Die analoge Smartwatch

Wer sagt, dass eine Smartwatch einen Bildschirm haben muss? Diese Uhr beweist, dass es auch auf althergebrachte Art geht.

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Rafael Zeier@RafaelZeier

Smarte Uhren gibt es inzwischen in unzähligen Formen. Dazu kommen noch mehr Fitnesstracker in noch mehr Formen. Die einen sind rund, andere eckig, manche sehen aus wie aus der Zukunft, andere wie Armbänder oder gar wie Uhren.

In die letzte Kategorie fällt die Activité (rund 500 Franken) der französischen Firma Withings. Wenn man es nicht wüsste, man käme nicht auf die Idee, dass diese Uhr smart ist. Auf den ersten Blick sieht die Activité aus wie eine gewöhnliche Armbanduhr. Erst auf den zweiten Blick bemerkt man den zusätzlichen Zeiger und dass die Uhr doch ein bisschen dicker ist als üblich.

Im Innern der Uhr stecken ein Bewegungssensor und ein Bluetooth-Sender. Verbunden mit einem iPhone (mit Android-Telefonen geht es aktuell noch nicht) wird daraus ein Fitnesstracker. Knöpfe oder eine Krone gibt es auf der Uhr nicht. Alles wird über das verbundene Smartphone bedient. Aber ausser der Weckzeit kann man nicht viel einstellen. Trotzdem macht es Spass, die Zeiger der Uhr über das iPhone zu steuern – auch wenn es eine Spielerei ist.

Die programmierbaren Zeiger kommen noch bei einer zweiten Funktion zum Einsatz: Wenn man auf die Uhr klopft, zeigen die Zeiger die auf der App ausgewählte Weckzeit an. Leider klappt das nur halb zuverlässig und häufig sind mehrere Klopfversuche notwendig.

Die Idee, dass auf der Uhr ein Zeiger über die Schrittzahl informiert und kein Bildschirm alle möglichen Updates anzeigt, gefällt. Auch gefällt das Konzept, dass es auf der Uhr keine Bedienelemente gibt und alles über das Smartphone gesteuert wird.

Leider ist die dazugehörige App nicht ganz so schlicht und elegant wie die Uhr. Gesammelte Schritte und Schlafdaten werden dort wenig übersichtlich angezeigt. In diesem Bereich haben andere Hersteller bessere und schönere Lösungen gefunden.

Interessantes Detail am Rande: Withings wirbt mit dem Label Swiss made. Wo genau in der Schweiz die Uhr hergestellt wird, behält die französische Firma für sich. Sie sagt nur, dass das Zifferblatt in Le Locle designt wurde.

Ausdauernde Batterie

Der grösste Trumpf der Activité ist ihr Durchhaltevermögen. Während andere Smartwatches und Fitnesstracker schon nach ein paar Tagen an die Steckdose müssen, hält die Withings-Uhr laut offiziellen Angaben acht Monate durch. Ob das wirklich stimmt, liess sich im Rahmen dieses Tests mit einer Leihfrist von zehn Tagen allerdings nicht überprüfen.

Ist die Batterie einmal leer, kann man sie selber auswechseln. Withings verwendet eine handelsübliche Knopfbatterie, wie man sie im Elektrohandel und im Supermarkt bekommt.

Dass die Uhr so lange durchhält, liegt in ihrer grössten Schwäche begründet: Sie kann nicht sehr viel. Mit Schritte zählen und Schlafphasen messen lockt man kaum noch jemanden hinter dem Ofen hervor. Längst messen andere Armbänder den Puls und die Höhe oder bestimmen die eigene Position mit GPS-Daten. Schritte dagegen kann auch jedes Smartphone zählen.

Fazit: Die Activité ist die wohl spannendste Smartwatch des Jahres. Sie kann zwar nicht so viel wie andere Smartwatches, dafür sieht sie besser aus und ist einfach zu bedienen. Das Hauptproblem aller smarten Uhren löst aber auch die Activité nicht: Ein zwingendes Argument für einen Computer am Handgelenk fehlt weiterhin. Schritte zählen kann ein Smartphone fast genauso gut wie eine Uhr oder ein Armband. Vom Design und der Batterielaufzeit können sich Konkurrenten aber gerne inspirieren lassen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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