Syrien ist offline

In weiten Teilen des kriegsversehrten Landes sind am Donnerstag das Internet und Verbindungen über Handy und Festnetz lahmgelegt worden.

Stehen in der Kritik: Aufständische in Syrien. Die Organisation Human Rights Watch wirft ihnen vor, Kinder für ihren Kampf zu nutzen. So müssten erst 14-jährige Jungen Wache halten und in den Kampf ziehen.

Stehen in der Kritik: Aufständische in Syrien. Die Organisation Human Rights Watch wirft ihnen vor, Kinder für ihren Kampf zu nutzen. So müssten erst 14-jährige Jungen Wache halten und in den Kampf ziehen.

(Bild: Keystone)

Syrien sei praktisch vom Netz abgekoppelt, teilten zwei auf die Beobachtung des weltweiten Internetverkehrs spezialisierte US-Unternehmen mit. Aufständische vor Ort bestätigten die Einschränkungen, während Aktivisten befürchteten, dies könnte auf bevorstehende umfangreiche Militäreinsätze hindeuten.

Der US-Technologiefirma Akamai zufolge stoppte der Internetverkehr in Syrien um 11.27 Uhr MEZ. Das Unternehmen Renesys erklärte, das arabische Land sei «effektiv ohne Internet». Alle 84 IP-Adressblöcke Syriens seien nicht mehr erreichbar. Auch der Dienst der staatlichen Nachrichtenagentur Sana wurde unterbrochen.

Satellitenverbindungen funktionieren noch

Ein Oppositioneller sagte AFP aus der Nähe der Hauptstadt Damaskus, dass nur noch Satellitenverbindungen funktionieren würden. Andere Oppositionelle teilten mit, dass in weiten Teilen von Damaskus das Internet und andere Kommunikationswege gekappt worden seien. Auch in den Provinzen Homs und Hama im Zentrum des Landes sowie in Daraa und Suweida im Süden seien die Telefonnetze ausgefallen.

Die syrische Luftwaffe setzte ihre Angriffe auf Hochburgen des Widerstands fort. Bei einem Angriff auf die nördliche umkämpfte Metropole Aleppo wurden mindestens 15 Menschen getötet, darunter fünf Kinder und zwei Frauen, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Ein Kampfjet warf demnach zwei Bomben über der Stadt ab.

Hauptverbindungsstrasse zum Flughafen von Damaskus gesperrt

In der nordwestlichen Provinz Idlib griffen Aufständische die Militärbasis Wadi Deif an - einen der letzten Stützpunkte der Truppen von Präsident Baschar al-Assad in der Region. Die Armee habe darauf mit heftigem Beschuss reagiert, teilte die oppositionelle Beobachtungsstelle mit. Auch aus Deir Essor im Osten und Homs im Zentrum des Landes wurden schwere Kämpfe gemeldet. Im Süden von Damaskus schlugen mehrere Raketen ein.

Wegen schwerer Kämpfe wurde zudem die Hauptverbindungsstrasse zum Flughafen von Damaskus gesperrt. Die Vereinigten Arabischen Emirate strichen bereits ihre Verbindungen nach Damaskus. Auf der Strasse zum Flughafen wurden nach Angaben aus Wien zudem zwei österreichische UN-Soldaten angeschossen, jedoch nicht lebensgefährlich verletzt. Sie wollten von den Golan-Höhen nach Damaskus fahren, um nach Österreich zurückfliegen zu können, als ihr Konvoi angegriffen wurde.

Human Rights Watch kritisiert Aufständische

Die Organisation Human Rights Watch warf unterdessen den Aufständischen vor, Kinder für ihren Kampf zu nutzen. So müssten erst 14-jährige Jungen Wache halten und in den Kampf ziehen. Der Internationalen Kampagne für das Verbot von Landminen zufolge war Syriens Führung 2012 ausserdem die einzige Regierung, die Antipersonenminen legte. Spanien erkannte indes die syrische Opposition als legitime Vertretung des Volkes an.

rek/afp

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