Facebook krallt sich den mobilen Medienmarkt

Facebook macht das mobile Internet schneller und schafft eine neue Einnahmequelle für Medienhäuser und Blogger. Doch die Abhängigkeit wird grösser.

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Letzte Woche hat Facebook an der Entwicklerkonferenz F8 die Instant Articles freigegeben. Diese Funktion wird seit knapp einem Jahr von diversen Medienhäusern wie dem «Spiegel» und «The Guardian» getestet. Seit letzter Woche steht sie allen Anbietern von Online-Inhalten offen: den grossen Medienhäusern genauso wie den kleinen Bloggern.

Die Instant Articles stehen in den Apps für Android und das iPhone zur Verfügung, und lösen ein gravierendes Problem der mobilen News: Die Ladezeiten sind manchmal so lange, dass Nutzer die Geduld verlieren und weiterscrollen, noch bevor sie den gewünschten Inhalt überhaupt zu Gesicht bekommen haben. 40 Sekunden dauert es, bis eine Nachrichtenseite durchschnittlicher Grösse angezeigt wird, wenn nur eine langsame Edge-Verbindung zur Verfügung steht. So ergab es die Zeitmessung des Fachmagazins «Heise».

Zur Beschleunigung werden Instant Articles direkt von Facebooks Servern geladen – was selbst auf alten Geräten innert Sekundenbruchteilen möglich ist. Die Gefahr, dass Leser abspringen, ist geringer. Der Produktmanager Josh Roberts hat an der Facebook-Entwicklerkonferenz gesagt, Instant Articles würden 20 Prozent öfter zu Ende geladen und 30 Prozent häufiger geteilt.

Facebook ermöglicht Bloggern und Medienhäusern, ihre eigene Werbung in den Instant Articles zu schalten oder dort Werbung von Facebooks Werbeplattform Audience Network anzeigen zu lassen. Im ersten Fall erhält der Publisher die gesamten Einnahmen, im zweiten Fall nimmt Facebook einen Anteil von 30 Prozent.

Ein Wettbewerbsvorteil

Mehr Tempo und eine einfache Monetarisierung: Das ist ein klarer Wettbewerbsvorteil. Trotzdem gibt es Kritik: Facebooks dominante Rolle werde verstärkt, wenn die Plattform auch noch einen Teil der Nachrichten direkt ausliefert, kritisierte das «Fortune»-Magazin und weist darauf hin, dass Facebook in der Vergangenheit auch schon Inhalte gelöscht habe.

Katharina Kleinen-von Königslöw vom Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Uni Zürich stellt fest, dass sich ein wachsender Teil der Bevölkerung bevorzugt über Facebook informiert, und kommt zum Schluss, dass «die traditionellen Medienhäuser gar keine Wahl haben, als mitzumachen, wenn sie nicht Ansehen bei und Kontakt mit dieser Zielgruppe ganz verlieren wollen.»

Die zusätzlichen Chancen auf Monetarisierung würden sie sich mit einem Reichweitenverlust auf der eigenen Website erkaufen, da die Nutzer auf Facebook bleiben und nicht weiterstöbern würden. Die Assistenzprofessorin für politische Kommunikation ortet auch eine «extreme Abhängigkeit von einem Monopolisten, der die Nutzungsbedingungen und die Möglichkeiten der Monetarisierung nach eigenem Gutdünken ändern kann.»

Einkommensquelle für Blogger?

Für die Blogger fällt diese Abhängigkeit weniger ins Gewicht. Und sie haben bei Facebook die Chance, mit einzelnen, viralen Beiträgen höhere Reichweite zu erzielen, als das ohne Facebooks Verstärkerfunktion möglich wäre.

«Davon können die Blogger jetzt durch Instant Articles auch monetär profitieren, wenn sie sich darum kümmern», sagt Katharina Kleinen-von Königslöw.

Der Einrichtungsaufwand für Blogger hält sich in Grenzen: Sie benötigen eine eigene Facebook-Seite, die sie für die Instant Articles anmelden. Die Übernahme der Beiträge aus dem Blog ist je nach Konstellation sogar vollautomatisch möglich – da mitzumachen, ist verlockend.

Bei einer kleinen Umfrage (natürlich auf Facebook) haben mehrere Schweizer Blogger die Absicht bekundet, die Instant Articles zu nutzen. So wartet Kevin Kyburz noch auf seine Freigabe: «Ich denke, dass Facebook diese Beiträge pushen wird – und sie laden halt wirklich schnell», sagt Kyburz. Den Kontrollverlust fürchtet er nicht: «Wenn es mir stinkt oder Facebook plötzlich Geld verlangt, schalte ich sie halt wieder ab.»

Ähnlich beurteilt es Tech-Blogger Jean-Claude Frick: «Kontrolle habe ich über den Inhalt, den ich veröffentliche – das reicht mir erst einmal.» Von der Monetarisierung versprechen sich beide Blogger, wenigstens für sich selber, nichts: «Ich bin einfach kein Fan von nerviger Werbung!» sagt Kyburz.

Google setzt auf eine offene Lösung

Das mobile Web beschleunigen – das will auch Google. Der Suchmaschinenriese hat dazu das Accelerated-Mobile-Pages-Projekt gestartet. Der Ansatz ist hier, alles wegzulassen, was für die Anzeige am Mobilgerät nicht unbedingt nötig ist. Durch diese drastische Abmagerungskur sollen Seiten ebenfalls mit minimaler Verzögerung laden. Anders als Facebook setzt Google auf eine offene Lösung. Die Software ist Open Source und kann von den Nutzern auf ihren eigenen Servern eingesetzt werden. Trotzdem, so scheint es, ist für viele Facebooks geschlossene Lösung wegen des versprochenen Multiplikator-Effekts vielversprechender. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.04.2016, 14:34 Uhr

3400 Franken in sechs Jahren

Was vor 7 Jahren als technische Spielerei begann, ist seit fünf Jahren zu einer intensiven Freizeitbeschäftigung geworden: Auf Clickomania.ch blogge ich über die Dinge, die für die Zeitung zu exotisch, zu wenig ausgegoren oder zu sperrig sind. Und nebenbei hat mich die Frage interessiert, ob sich mit Bloggen auch Geld verdienen lässt. Die Erfahrungen sind ernüchternd:

Werbung. Adsense ist Googles Werbeplattform. Sie platziert Banner anhand der Themen im Blog und der Vorlieben der Besucher. Adsense lässt sich einfach auf der eigenen Website einbauen. Man definiert die Grösse und Art der Banner und platziert die entsprechenden Code-Schnipsel.

In meinem Blog läuft Adsense seit 6 Jahren und hat in der Zeit knapp 3400 Franken eingebracht – mit 1,4 Millionen Seiten- bzw. 2,1 Millionen Banneraufrufen und 2500 Klicks auf die Werbung. Es fällt auf: Die Einnahmen schwanken stark und sind überhaupt nicht zu prognostizieren. Und sie sind, verglichen mit dem Aufwand, niedrig: Wenn ich den über den Daumen gepeilten Zeitaufwand fürs Schreiben und Produzieren gegenrechne, ergibt sich ein Stundenlohn von etwa 2 Franken.

Noch betrüblicher sind die Einnahmen bei Youtube: 22 Dollar «Lohn» bekomme ich in zwei Jahren für 36’700 Videoaufrufe.

Affiliate-Links. Als Blogger kann man an Partnerprogrammen teilnehmen. Man erhält eine Provision an den Verkaufsumsätzen, wenn man Webshops über seinen Blog Kunden zuführt. Ich beteilige mich seit ungefähr einem Jahr an den Affiliate-Programmen von Amazon und dem Apple-iTunes-Store. Fazit hier: Einnahmen von 11,57 Euro bei Amazon für einen Umsatz von 223 Euro. Apple beteiligt mich mit 3,03 Euro an einem Umsatz von 43,20 Euro (für 1254 Klicks und 45 verkaufte Apps). Einsicht: Wenn man nennenswerte Beträge erzielen will, muss man teure Produkte wohlwollend besprechen. In meinem Fall ein klarer Zielkonflikt mit dem Anliegen meines Blogs.

Bezahlinhalte. Als Blogger erhält man immer wieder Angebote, Inhalte gegen Bezahlung in seinem Blog zu platzieren. Die übernimmt man entweder fixfertig oder schreibt sie selbst gemäss den Vorgaben. Man kann solche Auftragsarbeiten deklarieren oder – was den Auftraggebern in aller Regel lieber ist – ohne entsprechenden Hinweis publizieren. Dafür gibt es auch mal 150 bis 200 Euro. Eindeutig die aussichtsreichste Methode zum Geldverdienen. Nur schade, dass sie aus ethischer Sicht absolut tabu ist.

Fazit: Als Blogger im deutschen Sprachraum muss man sich auf die populären Themen stürzen und mit allen Mitteln Klicks bolzen. Oder man begnügt sich damit, seine öffentliche Mission als Hobbypublizist zu verfolgen. Da wundert es nicht, dass die Hälfte der Blogger über Apple schreibt... (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

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