Tod dem Passwort

Die Zeit ist reif für einen Nachfolger des Passworts. Für den zukünftigen Erben gibt es nur eine Formel für den Erfolg.

Defekte Technologie: Eine Lösung gegen die Datenraubzüge zeichnet sich nicht ab.

Defekte Technologie: Eine Lösung gegen die Datenraubzüge zeichnet sich nicht ab.

(Bild: Keystone)

Jan Rothenberger@janro

Wenigem wird in der digitalen Welt so oft das Ende prophezeit wie dem Passwort – und dennoch hält es sich hartnäckig. Passwörter sind ein ­not­wendiges Übel: Bei falscher ­Verwendung sind sie unsicher, bei richtiger eine Zumutung. Und es ­werden immer mehr.

Russische Hacker haben eben 1,2 Milliarden Log-in-Daten erbeutet. Experten empfehlen, vorsichtshalber sämtliche Passwörter zu wechseln. Kaum jemand tut es: User müssen sich entscheiden zwischen Sicherheit und Bequemlichkeit. Ein Dilemma.

Passwort als defekte Technologie

Wer es sich einfach macht, tauscht Schutz gegen Komfort ein. Er nutzt etwa Zahlenreihen wie «123456» oder dasselbe Passwort für alle Konten. Wer auf Sicherheit ­achtet und für jedes Konto ein anderes, starkes Passwort wählt, kämpft bald mit einem Haufen unles- und unmerkbarer Kombinationen aus Zeichen, Ziffern und Sonderzeichen. Teilweise Abhilfe leisten Passwort­manager und das 2-Faktor-Verfahren. Erstere assistieren beim Generieren und Verwalten sicherer Passwörter, Letztere kombinieren Log-ins mit SMS-Codes. Beide ändern jedoch nichts daran, dass das Passwort eine defekte Technologie ist. Das veranschaulichen regelmässig riesige Datenraubzüge. Eine einfache Lösung zeichnet sich nicht ab. Einzig eine Kombination von Massnahmen kann das Passwort überflüssig machen.

Für das Log-in taugen Online-Identitäten von Anbietern wie Google oder Facebook. Zusätzliche Sicherheit könnten Checks durch intelligente Dienste liefern. So lässt sich bereits heute jeder Nutzer eindeutig identifizieren: über sein Gerät und den Ort, an dem er sich einloggt. Ist bei einem Log-in-Versuch beides unbekannt, könnte ein Dienst automatisch zusätzliche Informationen verlangen. Auf diese Weise überwachen Kreditkartengesellschaften Transaktionen; bei verdächtigen Buchungen nehmen sie Kontakt mit den Kunden auf. Biometrie, etwa über den Fingerabdruck, kann ergänzend helfen.

Egal, wie das Verfahren aussieht, welches das Passwort einst beerben wird, die Formel für den Erfolg lautet: Sicherheit muss bequem sein.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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