born.swiss gibt es nicht

Nun werden die ersten Internetadressen mit der neuen Endung .swiss registriert. Längst nicht alle Interessenten kriegen aber solche Adressen.

Hübsch sähe sie aus, die .swiss-Adresse. Doch leider wird wohl nichts daraus.

Hübsch sähe sie aus, die .swiss-Adresse. Doch leider wird wohl nichts daraus.

Mathias Born@thisss

Damals, in der Frühzeit des Internets, zog ich den Kürzeren: Born.ch war weg. Die mir bis dahin unbekannte Berner Firma Born Informatik hatte meine Wunschadresse bereits registriert. Ich musste daraufhin auf eine andere Domain ausweichen.

Doch nun wittere ich eine zweite Chance – nicht weil Born Informatik kürzlich an die Firma Adesso verkauft wurde, sondern weil mit .swiss eine neue Toplevel-Domain eingeführt wird. Am Montag werden die ersten Adressen vergeben. Es ist also Zeit, mich über die Mietmodalitäten für Born.swiss kundig zu machen.

Nur mit Segen des Bundes ...

Der anfängliche Enthusiasmus verfliegt rasch: Offenbar sind mir schon viele zuvorgekommen. Bereits im Vorfeld seien über tausend Anträge für Adressen mit der .swiss-Endung eingegangen, schreibt Switchplus in einer Medienmitteilung. Der kommerzielle Hosting-Ableger der Stiftung Switch nimmt Anträge entgegen und prüft sie auf ihre Vollständigkeit. Dann leitet er sie ans Bundesamt für Kommunikation zur Bewertung weiter. Bloss wer diese Prüfung besteht, erhält eine Adresse mit der neuen Endung. Nebst Switchplus bieten einige weitere Hosting-Unternehmen .swiss-Adressen an, aus der Schweiz vorerst aber lediglich Hostpoint und iNic.

Das staatliche Bewilligungsprozedere ist ziemlich aussergewöhnlich, konnten die meisten Internetadressen doch bislang ohne Detailprüfung innert Minuten reserviert werden. Jede Organisation, Firma oder Privatperson kann sich etwa eine .ch-Adresse sichern. Ein Bezug zur Schweiz ist dazu nicht nötig. Dasselbe gilt oft auch umgekehrt: Berner können zum Beispiel problemlos eine belgische .be-Domain reservieren. Und wer einen Internetfernsehkanal eröffnen will, dürfte Interesse an einer .tv-Adresse des Inselstaats Tuvalu im Pazifik haben.

Will das Bundesamt mit dem umständlichen Prozedere dem florierenden Handel mit massenweise registrierten Adressen Einhalt gebieten? Ja, das auch. Hauptgrund ist aber, dass .swiss-Domains «der schweizerischen Community, dem Image sowie den politischen, wirtschaftlichen, rechtlichen und kulturellen Interessen des Landes dienen und diese weltweit fördern» sollen. So steht es in der Verordnung über Internet-Domains der Eidgenossenschaft und so wird es auf der Website zu .swiss des Bakoms erklärt. Mit der neuen Domain-Endung soll also im Internet eine Nische entstehen, in der sich nur Schweizer Firmen und Organisationen präsentieren dürfen und in der Schweizer Produkte ausgestellt werden.

In der ersten Registrierungsphase werden prioritär Anträge von Firmen geprüft, die sich im Trademark Clearinghouse der Domainverwaltungsorganisation Internet Corporation for Assigned Names and Numbers eingetragen haben. Auch Gemeinden, Kantone und Zweckverbände können sich bewerben. Alle anderen Interessenten hingegen müssen bis mindestens zum 11. Januar 2016 zuwarten.

... und zum happigen Preis

Ich brauche mich also nicht zu beeilen. Zudem sind die Chancen, als Privatperson eine .swiss-Adresse zugesprochen zu erhalten, sowieso extrem klein. Auch zögere ich immer stärker, ob ich überhaupt eine will. Denn der Preis ist abschreckend hoch: Während man eine .ch-Domain ab 9 Franken pro Jahr kriegt, verrechnet Switchplus für eine .swiss-Adresse 120 Franken. Eine Investition, die sich wohl nur für Firmen und Organisationen lohnt.

Allzu schlimm ist dies für Privatpersonen indes nicht. Die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers hat die Adressknappheit in der letzten Zeit mit zahlreichen zusätzlichen Endungen entschärft und will in den nächsten Jahren 1300 Möglichkeiten nachlegen. Vielleicht schnappe ich mir dann Born.bio, Born.media, Born.news oder gar Born.guru.

Berner Zeitung

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