Weltweit zweitgrösster Darknet-Marktplatz ausgehoben

Auf «Wall Street Market» wurden gestohlene Daten, gefälschte Dokumente und vor allem Drogen angeboten. Nun wurden die drei mutmasslichen Plattform-Betreiber in Deutschland gefasst.

Internationale Zusammenarbeit führte zum Ermittlungserfolg: Das deutsche Bundeskriminalamt vermeldet den Schlag gegen die Plattform «Wall Street Market». (Bild: Screenshot bka.de)

Internationale Zusammenarbeit führte zum Ermittlungserfolg: Das deutsche Bundeskriminalamt vermeldet den Schlag gegen die Plattform «Wall Street Market». (Bild: Screenshot bka.de)

Behörden aus Europa und den USA ist gemeinsam ein Schlag gegen den Handel mit illegalen Waren im Internet gelungen. Die Ermittler hoben den nach ihren Angaben weltweit zweitgrössten illegalen Marktplatz im sogenannten Darknet aus. Auf der Plattform «Wall Street Market» seien gestohlene Daten, gefälschte Dokumente und vor allem Drogen angeboten worden, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt. Nun sässen die drei mutmasslichen Betreiber in Haft. Beim Darknet handelt es sich um einen abgeschirmten Teil des Internets.

Bei den Männern soll es sich um einen 31-Jährigen aus Bad Vilbel (Hessen), einen 22-Jährigen aus Kleve (Nordrhein-Westfalen) und einen 29-Jährigen aus dem Landkreis Esslingen (Baden-Württemberg) handeln. Die Verdächtigen sollen an den Verkäufen über die Plattform verdient haben. Nach Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) erhielten sie Provisionszahlungen in Höhe von zwei bis sechs Prozent des Verkaufswertes. Zuletzt sollen auf dem Online-Marktplatz mehr als 63'000 Verkaufsangebote eingestellt sowie mehr als eine Million Kundenkonten und 5400 Verkäufer angemeldet gewesen sein.

Zeitgleich wurde offenbar auch eine finnische Darknet-Plattform geschlossen. Europol teilte mit, dass der finnische Darknet-Marktplatz Silkkitie, auch bekannt unter dem Namen «Valhalla Marketplace», ebenfalls beschlagnahmt wurde.

Darknet-Plattformen funktionieren wie gewöhnliche Online-Versandhäuser – mit einem Unterschied: Erreicht werden können sie nur über den Tor-Browser, der dafür sorgt, dass die IP-Adresse der Nutzer nicht verfolgt werden kann. Einmal auf der Seite, können die Nutzer aus einem reichhaltigen Angebot wählen, Produkte in den Warenkorb legen und am Ende bezahlen – mit Kryprowährungen, die die Identität der Nutzer ebenfalls verschleiern. Verkäufer und Produkte können bewertet werden, genauso wie bei Amazon oder Zalando.

Mehr als eine Million Nutzerkonten

Der berühmteste Darknet-Marktplatz war die 2011 geründete «Silk Road». Im Jahr 2013 verhaftete das FBI den Betreiber, den damals 29-jährigen Ross Ulbricht. Ulbricht wurde mittlerweile zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Seit dem Ende der Silk Road wechselten sich mehrere Darknet-Plattformen als Marktführer ab. Einige wurden von Ermittlungsbehörden geschlossen, andere verabschiedeten sich durch sogenannte «Exit-Scams». Um auf den Plattformen zu handeln, müssen Nutzer meist Kryptowährungen auf ein mit der Plattform verbundenes Konto überweisen. Bei einem Exit-Scam überweisen die Betreiber der Plattform das dort geparkte Geld auf ihre eigenen Konten und verschwinden dann.

In Darknet-Foren war in den vergangenen Tagen über einen solchen Exit-Scams bei «Wall Street Market» spekuliert worden. Das BKA hat diesen Verdacht in seiner Pressemitteilung bestätigt. Demnach hätten die Betreiber die Seite am 23. April in den Wartungsmodus versetzt und begonnen, Kundengelder auf eigene Konten zu transferieren. Bei Hausdurchsuchungen stiessen die Beamten auf 550'000 Euro in bar, sowie die Kryptowährungen Bitcoin und Monero im Gegenwert von über 100'000 Euro. Ausserdem wurden mehrere hochwertige Fahrzeuge beschlagnahmt. Bei dem 22-jährigen Tatverdächtigen aus Kleve wurde nach Angaben des BKA zudem eine Schusswaffe gefunden.

Den Festnahmen waren lange und aufwendige verdeckte Ermittlungen der US-amerikanischen und niederländischen Strafverfolgungsbehörden sowie der europäischen Polizeibehörde Europol vorausgegangen. Gegen die drei deutschen Beschuldigten wurde laut BKA erst seit März ermittelt.

Auf Antrag der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main hat die Haftrichterin am Amtsgericht Giessen die Untersuchungshaft wegen «gewerbsmässiger Verschaffung einer Gelegenheit zur unbefugten Abgabe von Betäubungsmitteln» angeordnet. Die Server des illegalen Online-Marktplatzes wurden am Donnerstag beschlagnahmt. Ob auch Nutzer der Plattform belangt werden, dürfte davon abhängen, ob die Ermittler auch Kontaktdaten der Händler ermitteln konnten. Zwei der aktivsten Verkäufer konnten offenbar schon im Verlauf der Ermittlungen in Los Angeles festgenommen werden.

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