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«Er klickt jedes verdammte Pop-up an»

Das Bundesgericht hat entschieden, dass sich auch Internetnutzer dem Konsum von harter Pornografie strafbar machen, wenn sich entsprechende Dateien im Internet-Cache befinden. Das sorgt bei den Lesern für eine lebhafte Debatte.

«Über Pop-ups ungewollt auf Kinderporno-Seiten»: Polizeiaktion gegen Kinderpornografie in Genf (2002).
«Über Pop-ups ungewollt auf Kinderporno-Seiten»: Polizeiaktion gegen Kinderpornografie in Genf (2002).
Keystone

Laut den Lausanner Richtern kann man bereits dann wegen Besitzes von harter Pornografie verurteilt werden, wenn man nach dem Surfen im Netz die temporären Internetdateien nicht löscht, obwohl der Konsum solcher Bilder und Videos in der Schweiz erlaubt ist.

Das sorgt bei vielen Lesern für Kopfschütteln: «Wer zufällig auf so einer Seite landet, hat die Thumbnails etc. in seinem Cache. Also ist er des Besitzes von harter Pornografie schuldig», schreibt Philipp Imhof. Gerade dies könne doch nicht die Intention des Gesetzgebers gewesen sein.

«Ungewollt auf Pornoseite»

Hans Hartmann ergänzt, dass sich im Cache keine absichtlich gespeicherte Datei befinde: «Niemand, der von Computern eine Ahnung hat, verwendet den Internet-Cache zum Speichern von Dateien.» Konstanze Böhringer erwähnt in der Cache-Debatte ihren Schwiegervater, der wohl mit dem Urteil auch ungewollt ins Fadenkreuz der Justiz geraten könnte: «Er klickt jedes verdammte Pop-up an – egal, um was es geht. Ich habe ihm schon tausendmal gesagt, er soll das lassen, aber er kapiert es nicht. Und genau über solche Pop-ups kommt man manchmal ungewollt auf Kinderporno-Seiten.»

Im Browser immer den «Cache löschen»

Stefan Steiner ist hingegen der Meinungen, dass es keinen «vernünftigen Grund gibt, den Cache mit dem Schliessen des Browsers nicht zu löschen». Hans Meier zweifelt, dass das Löschen überhaupt nützt: «Die Daten sind physikalisch noch auf der Festplatte vorhanden und können mit wenig Aufwand wieder sichtbar gemacht werden.» Dies müsse gemäss der Bundesgerichtsbegründung genau gleich hart bestraft werden.

Um Dateien unwiderruflich zu löschen, müsste laut Hans Hartmann ein riesiger Aufwand betrieben werden. «Das ist aber nicht jedermanns Sache. Ich habe es einmal gemacht, als ich eine Festplatte mit 1,5 Gigabyte wegen eines Defekts retourniert habe. Die Löschung dauerte 48 Stunden – mit voller Leistung eines 3GHz-Core2Duo-Prozessors. Das kann von niemandem verlangt werden.»

Kinderpornografie-Konsum legal: «Null Verständnis dafür»

Einige Nutzer wundern sich indessen, dass der Konsum von Kinderpornografie in der Schweiz überhaupt legal ist. James Lehmann findet, dass man «jedweden Konsum verbieten» soll. Auch Marco Bollmann hat «null Verständnis dafür», dass dies erlaubt ist. Lukas Mosimann wartet nun auf das nächste Bundesgerichtsurteil, welches «die Benutzer definiert, die über entsprechende Kenntnis verfügen…». Hier gibt ein anderer Nutzer aber wieder zu bedenken, dass man wie in oben erwähnten Beispielen eben ungewollt auf solche Seiten gelangen könne. Genau aus diesem Grund sei der Konsum legal.

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