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Schulschwänzer am Internet-Pranger

In Frankreich können Eltern im Internet prüfen, ob ihre Kinder in der Schule waren und zu Hause die korrekten Prüfungsergebnisse mitgeteilt haben. Das ist auch in der Schweiz denkbar.

In Frankreich brechen für schlechte Schüler und Schulschwänzer schwere Zei­ten an. Per Internet können sich Eltern künftig über Noten und Fehltage ihrer Kinder informieren. 500 Schu­len bieten diesen Service bereits an. In den Online-Bereich gelangen Eltern via Passwort. In drei Jahren sollen alle weiterführenden Schulen in Frankreich über den Web-Service verfügen.

Auch in der Schweiz denkbar

Beat W. Zemp, Zentralpräsident des Dachverbandes Schweizer Lehrerinnen und Lehrer, kann sich ein solches Modell auch in der Schweiz vorstellen: «Die Eltern haben die Obhutspflicht. Wenn sie über das Internet kontrollieren wollen, welche Noten ihr Kind geschrieben hat, wäre ein passwortgeschützter Zugang denkbar.» Hier würden aber Fragen der Sicherheit eine wichtige Rolle spielen. Ebenso der Datenschutz, besonders bei mündigen Gymnasiasten.

Noten-Info per E-Mail

In der Schweiz gibt es laut Zemp bereits an einigen Schu­len interne Websites, die aber für die Schüler gedacht sind. Der Lehrer trägt die Noten ein, die der Jugendliche einsehen kann. Ziel ist, eine bessere Kontrolle darüber zu haben, ob Noten korrekt übertragen worden sind. Fehlstunden werden nicht aufgeführt.

Einige Eltern werden in der Schweiz per E-Mail auf den neusten Stand gebracht. «Wir haben an einigen Schulen ein sogenanntes Noten-Monitoring», sagt Gerhard Pfister, Präsident des Verbandes Schweizer Privatschulen. «Eltern erhalten auf Wunsch jede Woche ein automatisch generiertes Informationsmail mit dem aktuellen Notenstand.» Eine Web-Kontrolle der Absenzen geht Pfister zu weit. «Da stellt man die Schüler unter einen Generalverdacht.»

«Arbeiten nicht in einer Strafanstalt»

«Nicht sonderlich klug» findet Ralf Margreiter, Leiter Ressort Jugend beim Kaufmännischen Verband der Schweiz, die Idee einer Online-Kontrolle für Eltern. «Sie fördert nur das Kontrolldenken. Wir arbeiten in einem pädagogischen Umfeld, nicht in einer Strafanstalt.» Interessant seien nicht die Absenzen selbst, sondern die Gründe dafür.

Unterschrift einfordern

Eltern sollten ohne Online-Kontrolle interessiert sein, ob ihr Kind in der Schule war, Lehrer müssten mit ihnen das Gespräch suchen. «Es gibt Absenzhefte. Die Lehrer sind hier auch angehalten, die Unterschrift der Eltern einzufordern.»

Margreiter sieht in der Online-Abfrage von Noten und Absenzen auch keinen vorbeugenden Charakter: «Prävention durch Abschreckung funktioniert nicht. Es sollte uns darum gehen, Schüler gut auszubilden und nicht ein Klima der Kontrolle zu schaffen.»

Er geht davon aus, dass es nicht lange dauern würde, bis Schüler Noten- und Absenzen-Websites hacken und manipulieren würden.

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