Spanien will bei Google kassieren

Nach Deutschland führt auch Spanien eine Google-Gebühr ein. Was dahinter steckt, auf was sie abzielt und wie die Chancen stehen, dass sie umgesetzt wird.

  • loading indicator
Jan Rothenberger@janro

Der Streit zwischen Google und europäischen Verlagen ist um ein Kapitel reicher. Das spanische Parlament will Google künftig zur Kasse bitten für das Zeigen von Links. Konkret geht es um das Anzeigen von kurzen Textauszügen in Suchresultaten. Suchmaschinen müssen Autoren und Herausgeber dafür entschädigen. Der Vorlagezum Sieg verholfen hat der konservative Partido Popular von Ministerpräsident Mariano Rajoy. Das Gesetz war von vielen Verlagen unterstützt worden. In Kraft treten soll die Reform kommendes Jahr.

Die Google-Gebühr ist Teil eines Gesetzespakets, das auch andere Regelungen in Bezug auf geistiges Eigentum vorsieht. So wurden auch die Geldbussen für das Anbieten illegaler Downloads kräftig erhöht, von bislang maximal 300'000 Euro auf 600'000 Euro.

Umstritten ist vor allem der Passus der «Google-Gebühr», die für Kritiker der Idee eines freien Internets zuwiderläuft. Pointierte Kritik kommt auch von Jeff Jarvis, Techjournalist und Autor des Buches «What Would Google Do?» Er kritisierte die spanische Politik für das Gesetz, das sich negativ auf die Wirtschaft des Landes und besonders der Medienunternehmen auswirken werde. Spanien werde zu einem «internetfeindlichen Gebiet». Google selbst zeigte sich gegenüber einer spanischen Nachrichtenagentur enttäuscht vom Urteil, sagte aber noch nichts dazu, wie man sich künftig verhalten wolle.

Fehlschlag in Deutschland

Die Google-Gebühr ist auch im übrigen Europa ein wiederkehrendes Politthema. In Deutschland ist mit dem «Leistungsschutzrecht für Presseverleger» seit März 2013 eine ähnliche Regelung in Kraft, die ebenfalls auf Google gemünzt ist. Im Kern dreht sich das umstrittene Leistungsschutzrecht um das Anzeigen sogenannter Snippets, von kurzen Textauszügen aus Artikeln. Diese nutzen zu dürfen, müssten sich Google und andere Suchmaschinen etwas kosten lassen, so die Idee des Gesetzes. Eine treibende Kraft hinter der Vorlage war das Lobbying des Springer-Verlegers Mathias Döpfner gewesen, der Google wiederholt scharf angriff und das Geschäftsmodell der Verlinkung mit Ladendiebstahl und Hehlerei verglich. Bislang scheiterte die deutsche Google-Gebühr aber am Widerstand der Suchmaschine. Diese entschied schlicht, lieber die Snippets wegzulassen, als dafür zu bezahlen.

Aus Angst um den Verlust der via die Suchmaschine kommenden Online-Leser ruderten die deutschen Verleger inzwischen zurück. Vergangene Woche lenkte der Grossteil von ihnen ein und gab Google eine vorläufige «Gratiseinwilligung» zur Snippetnutzung. Lediglich der Verlag Axel Springer (u.a. «Bild» und «Die Welt») besteht für einige seiner Publikationen nach wie vor auf einer Vergütung.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt