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Wlan-Router als Katastrophenhelfer

Bei Erdbeben oder Flugzeugabstürzen kann das Überleben vieler Menschen davon abhängen, wie schnell Helfer bei ihnen sind. Forscher zeigen, wie Private Polizei, Feuerwehr und Sanitäter unterstützen können.

Könnte künftig mit einem Schalter ausgerüstet sein, mit dem er in einen Notfallmodus wechseln kann: Wlan-Router. Solche Geräte könnten in diesem Modus ein Netzwerk bilden, wenn Funkmasten zerstört oder überlastet sind.
Könnte künftig mit einem Schalter ausgerüstet sein, mit dem er in einen Notfallmodus wechseln kann: Wlan-Router. Solche Geräte könnten in diesem Modus ein Netzwerk bilden, wenn Funkmasten zerstört oder überlastet sind.

Bei grossen Katastrophen wie einem Erdbeben kann das Überleben vieler Menschen davon abhängen, wie schnell Helfer bei ihnen sind. Damit Polizei, Feuerwehr und Sanitäter die richtigen Teams schnell an den richtigen Ort schicken können, brauchen sie zahlreiche Informationen und müssen miteinander kommunizieren.

Sind aber die Funkmasten zerstört oder überlastet - wie etwa an Silvester -, stehen die Retter vor einem grossen Problem. WLAN-Router, die inzwischen in vielen Wohnungen funken, könnten es lösen.

Daten hüpfen von Wohnzimmer zu Wohnzimmer

Ein Forscherteam der Technischen Universität Darmstadt hat vorgeschlagen, die Geräte künftig mit einem Schalter auszurüsten, mit dem sie in einen Notfallmodus wechseln können. Die Router würden in diesem Modus dann ein Netzwerk bilden, erklärt Kamill Panitzek von der Forschergruppe, die ergründet, wie in Zukunft intelligente Netzwerke unser Leben beeinflussen könnten.

Das Gerät aus dem eigenen Wohnzimmer könnte sich mit dem des Nachbarn verbinden und das wiederum mit dem nächsten. So würden die Daten von Router zu Router hüpfen und die Helfer könnten Informationen verschicken und sogar miteinander telefonieren.

Wie belastbar ist das Netzwerk?

WLAN-Router sind inzwischen so weit verbreitet, dass das System in vielen Ländern der Welt funktionieren würde, sagen die Forscher. Ein moderner WLAN-Router kann auf einer Distanz von mehreren hundert Metern funken. Allerdings wird die Reichweite von Gebäuden oder Betonmauern eingeschränkt. In vielen Häusern schränken Möbel, Türen und Wände die Reichweite auf gerade einmal zwei Stockwerke ein.

Die Idee des Forscherteams steckt auch noch in den Kinderschuhen: Wie belastbar ist so ein Netzwerk und wo funktioniert es wirklich? Das sind nur zwei Fragen, auf die die Darmstädter Wissenschaftler eine Antwort suchen. «In dicht besiedelten Regionen ist solch ein System möglicherweise einfacher zu realisieren. Jedoch entstehen durch die dichte Besiedelung hohe Interferenzen zwischen den einzelnen Funknetzwerken», erklärt Panitzek.

Das Sicherheitsproblem

Ob es für Hacker durch die zusätzliche Funktion der Router leichter würde, private Daten der Nutzer zu stehlen, ist auch noch offen. «Wir sind uns bewusst, dass das von uns vorgeschlagene Konzept sicherheitstechnische und rechtliche Probleme mit sich bringt», sagt Panitzek. Auch stelle sich die Frage nach der gesellschaftlichen Akzeptanz eines Notfallschalters.

Aber immerhin haben moderne Router heute schon einen sogenannten WLAN-Gast-Modus. Darüber können zusätzliche Nutzer ins Internet haben aber keine Kontrolle über das lokale Netzwerk. Bevor die Idee also umgesetzt werden kann, muss noch viel geforscht werden. Erst dann zeige sich auch, was die Installation in Deutschland kosten würde, sagt Panitzek.

AFP/rek

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