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Mamis Millionenbaby

Der 26-jährige David Karp hat weder einen Highschool- noch einen College-Abschluss. Seine Mutter nahm den Tumblr-Chef von der Schule. Nun ist er 275 Millionen Dollar reicher.

Ein Nerd, wie er im Buche steht: David Karp. (20. Mai 2013)
Ein Nerd, wie er im Buche steht: David Karp. (20. Mai 2013)
Andrew Kelly, Keystone
Der 26-jährige New Yorker gründete 2007 die Blog-Plattform Tumblr. (2. Februar 2012)
Der 26-jährige New Yorker gründete 2007 die Blog-Plattform Tumblr. (2. Februar 2012)
Don Emmert, AFP
Marissa Mayer ist das Rampenlicht gewöhnt, Karp muss sich noch dran gewöhnen. (20. Mai 2013)
Marissa Mayer ist das Rampenlicht gewöhnt, Karp muss sich noch dran gewöhnen. (20. Mai 2013)
Adrees Latif, AFP
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«Popularität», schreibt das renommierte Onlinemagazin «Wired», «war noch nie das Problem von Yahoo.» Hingegen habe Yahoo es nie geschafft, aus Beliebtheit Profit zu schlagen. Yahoo habe dies in der Vergangenheit mit geradezu beispielloser Regelmässigkeit bewiesen, dann nämlich, wenn es auf Einkaufstour ging: Trotz der Übernahme von sieben Unternehmen, darunter Broadcast.com und Geocities, habe Yahoo die Metamorphose vom Internet-Dinosaurier zum IT-Highflyer nie vollzogen.

Gelingt dies dem Unternehmen nun im achten Versuch – mit dem Milliardenkauf der Blogplattform Tumblr (Redaktion Tamedia berichtete)?

Branchenkenner werten die Worte von Marissa Mayer nach der Verkündigung des jüngsten Mergers am Montag als Wink mit dem Zaunpfahl an die Internetgemeinde. «Wir versprechen, es nicht zu versauen», schrieb die Yahoo-Chefin im Tumblr-Blog. Tumblr-Gründer David Karp, versicherte die ehemalige Google-Managerin, bleibe Hauptverantwortlicher. Um alle Zweifel auszuräumen, fügte dieser an: «Unsere Mannschaft ändert sich nicht. Unser Plan ändert sich nicht. Und unsere Mission – Kreativen zu ihren besten Arbeiten verhelfen und ihnen ein Publikum verschaffen, das sie verdienen – wird sich ganz sicher nicht ändern.»

«David brauchte Platz»

Mayer tut gut daran, nicht in die in den sechs Jahren ihres Bestehens entwickelte Eigendynamik der Blog-Plattform einzugreifen. Eine Entwicklung, die selbst in der IT-Industrie als dynamischste aller Wirtschaftsbranchen ihresgleichen sucht, und zwar von der Zeit der Gründung bis zum Verkauf an Yahoo.

Wie die «New York Times» berichtet, war der New Yorker Karp ein guter Schüler, aber todunglücklich. Seine Passion sei schon als 14-Jähriger der Computer gewesen.

Der Tag gehörte der Schule, die Nacht dem Rechner. Jede andere Mutter hätte interveniert und ihr Kind daran erinnert, wie wichtig der Unterricht sei. Nicht aber Barbara Ackerman, selber Pädagogin. Sie ermunterte ihren Sohn, die Schule aufzugeben und sich zu Hause unterrichten zu lassen: «Es war eindeutig, dass David Platz brauchte, um seine Leidenschaft auszuleben: Computer – und alles was damit zusammenhängt.» Schon bald bastelte David Karp Websites für diverse Unternehmen und verstellte am Telefon seine Stimme, um nicht als minderjähriger Entrepreneur aufzufliegen.

Extrovertiert? Introvertiert?

Einer der ersten Investoren, der das Potenzial des Programmiergenies Karp entdeckte, war Bijan Sabet von Spark Capital. Er erinnert sich. «Bei meinem ersten Treffen mit David war er 20, trug Turnschuhe und Jeans», so Sabet gegenüber der «New York Times». «Aber ich wusste: Er war einer dieser seltenen Unternehmer, die mit dem Web gross geworden sind, die eine Idee haben, sie nach ihren Vorstellungen entwickeln und über Nacht loslegen.»

Anders als etwa Larry Page, Sergey Brin oder auch der Übervater aller Turnschuh- und Hoodie-Millionäre, Facebook-Chef Mark Zuckerberg, beschränkt sich Karps Bescheidenheit auf die eigenen vier Wände, welche US-Medienberichten zufolge äusserst spartanisch eingerichtet sein sollen. Gegen aussen indes mag es der mit der Psychologie-Studentin Rachel Eakley liierte Karp durchaus laut: Er gilt als Partytiger mit einem geradezu «unstillbaren Verlangen nach Ruhm» («New York Times»). Anderseits sagt Vespafahrer und Teetrinker Karp von sich, dass er am liebsten frühmorgens im Büro erscheint, um ungestört arbeiten zu können.

Keine Werbung – bis 2012

Scheint so, als ob das neue alte Internet-Wunderkind allergisch auf Fremd- oder sogar nur Mitbestimmung reagiert. Was erklären mag, warum sich Tumblr jahrelang der gewichtigsten finanziellen Einnahmequelle verschloss: Werbung. Bis 2012 weigerte sich Karp, auf seiner Plattform Inserate platzieren zu lassen.

Bei dem Gedanken an Werbung werde ihm schlecht («It really turns our stomache»), sagte er vor drei Jahren der «Los Angeles Times». Um Werbeeinnahmen muss sich Karp vorerst keine Sorgen mehr machen.

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