Zwischen Dominanz und Langeweile

Das erste Jahrzehnt hat Facebook hinter sich. Was bringt das nächste? Zwei Szenarien.

Mark Zuckerberg und seine Ehefrau Priscilla Chan wollen anlässlich der Geburt ihrer Tochter 99 Prozent ihrer Facebook-Aktien für die Lösung dringender Weltprobleme verwenden.

Mark Zuckerberg und seine Ehefrau Priscilla Chan wollen anlässlich der Geburt ihrer Tochter 99 Prozent ihrer Facebook-Aktien für die Lösung dringender Weltprobleme verwenden. Bild: Reuters

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Sie werden gefeiert wie Fussballvereine und stellen sich selbst gerne als wohltätige NGOs dar. Doch Technologiekonzerne sind in erster Linie an der Börse gehandelte Unternehmen mit derselben Logik und denselben Zwängen wie Rohstoffkonzerne, Banken oder Lebensmittelmultis. Bleiben Gewinne aus, wird dies deutlich.

Beim einstigen Internetprimus Yahoo wird derzeit erwogen, das Internetgeschäft, das eigentliche Kerngeschäft, zu verkaufen. Die 2005 unterzeichnete Beteiligung am chinesischen Internetgiganten Alibaba ist inzwischen mehr wert als Yahoo selbst.

Es ist eine Ironie der Geschichte, dass Yahoo 2006 auch Facebook kaufen wollte. Yahoo bot eine Milliarde Dollar. Zuckerberg lehnte ab. Facebook gab es damals gerade mal seit zwei Jahren, es hatte erst rund 9 Millionen Nutzer und war nicht rentabel. Die anderen Verwaltungsräte rieten Zuckerberg, zu verkaufen.

Schliesslich setzte sich das Argument des 22-Jährigen durch: Yahoo habe keine Idee für die Zukunft und sehe das wirkliche Potential von Facebook nicht.

Zwei Szenarien

Neun Jahre später ist einiges von diesem Potenzial Realität und aus Facebook selbst ein milliardenschwerer Internetkonzern geworden. Doch wie geht es mit Facebook weiter? Das erste Szenario:

  • Facebook hat seinen Zenit erreicht. Es zementiert seine Position als grösstes Anschlagbrett und Telefonbuch der Welt. Gigantisch, aber zusehends langweilig. Neue Firmen laufen ihm um die Gunst der Menschen den Rang ab, und schon bald ist Facebook das neue Yahoo und wird von Investoren filetiert.

Aus Angst vor diesem ersten Szenario hat Facebook in den letzten Jahren eine aggressive Diversifizierungs- und Übernahmestrategie gewählt. Der Kauf des Konkurrenten Whatsapp für 19 Milliarden war dabei nur die Spitze des Eisbergs. Instagram und Oculus VR sind weitere prominente Namen im Portfolio des sozialen Netzwerks. Das führt zum zweiten Szenario:

  • Mit dieser Frischzellenkur hält sich Facebook an der Spitze und entgeht dem Yahoo-Schicksal. Mit immer spezifischeren Apps und Diensten deckt der Konzern immer mehr Aspekte des menschlichen Alltags ab: sei es das Pflegen von Freundschaften, das Lesen von Zeitungsartikeln, das Zählen von Schritten, das Betrachten virtueller Realitäten usw. Mit seiner Internet.org-Initiative und Drohnen bringt der Konzern auch die verbliebenen zwei Drittel der Menschheit ins Netz. Das alles führt dazu, dass für immer mehr Menschen Facebook zum Internet wird.

Das nächste grosse Ding

Wie immer bei Extremszenarien liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Ehemalige Techgiganten wie AOL, Yahoo, Blackberry, Nokia oder IBM halten sich dann doch länger, als man meint. Das Beispiel Apple zeigt sogar, dass gestrauchelte und abgeschriebene Konzerne ein Comeback schaffen können. Facebook wird also nicht komplett unter­gehen.

Genauso wenig dürfte es dem sozialen Netzwerk gelingen, das ganze Internet zu annektieren. Die anderen Grossen wie Google, Apple, Microsoft, Amazon und die hierzulande noch wenig bekannten chinesischen Internetkonzerne werden das zu verhindern wissen. Verfolgen sie doch dieselbe Strategie: für so viele Menschen wie möglich unersetzlich zu werden.

Und dann besteht immer noch die Möglichkeit, dass findige Entwickler das nächste grosse Ding erfinden – und den Mut haben, es nicht an die Techgiganten zu verkaufen. Sie könnten schliesslich alles auf den Kopf stellen. Vielleicht schafft es Snapchat. Dessen junge Gründer glaubten an ihre Chance und lehnten vor zwei Jahren ein Milliardenangebot ab – von Facebook. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.12.2015, 07:55 Uhr

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