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«Apple = Sony»

Das «Momentum» des iPhone-Konzerns hält nur noch kurz an, sagt Forrester-Chef George Colony. Ohne Führungswechsel wandle sich Apple von einem «grossartigen zu einem guten Unternehmen». Droht Apple ein «Sony-Schicksal»?

Reto Knobel
George Colony (Bild) ist überzeugt: «Apple = Sony».
George Colony (Bild) ist überzeugt: «Apple = Sony».
Wäre für Colony die bessere Lösung: Apple-Chefdesigner Jonathan Ive.
Wäre für Colony die bessere Lösung: Apple-Chefdesigner Jonathan Ive.
Sony hat nach dem Tod von Firmenmitgründer Ako Morita im Jahr 1999 nie an die Erfolge der Vergangenheit anknüpfen können. Tatsächlich befindet sich der japanische Fernsehkonzern derzeit in einer existentiellen Krise (siehe die Analyse vonhier).
Sony hat nach dem Tod von Firmenmitgründer Ako Morita im Jahr 1999 nie an die Erfolge der Vergangenheit anknüpfen können. Tatsächlich befindet sich der japanische Fernsehkonzern derzeit in einer existentiellen Krise (siehe die Analyse vonhier).
Für Colony war Apple nur darum so einzigartig, weil das Unternehmen von Steve Jobs geführt wurde. Jobs (hier in einer Aufnahme aus dem Jahr 1998) verstarb im Oktober 2011.
Für Colony war Apple nur darum so einzigartig, weil das Unternehmen von Steve Jobs geführt wurde. Jobs (hier in einer Aufnahme aus dem Jahr 1998) verstarb im Oktober 2011.
Morita war eine charismatische Persönlichkeit, genau so wie der 1966 verstorbene Walt Disney (Bild)...
Morita war eine charismatische Persönlichkeit, genau so wie der 1966 verstorbene Walt Disney (Bild)...
....und Polaroid-Gründer Edwin Herbert Land (1909 bis 1991, links im Bild).
....und Polaroid-Gründer Edwin Herbert Land (1909 bis 1991, links im Bild).
Auch iOS-Chef Scott Forstall hat laut Colony charismatische Führungsqualitäten.
Auch iOS-Chef Scott Forstall hat laut Colony charismatische Führungsqualitäten.
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Nicht zum ersten Mal hat Apple es den Kritikern wieder mal gezeigt: 35 Millionen iPhones und 11,8 Millionen iPads verkaufte der Konzern im ersten Quartal 2012, er verbuchte in den ersten drei Monaten dieses Jahres einen Reingewinn von 11,6 Milliarden Dollar und erwirtschaftete einen Umsatz von fast 40 Milliarden Dollar. Der im kalifornischen Cupertino beheimatete Apfelkonzern verfügt über 100 Milliarden Dollar Bargeld und ist mit einem Börsenwert von 600 Milliarden Dollar die wertvollste Firma der Welt.

Die ganze Finanzwelt jubelt. Die ganze Finanzwelt? Nein. Ein von unerschütterlicher Zurückhaltung befallener Finanzanalyst hört nicht auf, den Optimisten Widerstand zu leisten. Sein Name: Walter Piecyk. Nachdem der Wall-Street-Analyst am 9. April eine kritische Analyse des iPhone-Konzerns publiziert hatte, sank der Marktwert des Unternehmens innerhalb von fünf Tagen um 53 (!) Milliarden Dollar (eine Zusammenfassung seiner Analyse finden Sie hier).

Ein Chef ohne Charisma

Prominente Unterstützung erhält Piecyk von George Colony. Der Chef des Marktforschungsunternehmens Forrester twitterte vor wenigen Tagen seine eigene Analyse, in welcher er das Ende des Apple-Höhenflugs prophezeit. Nach dem Tod von Steve Jobs im vergangenen Jahr habe der Konzern mit der Wahl von Tim Cook als neuen Konzernchef die falsche Wahl getroffen, schreibt Colony. Cook sei kein schlechter Chef, aber kein Charismatiker wie der «iGod».

In Anlehnung an eine These des Soziologen Max Weber über Unternehmen, die sich in drei Gruppen unterteilen lassen (bürokratische, traditionelle und charismatische Organisationen) charakterisiert George Colony Apple als charismatischen Konzern, der ohne den ehemaligen Denker und Lenker Steve Jobs nur kurzfristig dominieren kann. Cook, so Colony, sei zwar ein «bewährter und kompetenter Manager», anders als sein Vorgänger praktiziere Cook aber einen bürokratischen Führungsstil. Unter Cook werde das Unternehmen stagnieren, folgert Colony, Max Weber zitierend: «Charisma kann nur geweckt und getestet werden, nicht gelernt oder gelehrt». In diesem Sinne wäre Apple mit einem CEO-Wechsel besser bedient: «Ich würde eher (Chefdesigner) John Ive oder (iOS-Chef) Scott Forstall auf dem Chefposten sehen.»

«Apple wird wanken und langsamer werden»

Apples Erfolgsgeschichte (in Colonys Worten: Momentum) dauere noch ein bis zwei Jahre an. Dann, falls keine charismatische Führungspersönlichkeit das Ruder übernehme, wandle sich Apple «von einem grossartigen zu einem guten Unternehmen, mit einem entsprechend rückläufigen Gewinnwachstum und weniger Produktinnovationen (...). Apple wird wanken und langsamer werden.»

Dass Apples Erfolgsgeschichte der letzten Jahre kein Selbstläufer darstellt, sagt auch Neil Mawston. Anders als Colony argumentiert der Analyst des US-Unternehmens Strategy wirtschaftlich. «Einige Unternehmen beherrschen den Markt für eine Weile und gehen dann unter. In den 1980ern war Motorola an der Reihe, dann Ericsson und um das Jahr 2000 herum Nokia. Jetzt dominieren Apple und Samsung», so Mawston gegenüber dem «Wall Street Journal».

Der Verweis auf die Geschichte

Colony erwähnt in seinem Blog Nokia mit keinem Wort – er verweist stattdessen auf die Geschichte der ehemaligen Pionierunternehmen Sony («Apple = Sony»), Polaroid und Disney, welche nach dem Tod ihrer charismatischen Lenker Morita Akio (1921 bis 1999), Edwin Herbert Land (1909 bis 1991) und Walt Disney (1901 bis 1966) nie mehr an die Erfolge der Vergangenheit anknüpfen konnten.

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