«Nie aus Gwunder auf die E-Mail klicken»

Was tun, wenn der Computer gehackt wurde? Und warum blieb die Schweiz vom jüngsten Cyberangriff verschont? Ein Sicherheitsexperte des Bundes gibt Auskunft.

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Die Schweiz ist vom gross angelegten internationalen Cyberangriff durch die Ransomware «WannaCry» nicht getroffen worden. Grössere Probleme seien bei keiner kritischen Infrastruktur aufgetreten, sagt Pascal Lamia, Leiter der Schweizer Melde- und Analysestelle Informationssicherung (Melani), zu Bernerzeitung.ch/Newsnet. Man habe am Freitag gegen 16 Uhr die Betreiber über die mögliche Gefahr eines erpresserischen Cyberangriffs informiert. Zu den kontaktierten Stellen gehörten etwa Energieunternehmen, Banken oder Spitäler. Obwohl bis heute Morgen keine Ausfälle gemeldet worden seien, ist es möglich, dass einzelne Geräte betroffen sind.

Doch wieso blieb die Schweiz verschont? Lamia mutmasst, dass dies mit der hohen Sensibilisierung zusammenhängen könnte. IT-Security werde in der Schweiz oft thematisiert. Zudem habe die Schweiz mit Melani ein landesweites Sicherheitssystem, durch das kritische Infrastrukturen etwa bei Energieunternehmen, Banken, Transportfirmen, Flughäfen, Spitälern oder der Bundesverwaltung in kürzester Zeit über Gefahren gewarnt werden können. Diese Organisationen regeln ihre IT-Sicherheit jeweils selber. Jede Firma ist für ihren eigenen Schutz verantwortlich. Welche Priorität der IT-Sicherheit beigemessen werde, hänge vom Budget ab, erklärt der Melani-Leiter.

Automatisierte Updates, kein Gwunder

Zum Hack kam es aufgrund einer Sicherheitslücke im Betriebssystem von Windows. Diese hatte die NSA genutzt, um sich Zugriff auf Computer zu verschaffen. Wikileaks hat die Lücke Mitte März publik gemacht, Microsoft reagierte am 14. März mit einem Betriebssystem-Update, durch das die Lücke wieder geschlossen werden kann. Vom Hack betroffen sind somit alle Computer, die dieses Update nicht gemacht haben. Bei KMU ist gemäss Lamia die Gefahr am grössten. Denn selten hätten diese automatisierte System- und Softwareupdates installiert. «Die kriminellen Organisationen werden immer schneller», warnt der Experte. Das Aktivieren von automatisierten Updates sei die erfolgreichste Prävention.

Es sei die Neugier, die oft dazu führe, dass Nutzer ungewollt Trojanern den Zutritt erlauben, so Lamia weiter: «Nie aus Gwunder auf die E-Mail klicken.» Demnach gibt es sogar Malware, die sich bereits durch die Email-Vorschau aktiviert. Doch was tun, wenn aller Rat zu spät kommt? «Computer komplett neu aufsetzen, alle Updates installieren und dann das jüngste Backup hinaufladen», rät der IT-Experte. Denn durch den Hack wird der Computer komplett verschlüsselt, der Nutzer hat keinen Zugriff mehr auf seine Daten. Wer kein Backup gemacht hat, der sieht seine Dateien nicht wieder.

Kein System ist sicher

Mac-User sind von dieser Lücke und daher vom Hackingangriff nicht betroffen. Trotzdem rät Lamia auch Benutzern von anderen Systemen zur Vorsicht. «Grundsätzlich gibt es kein sicheres Betriebssystem. Microsoft ist am weitesten verbreitet und daher am meisten betroffen. Doch Macs haben andere Lücken, durch die andere Trojaner und Malware installiert werden können.»

Die Grösse und breite Streuung der aktuellen Hacking-Attacke deuteten auf eine kriminelle Organisation oder Gruppierung hin, sagt Lamia. Der IT-Experte warnt davor, den Forderungen der Erpresser nachzugeben: «Auf keinen Fall zahlen. Denn damit wird die Infrastruktur der Angreifer für neue Angriffe finanziert.» Verdächtige Emails können auf der von Melani betriebenen Website antiphishing.ch gemeldet werden. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.05.2017, 12:58 Uhr

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