Die Virtual-Reality-Brille von Zeiss im Test

Ist die Discount-Brille eine Alternative zu Oculus Rift und Co.? Bernerzeitung.ch/Newsnetz hat das Smartphone-Gadget ausprobiert.

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Jan Rothenberger@janro

Eine Reihe von 3-D-Brillen steht in den Startlöchern. Mit der VR One hat sich die Firma Zeiss überraschend als Newcomer bei den 3-D-Gadgets positioniert. Das Stück Hardware für 99 Euro funktioniert im Prinzip wie Googles Cardboard-Bastelset: Als tragbare Halterung wird es kombiniert mit einem Smartphone zur 3-D-Brille. Dazu nutzt das Gerät das Handydisplay, das für jedes Auge ein Stereobild anzeigt.

Die VR One machte im Test den Eindruck guter Verarbeitung. Das Gerät wirkt robust und wertig. Die drei Gurte, die es auf Augenhöhe halten, lassen sich flexibel einstellen. Die Auflage der Brille ist gut gepolstert, der Träger spürt keinen unangenehmen Druck. Designelement der VR One ist eine verspiegelte Blende, die aber von innen durchsichtig ist. So funktioniert die Handykamera auch im angelegten Zustand. Zur Verwendung wird das Smartphone in einer passenden Schale seitlich in die Brille geschoben. Offiziell unterstützt werden leider erst zwei Modelle: Das iPhone 6 (normal, nicht plus) und Samsungs Galaxy S5. Es lassen sich aber auch andere Handymodelle mit Displays zwischen 4,7 und 5,2 Zoll verwenden, sofern sie in die erhältlichen Schalen passen.

Tanz auf dem Würfel

Einmal angelegt, hat der Nutzer die Wahl zwischen Zeiss’ eigenen und den allgemein für Google Cardboard entwickelten Apps. Zum Glück, muss man sagen, denn Zeiss’ App-Angebot ist bislang schmal. Die VR App bietet als eine Art Hub 22 Unter-Apps (auf Android, für iOS sind es 15), die von Minispielen über einen Filmviewer bis zu einer Demo für Augmented Reality (AR) reichen. Die Filmanwendung versetzt den Nutzer in einen 3-D-Kinosaal, in dem sich auf dem Smartphone gespeicherte Filme abspielen lassen.

Die AR-Demo kommt originell daher: Der Nutzer klebt eine Papierschablone zu einem Würfel zusammen. Startet man die AR-App, zeigt diese das Livebild der Handykamera. Sobald man den Würfel ins Kamerabild bewegt, beginnt die App, 3-D-Figuren auf ihn zu projizieren (siehe obige Bildstrecke) – etwa eine tanzende Elfe. Das ist unterhaltsam und funktionierte im Test gut. Trotzdem: Insgesamt wirkt das Angebot dürftig, echten Mehrwert bieten die Apps kaum und es fehlen längerfristig motivierende Anwendungen. Hier muss Zeiss nachbessern und das eigene Angebot bald erweitern.

Schauen statt klicken

Anders als etwa Samsungs kommendes Konkurrenzprodukt Gear VR mit seinem Touchpad ist die VR One eine reine Halterung und enthält keine Elektronik. Das macht das Gerät günstiger, hat aber den Nachteil, dass es die Nutzung wie bei Cardboard stark einschränkt: Die Spiele kommen alle sehr simpel daher, und auch die Menüfunktion ist denkbar einfach gestaltet: Zum Auswählen eines Punkts muss der Nutzer diesen für mehrere Sekunden fixieren.

Fazit: Der ambitionierten Konkurrenz der «echten» 3-D-Geräte wie Oculus Rift oder Project Morpheus ist Zeiss mit der VR One zwar zuvorgekommen. Auch höherpreisige Adapter wie Samsungs Gear VR sind in der Schweiz noch nicht erhältlich. Allerdings muss man deutlich sagen: Eine echte Alternative ist die VR One nicht, sondern eher ein höherwertiges Google Cardboard. Zu limitiert sind Anwendungen und Kontrollmöglichkeiten bisher. Daran kann auch der vergleichsweise günstige Preis nichts ändern.

Die Zeiss VR One lässt sich online bestellen zu einem Preis von 99 Euro.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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