Diese Apps wollen Flugangst heilen

Was taugen Apps, die Hilfe gegen Aviophobie versprechen? Wir haben eine Expertin gefragt.

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Jan Rothenberger@janro

Schwitzen, Zittern, Herzrasen, Atemnot: Symptome wie diese plagen Flugangstpatienten, wenn die Furcht vor dem Fliegen die Oberhand gewinnt. Experten schätzen, dass rund zehn Prozent der Bevölkerung mit einer krankhaften Flugangst kämpfen. Handelt es sich um eine isolierte Phobie, die nicht mit anderen Ängsten verbunden ist, sind die Heilungschancen gut. Laut Oberärztin Steffi Weidt vom Universitätsspital Zürich ist eine Therapie durch Fachpersonen in 75 bis 95 Prozent der Behandlungen so erfolgreich, dass ein Patient ohne starke Beschwerden fliegen kann, so die Leiterin der Sprechstunde für Angststörungen.

Zu Angeboten wie Seminaren und Verhaltenstherapien gesellen sich inzwischen elektronische Alternativen: Mit der Lockerung der Airline-Vorschriften dürfen seit letztem Jahr Smartphones und Tablets während des Flugs eingeschaltet bleiben. Eine wachsende Anzahl von Flugangst-Apps verspricht nun in kritischen Phasen Abhilfe.

Spielen gegen die Angst

Das Angebot ist zunächst unübersichtlich, die Rezepte der Smartphone-Apps unterschiedlich. Einige setzen auf Ablenkung, andere möchten mit Informationen irrationale Ängste zerstreuen oder mit Entspannungsübungen Symptome lindern. Ein Beispiel ist die ANA-Takeoff-Mode-App von All Nippon Airways (iOS). In einem Minispiel wollen durch Balancierbewegungen mit einem Ball Punkte eingesammelt werden. Das Ziel: Den Nutzer beschäftigen. Die Hatz nach Punkten soll den Spieler während der Startphase von seinen Ängsten ablenken.

Solche Konzepte sieht Steffi Weidt kritisch: «Sich abzulenken, mag kurzzeitig funktionieren, ist aber keine nachhaltige Strategie.» Eine echte Überwindung der Flugangst setze voraus, dass man sich dieser stelle und die Symptome aushalte. Deshalb ist ein tatsächlicher Flug Teil vieler Seminare, die Flugangsttherapie zum Ziel haben.

Warnung vor Alkohol

Apps wie iFlyhigh (iOS), Airplanes are Safe (Android) oder Valk / Fear of Flying (iOSund Android) setzen auf Aufklärung. Informationen rund ums Fliegen und Hintergründe zu Angststörungen sollen Betroffenen etwas gegen die Ängste in die Hand geben. Die Valk-App beispielsweise enthält ein Infokapitel zu jeder Phase eines Flugs, von der Startvorbereitung bis zur Landung. Texte erklären vom Anschnallzeichen bis zur Landeklappe wie ein Flugzeug funktioniert. Dabei geht es auch darum, welche Geräusche normal sind und welche Sicherheitsvorkehrungen bestehen. Durch Kennenlernen der Abläufe will die App Verunsicherungen vorbeugen, die ein Flugangstpatient erleben könnte.

Auch warnt die App vor falschen Rezepten, etwa der verbreiteten Selbstmedikation mit Alkohol oder Beruhigungsmitteln. Steffi Weidt bestätigt, dass Betroffene beides meiden sollten: «Die Gewöhnung sorgt dafür, dass man auch bei künftigen Flügen nicht ohne diese auskommt.»

Training mit Geräuschen

Ähnlich wie die Valk-App funktioniert Airplanes are Safe (englisch). Die kostenlose App zeigt in zufälliger Reihenfolge Begründungen, warum Fliegen sicher ist. Dazu gehören Fakten wie diese: «Blitze beschädigen Flugzeuge nicht» oder «Fliegen ist sicherer als Autofahren». Laut Steffi Weidt sind übertriebene, irrationale Befürchtungen Teil der Flugangst. «Darum kann Wissen helfen, Betroffenen das Fliegen zu erleichtern.»

Die iFlyhigh-App setzt zusätzlich zum Infoangebot auf Übungen, mit denen die App Betroffenen die Flugangstreaktion abtrainieren will. Aufzeichnungen von Flugzeuggeräuschen sollen schon im Vorfeld auf die Flugsituation vorbereiten. Es sind Techniken, die laut Steffi Weidt in ähnlicher Form auch in Verhaltenstherapien zum Einsatz kommen.

Für die Ärztin steht aber eine gute Vorbereitung der Betroffenen im Vordergrund. Eine magische Linderung durch die Apps sei dagegen unrealistisch: «Erstmals im Flugzeug eine App mit Entspannungsübungen zu zücken, bringt sicher nichts.» Schon im Vorfeld Angebote zu nutzen, die Übungen und Aufklärung enthalten, sei aber sinnvoll.

Haben Sie bereits Flugangst-Apps ausprobiert? Was sind Ihre Erfahrungen?

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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