Das bringt Android N

Googles neues Betriebssystem macht aus Android endlich einen Multitasker. Ein Schritt in Richtung Hybrid-Tablets?

«Multi-Window»: Android lernt, mit mehreren Apps gleichzeitig zu jonglieren.

«Multi-Window»: Android lernt, mit mehreren Apps gleichzeitig zu jonglieren.

(Bild: Google (pd))

Jan Rothenberger@janro

Unerwartet früh zeigt Google, wo man mit der nächsten Version von Android hinwill. Die Präsentation von «N» war nämlich erst zur Google-I/O-Konferenz Mitte Mai erwartet worden. Den Vorab-Einblick ermöglicht nun eine Vorschau, die das Unternehmen veröffentlicht hat. Sie lässt Entwickler schon jetzt einen Blick auf das nächste Gross-Update werfen, allerdings nur mit Nexusgeräten. Die Vorschau zeigt die Marschrichtung, wobei aber weitere Updates möglich sind, bis Google das definitive Android N im Sommer an die Hersteller ausliefert.

Mehrfenstermodus

Herzstück des Updates ist echtes Multitasking für Apps. Android bringt den Mehrfenstermodus künftig von Haus aus mit. Einzelne Hersteller hatten sich schon selbst beholfen und eigene Multitasking-Modi eingebaut, darunter LG und Samsung. Dass Android nun einen einheitlichen Standard setzt, ist ein lange erwarteter Schritt. «Multi-Window» wird erlauben, zwei Apps auf dem Display nebeneinander anzuzeigen. Das dürfte nicht nur ein Zückerchen für Tabletnutzer sein. Android stellt sich damit auch für eine ähnliche Gerätezukunft auf wie die Konkurrenz. Mit dem iPad Pro und der Surface-Reihe positionieren sich Apple und Microsoft schon mit dem Konzept Convertible als Geräteklasse: Tablet mit Tastatur und Stift anstelle eines Laptops.

Apples iOS 9 erlaubt mit der Split-Over-Funktion, Apps in einer Seitenleiste mitlaufen zu lassen. Und auf dem iPad Air 2 und iPad Pro kann der Nutzer per App-Multitasking zwei Fenster nebeneinander anzeigen, zum Beispiel Safari und die Notizenapp. Microsoft, dessen Convertibles von der PC-Seite her kommen, haben mit Windows diese Funktion von jeher. In den jüngsten Windowsversionen wurden sie für Touch-Bedienung optimiert.

Googles letztes Jahr vorgestelltes, tastaturbewehrtes Tablet Pixel C versucht sich auch am Hybrid-Ansatz. Mit dem Einbau eines Mehrfenstermodus reicht das Unternehmen nun die Funktion nach, die das Pixel C und andere Tablets als Laptop-Ersatz interessanter macht: Mehrere Fenster gleichzeitig zu nutzen, ist eine fast zwingende Voraussetzung für eine produktive Office-Verwendung eines Geräts.

Neues Systemmenü

Während Multitasking als Kern-Update erscheint, ist die Überholung des Systemmenüs eher Kosmetik im Kleinen. Android erhält eine übersichtliche Navigation für die Einstellungen. Die wichtigsten Informationen werden bereits unter den Menüpunkten angezeigt, ohne dass diese geöffnet werden müssen.

Benachrichtigungen direkt beantworten

Die Notification-Zentrale ist der Bereich, in dem Android Pushes und andere Benachrichtigungen zusammenführt. Neben einer effizienteren Darstellung verspricht Android N, dass sich eingehende Nachrichten künftig gleich hier beantworten lassen. Es wäre dann nicht mehr nötig, die gerade aktive App zu verlassen. Auch To-do-Applikationen lassen damit ihre Erinnerungen gleich hier abhaken, ohne vorgängig zur App wechseln zu müssen.

Aufgebohrter Stromsparmodus

«Doze» nennt sich die Android-eigene Schlummerfunktion, die in längeren Verwendungspausen Akku spart. Google hat sie mit Marshmallow eingeführt. Android N baut Doze nun aus: Künftig wird der Stromsparmodus bereits dann zum Einsatz kommen, wenn das Display ausgeschaltet ist.

Schutz vor Datenhunger und Spam

Eine neue Komfortfunktion für Nutzer auf Auslandreise nennt sich «Data Saver». Sie steht für sparsamen Netzgebrauch unterwegs. Wenn aktiviert, sperrt Android die Nutzung von Hintergrunddaten für Apps. Gleichzeitig werden aktuell benutzte Apps angewiesen, möglichst knausrig mit Daten umzugehen – etwa bei Audio und Video niedrige Bitraten zu bevorzugen. Ein ausgebauter Spamschutz hält ebenfalls Einzug in Android. Künftig lassen sich unerwünschte Anrufe und Kurznachrichten auf Systemlevel blockieren.

Android N soll im Sommer an die Hersteller gehen. Einen offiziellen Süssigkeiten-Spitznamen hat die Version 7.0, die mit N traditionellerweise das Alphabet weiterschreibt, übrigens noch nicht. Zuletzt standen K für Kitkat, L für Lollipop und M für Marshmallow. Wir tippen auf «Nougat».

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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