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Das etwas andere Facebook

Mit 500 Euro gegen das Vergessen: Wer will, kann sich auf der Seite des ehemaligen «Focus»-Chefs Helmut Markwort ein Profil zulegen, das ihm zumindest im Internet Unsterblichkeit verleiht.

«Gründen als Hobby»: Helmut Markwort will Internetnutzer selbstbestimmt entscheiden lassen, wie sie im Gedächtnis der Internetgemeinde bleiben wollen.
«Gründen als Hobby»: Helmut Markwort will Internetnutzer selbstbestimmt entscheiden lassen, wie sie im Gedächtnis der Internetgemeinde bleiben wollen.
Keystone

Mit dem «Focus» machte er einst die Medienlandschaft in Deutschland bunter, nun will Helmut Markwort auch das World Wide Web um eine neue Idee bereichern: In einem freundlichen, hellen Blau kommt Markworts Internetportal www.stayalive.com daher, das jetzt online ist.

Wer will, kann sich auf der Seite ein Profil zulegen, das ihn nach dem Tod zumindest im Internet Unsterblichkeit verleihen soll. Er möge den Begriff zwar nicht, sagt Markwort, aber letztlich treffe das doch am besten: Stayalive sei ein «Facebook für Tote». Doch während sich in dem sozialen Netzwerk kostenlos Cliquen bilden, ist Markworts stayalive.com nicht umsonst.

Kein Konfrontation mit dem Verlag

Nach seinem Ausscheiden als Chefredaktor beim «Focus»-Magazin aus dem Hause Burda ist es dem 73-Jährigen Markwort ein besonders Anliegen, darauf hinzuweisen, dass er mit stayalive.com nicht etwa in Konfrontation zu seinem Verlag gehen wolle.

Er habe sich einfach von dem Internetunternehmer Matthias Krage davon überzeugen lassen, dass die Seite eine «grossartige und komplette Idee» sei. Ausserdem mache er mit, «weil Gründen mein Hobby ist». Mit einem Sechstel der Anteile ist der Journalist bei Stayalive beteiligt, viel Einfluss auf die Gestaltung der Seite nahm er nicht.

Netzwerk über den Tod hinaus

Sie hätten kein weiteres Trauerportal, sondern etwas vollkommen Neues entwickelt, sagen Krage und Markwort. Statt Hinterbliebenen einen Platz für Traueranzeigen zu bieten, gehe es darum, dass Internetnutzer selbstbestimmt entscheiden können, wie sie im Gedächtnis der Internetgemeinde bleiben wollen.

Wer sich bei stayalive anmeldet, kann dort Fotos einstellen, aber auch Dokumente wie etwa Zeugnisse. Auch gibt es eine virtuelle Karte, in der der eigene Friedhof eingetragen und etwa mit den Friedhöfen von verstorbenen Verwandten verknüpft werden kann. Verknüpfungen mit Freunden sind auch möglich - ein soziales Netzwerk über den Tod hinaus also. Und das Profil kann vererbt werden, damit auch wirklich der Fortbestand weit über den Tod hinaus gewährleistet bleibt. Ausserdem kann auch für bereits Verstorbene - etwa die Grosseltern - ein Profil angelegt werden. Und auch für Tiere.

Portal ohne Werbung

Damit kein Schindluder betrieben wird - also etwa Schüler ihren Physiklehrer in den virtuellen Tod verabschieden - gibt es bei stayalive eine Reihe von Sicherheitsvorkehrungen. Im Wesentlichen funktionieren diese dadurch, dass Nutzer eine Handynummer hinterlegen und auch Kontodaten für das Bezahlen. Denn weil sie Werbung auf der Seite geschmacklos fänden, hätten sie darauf verzichtet, sagt Krage. Die Preise für das kostenpflichtige Profil hängen stark davon ab, wie lange es online stehen soll. 19,90 Euro kostet es für ein Jahr, 99,90 Euro für zehn Jahre. Die Unsterblichkeit - also ein nach dem Versprechen der Firma ewig bestehendes Profil - kostet 499,90 Euro.

Markwort und Krage machen keine Angaben dazu, wieviele Nutzer sie zum Überleben ihres Internetprojekts brauchen. Eine für den Erfolg der Seite wohl nicht ganz unwesentliche Frage warf am Rande der Vorstellung ein älterer Herr auf: «Wieso soll ich als älterer Surfer Zeit und Geld für den Tod aufwenden, wo ich mich damit doch noch gar nicht befassen will?» Doch wenn viele Senioren schon nicht an den Tod denken wollen, wie soll dann erst die junge Generation beim «Facebook für Tote» für sich den «Gefällt mir»-Button entdecken?

AFP/rek

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