurrenz absetzen, muss er entweder neue Funktionen oder einen tieferen Preis bieten. Sonys neues Smartband hat ein bisschen von beidem.

Das SWR10 oder einfach «Smartband» genannte Armband kostet mit knapp unter 100 Franken etwas weniger als zahlreiche Konkurrenzprodukte. Das Band besteht aus zwei Teilen: einem Gummiarmband und dem herauslösbaren Core-Sensor (siehe Bildstrecke). Einen Bildschirm gibt es nicht. Dafür hat es drei LED-Lichter auf der Seite.

Im Core-Sensor steckt die ganze Technik des Armbands. In erster Linie ist das ein Bewegungsmesser. Der Sensor zählt Schritte und erkennt Schlafphasen wie Armbänder anderer Hersteller auch.

Die Verbindung zum Android-Smartphone wird via Bluetooth und NFC hergestellt. Man hält das Handy einfach aufs Armband, und dank NFC klappt alles automatisch. Laut Sony funktioniere das Armband mit allen Android-Geräten die die aktuelle Softwareversion 4.4 haben.

Klopf, klopf, klopf

Sony versucht, sein Armband mit zwei Funktionen von der Konkurrenz abzuheben. Zum einen ist das Armband auch eine Fernbedienung fürs Smartphone. So kann man etwa die Musik per Klopfzeichen steuern. Einmal aufs Armband geklopft, und die Musik geht aus. Klopft man zweimal, kommt der nächste Song. Klopft man dreimal, kommt der vorherige Song.

Damit das klappt, nutzt der Core-Sensor keine versteckten Knöpfe oder Touchsensoren, sondern nur den Bewegungssensor. Dieser erkennt nicht nur Schritte, sondern eben auch Klopfzeichen. Man muss allerdings, bevor man klopfen kann, den Powerknopf auf der Seite drücken. Nur so merkt die Uhr, dass jetzt ein Klopfzeichen kommt. Das funktionierte im Test ziemlich zuverlässig. Nur selten verhallten die Klopfzeichen ungehört, da das Smartband gerade nicht mit dem Smartphone verbunden war.

Digitales Tagebuch

Nebst dieser Klopffunktion setzt Sony vor allem auf seine eigene Lifelogger-App. Damit lassen sich nicht nur Schritte auswerten, die App sammelt alle möglichen Daten und macht daraus ein digitales Tagebuch. Nebst der Anzahl Schritte zeigt die App auch, wie lange man telefoniert hat oder wann man im Verlauf des Tages Fotos gemacht hat.

Wie hat sich das Armband im Alltag bewährt? Der Autor war bis jetzt kein grosser Freund von Sensorarmbändern und setzt lieber auf die Moves-App (Smartwatch wie weiter?). Für das Sony-Band spricht, dass es relativ diskret ist. Dafür nimmt man auch in Kauf, dass es keinen Bildschirm hat.

Das Smartband ist angenehm sparsam. Die beworbenen fünf Tage hielt der Akku durch. Ebenfalls positiv: Das Armband kann mit unter die Dusche.

Zum Schlafen will man das Band auch nicht ausziehen. Von Schlaftrackern und Schlafphasenweckern kann man halten, was man will. Als Vibrationswecker hat sich das Armband auf jeden Fall bewährt. So kann man sich auch etwas früher wecken lassen, ohne dass andere unfreiwillig ebenfalls geweckt werden.

Überblick über Aktivität und Faulheit

Der Schrittzähler, das Wichtigste an einem Fitnesstracker, erfüllte im Test seinen Zweck nicht besser oder schlechter als Konkurrenzprodukte. Wirklich wissenschaftlich präzis sind die Zähler nicht. Aber einen groben Eindruck vermitteln sie alle. Überwacht man seine Schritte über mehrere Tage, geben Schrittzähler einen guten Überblick über die eigene Aktivität oder Faulheit.

Was die Auswertung und Darstellung von Schrittdaten angeht, hat die Moves-App aber immer noch die Nase vorn. Sie erkennt automatisch, ob jemand zu Fuss oder mit dem Fahrrad unterwegs war. Zudem erstellt sie Tagesabläufe mit allen wichtigen Stationen. Und das Beste: Man braucht kein Armband zu tragen.

(Update: Am 23. Juni veröffentlichte Sony eine neue Version der Lifelog-App, die nun auch erkennen soll, ob man mit dem Fahrrad, Tram oder Zug unterwegs ist. Die Funktion sei aber nur in Kombination mit einem Sony-Smartphone erhältlich. Für den Test kam diese Neuerung leider zu spät.)

Wo bleiben die Höhenmeter?

Von Apple heisst es, dass die für den Herbst erwartete Smartwatch 10 Sensoren haben werde. Welche das genau sind, ist weiterhin unklar. Im Alltag vermisst man bei Sonys Band – wie auch bei Konkurrenzprodukten – vor allem ein Barometer. All die gelaufenen Schritte sind ja schön und gut. Aber wer in der Schweiz unterwegs ist, macht auch Höhenmeter – und die erkennt noch kaum ein Schrittzähler. Da könnte ein Barometer helfen.

Auch wenn Sony sein Armband als Allround-Tracker bewirbt, dürften Hobbysportler ebenfalls einen Pulssensor vermissen. Pulssensoren am Handgelenk sind zwar im Massenmarkt noch relativ neu, dürften aber zulegen. Samsung zum Beispiel verbaut in seinen neusten Uhren bereits welche, und auch Fitnessspezialisten haben welche im Angebot (Die Pulsuhr, die die Herzen höher schlagen lässt).

Fazit:Das Smartband ist einer unter vielen Schrittzählern: solid, zuverlässig, aber wenig einzigartig. Die Klopfbefehle und die Lifelog-App sind ein netter Bonus, aber kaum zwingende Kaufargumente. Wer nicht sofort ein Fitnessarmband braucht, sollte sich noch etwas gedulden. Im Herbst dürften auch noch die letzten Techkonzerne ihre Pläne fürs Handgelenk präsentieren. Dann wird sich abzeichnen, in welche Richtung sich die Technologie weiterentwickelt.

Ausblick: Das Sony-Armband zeigt drei Sachen. Erstens: Ein smartes Armband braucht – dank dem verbundenen Smartphone – nicht zwingend einen Bildschirm. Zweitens: Bewegungssensoren können mehr als nur Schritte zählen. Dank Klopfzeichen lassen sich auch Befehle an ein Smartphone übermitteln. Drittens: Ein guter Akku und eine wasserdichte Hülle sind Pflicht. Denn je weniger man das Armband abnimmt, desto besser sind die gesammelten Daten und desto seltener vergisst man es zu Hause.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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