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Dieser Mann soll Google einer Frischkur unterziehen

Morgen tritt Larry Page sein neues Amt als Geschäftsführer von Google an. Der Internetkonzern soll unter ihm wieder hungriger auf Erfolge werden. Dabei könnte Page viel von Steve Jobs und Bill Gates lernen.

Soll Google in die Zukunft führen: Mitbegründer Larry Page.
Soll Google in die Zukunft führen: Mitbegründer Larry Page.
Keystone

Google-Mitbegründer Larry Page hat immer die Kontrolle über sein Schicksal und sein Vermächtnis behalten wollen. Seit er eine Biografie Nikola Teslas gelesen hat – ein genialer Erfinder, der zeit seines Lebens kaum Anerkennung für seine Leistungen erhielt – wusste Page: Das soll ihm nicht passieren. So stürzte er sich nach der Gründung von Google auf die Chance, als Geschäftsführer die Fäden in die Hand zu nehmen. 2001 musste er den Posten aber räumen. Nun, zehn Jahre später, erklimmt er morgen erneut den Chefsessel.

Dann muss Page beweisen, dass seine unnahbare und rebellische Art und seine Leidenschaft für exzentrische Visionen Googles Investoren nicht vergraulen. Viele trauen dem Stanford-Absolventen Page die notwendige Vorstellungskraft, Leidenschaft und Intelligenz zu, die ein Konzernlenker braucht, um die Herausforderungen durch junge aufstrebende Konkurrenten und wachsamere Kontrollbehörden zu meistern.

Kritiker zweifeln an Pages Managerfähigkeiten

In der Vergangenheit haben sich Investoren daran gewöhnt, dass Google zuverlässig seine Gewinnziele überbietet. Nun sorgen sie sich allerdings, dass unter Page mehr Ressourcen in langfristige Projekte gesteckt werden könnten, die sich erst nach Jahren auszahlen. Viele sind sich ausserdem nicht sicher, ob Page in der Praxis die notwendigen Managementfähigkeiten hat, um das mächtigste Internetunternehmen der Welt zu steuern.

Dass er sich nicht allein auf seine Intelligenz verlassen kann, hat Page bereits in den drei Jahren nach der Gründung von Google 1998 gelernt, in denen er als Geschäftsführer des damaligen Startups fungierte. Obwohl er die ersten Investoren mit seiner Genialität beeindrucken konnte, musste er auf ihr Betreiben hin 2001 den Chefsessel für einen erfahrenen Manager räumen. An seiner Stelle übernahm Veteran Eric Schmidt die Geschäftsführung. Der ist seit den 80er Jahren im Silicon Valley aktiv - einer Zeit, zu der Page noch die Schulbank drückte.

Reifer nach zehn Jahren in der zweiten Reihe

Pages Fürsprecher sagen, dass er mit mittlerweile 38 Jahren gereift sei und Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen werde. Er werde nicht in alte Verhaltensmuster zurückfallen, wie regelmässiges Zuspätkommen zu Meetings und sich aus Gesprächen auszuklinken, die ihn nicht interessieren.

«Einige Aufgabenbereiche eines Geschäftsführers widerstreben Larrys Persönlichkeit», sagt Craig Silverstein, der erste Mitarbeiter, den Page und Google-Mitbegründer Sergey Brin einstellten. «Als Geschäftsführer hat man eine Menge verschiedener Hüte auf. Einige davon sind für Larry sehr interessant, andere wahrscheinlich weniger.»

In seiner üblichen wortkargen Art äusserte sich Page seit der Bekanntgabe seines Postenwechsels im Januar öffentlich kaum zu seinen Vorhaben. Eine Interviewanfrage wurde abgelehnt. Allerdings machte Page klar, dass er die Bürokratie und die Selbstzufriedenheit, die mit dem Wachstum zu einem Industriegiganten des 21. Jahrhunderts einherging, abstellen will. Es wird erwartet, dass Google das Jahr mit über 30'0000 Beschäftigten und über 35 Milliarden Dollar (24,5 Milliarden Euro) Gewinn abschliessen wird.

Denkweise eines Jungunternehmens wieder einführen

Nach Pages Überzeugung muss das 13 Jahre alte Unternehmen wieder wie ein quirliges Jungunternehmen denken und handeln. Neue Internetunternehmen wie Facebook, Twitter und Groupon entwickeln Produkte, die Googles Dominanz auf dem Markt der Internetsuche weniger lukrativ machen könnten.

Page wurde schon öfter mit zwei anderen Computer-Legenden verglichen: Microsoft-Mitbegründer Bill Gates und Apple-Mitbegründer Steve Jobs. Wie diese beiden Technologiepioniere hat Page ein Produkt entwickelt, das die Welt verändert hat.

Gates und Jobs machten Investoren glücklich

Allerdings muss Page sich noch in einer Disziplin beweisen, in der Gates und Jobs geglänzt haben: Als Geschäftsführer haben sie das Beste aus den von ihnen gegründeten Firmen herausgeholt und ihre Investoren glücklich gemacht.

Nach einem Jahrzehnt als Schmidts Lehrling sei Page auf seine neuen Aufgaben vorbereitet, sagt Douglas Merril, der bis zu seinem Ausscheiden bei Google 2008 als Vize-Chef der Technikentwicklung mit beiden zusammengearbeitete. «Larry ist gewachsen.» Er habe gelernt, wie man Projekte erfolgreich umsetze und wie man sicherstelle, dass Dinge rechtzeitig und ordentlich erledigt werden, sagt Merril.

dapd/miw

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