Streaming: Schweizer Musiker profitieren wenig

Im Internet Musik hören ist derart beliebt geworden, dass die neue Technologie die gesamte Branche aus der Misere rettet. Dennoch profitieren die Künstler finanziell nicht. Schweizer Musiker haben es sogar doppelt schwer.

Mundartmusiker Trummer verdiente im Jahr 2015 von 17'000 Streams 108 Schweizer Franken.

Mundartmusiker Trummer verdiente im Jahr 2015 von 17'000 Streams 108 Schweizer Franken. Bild: Viktor Golikov/zvg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Digitalisierung schreitet schnell vorwärts. Zuerst verdrängte die Möglichkeit von Downloads das CD-Geschäft. Nun verdrängt die neue Technologie Streaming die Downloads. Zu verdanken ist dies auch den Smartphones, dank denen man rund um die Uhr online sein kann.

In den Vereinigten Staaten, bekannt als Vorreiterland in Sachen Musiktrends, ist der Streamingkonsum 2015 im Vergleich zum Vorjahr gar über 90 Prozent in die Höhe geschossen. Global haben sich die Einnahmen aus dem Streaming fast verdoppelt.

Auch in der Schweiz ist der Trend zu beobachten. Der Marktanteil des Streaminggeschäfts ist von 2012 bis 2015 von 1 Prozent auf knapp 20 Prozent des gesamten Musikmarkts gestiegen. Doch obwohl die Umsätze aus dem Streamingsegment stark wachsen, gehen die meisten Musiker praktisch leer aus. Auch in der Schweiz.

Mehr Musik, weniger Geld

Grund ist das Bezahlmodell. Das Bezahlmodell beim Streaming unterscheidet sich wesentlich von dem der Downloads und CD-Verkäufe. Weil die Abonnenten nicht pro abgespielten Titel bezahlen, sondern eine fixe Nutzungsgebühr pro Monat entrichten, verkleinert ein grösserer Musikkonsum die Einnahmen pro Stream. Generell gilt: Je mehr die Kunden Musik konsumieren, desto weniger pro abgespielten Titel verdienen die Interpreten.

Beim weltgrössten Streaminganbieter Spotify belaufen sich die Ausschüttungen an die Musikindustrie auf circa 70 Prozent der Gesamteinnahmen, also den Einnahmen aus Werbung und zahlenden Abonnenten. Bei den Konkurrenten wie Apple Music ist es ähnlich.

Seit dem Start im Jahr 2008 hat Spotify insgesamt fünf Milliarden US-Dollar an die Musikindustrie weitergegeben. In diesem Zeitraum ist die Zahl der aktiven Nutzer auf 100 Millionen gestiegen. 40 Prozent davon sind zahlende Premium­abonnenten. Konkurrent Apple Music zählt etwa die Hälfte an zahlenden Abonnenten.

Von den monatlichen Ausschüttungen werden die Künstler pro Land anteilsmässig bezahlt. Das heisst, wenn ein Künstler 1 Prozent des monatlichen Streaming-Volumens ausmacht, erhält er 1 Prozent aus den gesamten monatlichen Ausschüttungen für das jeweilige Land, so Spotify.

Der Löwenanteil dieser Einnahmen verteilt sich weltweit auf einen Bruchteil der Musikschaffenden, die Superstars.

Der Löwenanteil dieser Einnahmen verteilt sich weltweit auf einen Bruchteil der Musikschaffenden, die Superstars. Neben den aktuellen Grössen wie Adele oder Taylor Swift werden insbesondere auch Klassiker wieder vermehrt gehört – beispielsweise von den Beatles, den Rolling ­Stones oder Michael Jackson.

Dazu kommt, dass Streaminganbieter regelmässig eigens erstellte Musiklisten anbieten. Diese seien sehr international ausgerichtet, kritisiert Lorenz Haas, Geschäftsführer des Verbands der Musiklabels (IFPI Schweiz). Solche Musiklisten finden bei den Musikhörern starken Anklang, während Alben immer weniger abgespielt werden.

Schweizer Interpreten würden bei diesen Musiklisten allerdings wenig Beachtung finden. Der Heimmarkt sei für die grossen Streamingdienstleister zu klein dafür, Titel von Schweizer Künstlern zu berücksichtigen.

Nicht mal einen Rappen

Für weniger bekannte Künstler und Musiker ist das Geschäft mit dem Streaming daher wenig lu­krativ. Dies gilt besonders für ­solche, die nicht in den grossen Musikmärkten wie den USA, Grossbritannien oder Deutschland zu Hause sind.

Zum Beispiel verdiente der Berner Mundartmusiker Trummer im Jahr 2015 von 17'000 ­Streams 108 Schweizer Franken. Das macht durchschnittlich also 0,0064 Franken pro Stream. Für das gleiche Geld bräuchte es nur 120 Titeldownloads. Von den Einnahmen aus dem Streaming müssen Musiker mit einem Plattenvertrag zudem einen Anteil dem Musiklabel abgeben.

Wie viel effektiv an die Künstler ausbezahlt wird, hängt daher massgeblich davon ab, welche Vereinbarung einerseits zwischen der Plattenfirma und dem Streamingdienstleister und zum anderen zwischen Plattenfirma und Künstler getroffen wurde.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 09.01.2017, 10:47 Uhr

Artikel zum Thema

Spotifys neuste Masche

Dem Streaming-Dienst geht es finanziell lausig. Jetzt will er den Druck auf die Nutzer erhöhen. Und wendet sich von der ursprünglichen Idee ab. Mehr...

Umsatz der Schweizer Musiklabels 2015 erneut gesunken

Der Rückgang im traditionellen CD-Geschäft hat sich fortgesetzt. Aber auch im Digitalgeschäft wurden die etablierten Download-Angebote durch Streaming-Dienstleister unter Druck gesetzt. Mehr...

Kommentare

Blogs

Mamablog Tigerhai-Mama am Beckenrand

Geldblog Teilzeitarbeit wird zur Vorsorgefalle

Die Welt in Bildern

Baum fällt: Eine Frau geht an einem Baum vorbei, der während eines Sturms in Kiew umgeknickt ist. (16. August 2018)
(Bild: Valentyn Ogirenko) Mehr...