Das Falthandy von Samsung im Test

Erstmals hat der Konzern ausgewählte Journalisten das Galaxy Fold testen lassen: ein erster Eindruck.

Das taugt das Galaxy Fold. Video: Rafael Zeier
Rafael Zeier@RafaelZeier

Als ich gestern Nachmittag auf Einladung von Samsung in den Flieger nach London stieg, waren meine Erwartungen minimal. Ja, ich fragte mich, warum ich überhaupt zugesagt habe. Falthandys sind jetzt erst mal Marketinginstrumente und teure Prototypen. Bis das alltagstauglich wird, dauert es noch Jahre.

Bisher hatte ich das Galaxy Fold, das erste Falthandy des südkoreanischen Konzerns, erst einmal auf einer Videowand, einmal hinter Glas und ein paar mal auf Youtube gesehen. Kein einziges Mal hat es mich überzeugt. Ja, nachdem ich das Huawei-Falthandy, das Mate X, in der Hand gehabt hatte, dünkte mich das Galaxy Fold der gänzlich falsche Ansatz zu sein. Zwei Bildschirme, sechs Kameras und dann auch noch dieses umständliche Design, das konnte ja noch nicht der beste Einsatz eines biegbaren Bildschirms sein.

Ganz generell wäre mir ein faltbares Tablet lieber als alle diese halbgaren und überteuerten Handys. Das 12,9-Zoll-iPad ist mein treuer Begleiter auf allen Reisen und die beste Schreib- und Fotobearbeitungsmaschine, die ich je hatte. Zum Arbeiten ist der grosse Bildschirm grandios. Zum Transportieren jedoch ein Ärgernis. Würde mir doch nur jemand ein Tablet bauen, das man zusammenfalten kann.

Ich habe mich die ganze Zeit geirrt

Als ich das Galaxy Fold zum ersten Mal in die Hand nehmen konnte, dämmerte mir, dass ich die ganze Zeit falsch lag. Das Galaxy Fold ist kein Falthandy. Es ist ein Falttablet, das auch noch ein bisschen ein Handy ist. Also eigentlich genau das, was ich wollte. Im Prinzip. In der Realität – so viel kann man nach etwa einer Stunde mit dem Gerät schon sagen – gibt es an allen Ecken und Enden noch viel Verbesserungspotenzial.

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Aber der Reihe nach: Auf den ersten Blick überrascht, wie viel besser das Gerät in echt aussieht, als es Fotos und das komplizierte Design vermuten liessen. Die schönen Farben und die polierten Metallkanten lenken geschickt davon ab, wie viel Ingenieursleistung und Mechanik in diesem Gerät steckt.

Aber auch die besten Designer können nicht verbergen, wie langgezogen das Galaxy Fold in zugeklapptem Zustand wirkt – und wie winzig der Zweitbildschirm ist. Dennoch, das Handy passt in meine Hosentasche und ist auch nicht merklich dicker als ein iPhone in der Akkuhülle.

Erstaunlich gut funktionierte an der Demonstration auch der Wechsel vom Aussen- auf den Innenbildschirm. Hat man zum Beispiel Youtube auf dem Minibildschirm und öffnet das Gerät, geht das Video fliessend auf dem Grossbildschirm weiter. Das klappt allerdings erst bei optimierten Apps so gut. Bei Twitter etwa erschien wiederholt die Meldung, die App müsse für diesen Bildschirm nun neu gestartet werden. Eine weitere Erinnerung, wie wenige Android-Apps für Tablets optimiert sind.

Apropos optimiert: Wie auf dem Galaxy S10 kommt auch auf dem Galaxy Fold Samsungs neue Benutzeroberfläche namens OneUI zum Einsatz. Diese hat schon auf dem Galaxy S10 gut gefallen und macht auch hier wieder einen aufgeräumten, eleganten und fingerfreundlichen ersten Eindruck.

Erstes Fazit

Nach etwa einer Stunde mit dem Galaxy Fold wird klar, so schlecht wie befürchtet ist es bei weitem nicht. Im Gegenteil. Wenn man es als Falttablet mit Telefonfunktion und weniger als Falthandy mit Tabletbildschirm ansieht, macht es deutlich mehr Sinn.

Natürlich ist in fast allen Fällen von einem Kauf weiterhin abzuraten. Schliesslich handelt es sich um ein Gerät der ersten Generation, das mit über 2000 Franken auch nicht gerade billig ist. Für dasselbe Geld bekommt man ein sehr gutes Smartphone und ein sehr gutes Tablet.

Wer hingegen Freude an Technologie und eine Schwäche für grosse Bildschirme hat, könnte sich nach einem ersten Ausprobieren im Laden dennoch versucht sehen, Bedenken über Bord zu werfen und das Portemonnaie zu zücken. Selbst bin ich jetzt erst einmal gespannt, wie sich das Gerät im Alltag schlägt. Ein Tablet für die Hosentasche, das gute Fotos schiesst und mit dem man zur Not auch mal telefonieren kann, das klingt je länger, desto verlockender.

Haben Sie Fragen zum Galaxy Fold? Unser Autor beantwortet sie heute Mittwoch gerne in den Kommentaren weiter unten und fast rund um die Uhr auf Twitter.

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