Mit Stephan Siegrist virtuell durch die Eiger-Nordwand

Eiger-Nordwand

Die beiden Extremsportler Stephan Siegrist und Daniel Arnold sind die Eiger-Nordwand hochgeklettert - mit je sechs Kameras auf dem Rücken. Die Tour lässt sich nun in «Street View»-Manier online abgehen.

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Martin Bürki@tinubuerki27

Rund 30 Mal ist der Berner Oberländer Stephan Siegrist die Eiger-Nordwand hochgekraxelt, und doch war die Klettertour vergangenen April etwas ganz Besonderes: Siegrist und sein Alpinisten-Kollege Daniel Arnold trugen eine spezielle Kamera-Ausrüstung mit sich: Das Herz des zwei Kilogramm schweren Systems bilden sechs Kameras, die 360-Grad-Panoramabilder aufnehmen. Die vom Outdoor-Ausrüster Mammut lancierte Aktion ermöglicht jedem Internet-User, die Kletterpartie virtuell nachzuverfolgen.

Dreidimensional

In ähnlicher Manier wie Google Street View kann man sich auf www.project360.mammut.ch entlang der vier Kilometer langen, sogenannten Heckmair-Route – benannt nach Anderl Heckmair, der 1938 die Gruppe der Erstbesteiger anführte – die Eiger-Nordwand hochklicken. Und dabei nicht nur nach links und rechts, sondern auch nach oben und unten schwenken. «Mit ‹Project360› erweitern wir das, was Google mit Street View in Länge und Breite umsetzte: Wir eröffnen mit einer Tiefenansicht eine dritte Dimension», sagt Mammut-CEO Rolf Schmid stolz.

«Anfangs war ich skeptisch», räumt der in Bern geborene und im Berner Oberland lebende Extrembergsteiger Stephan Siegrist ein. «Aber als ich die ersten Testaufnahmen vorgeführt bekam, wurde mir klar, dass wir an etwas ganz Grossem arbeiten.» Gemeinsam mit Daniel Arnold, der mit 2 Stunden und 28 Minuten den Geschwindigkeitsrekord im Besteigen der Eiger-Nordwand hält, und begleitet von einer zusätzlichen Seilschaft, machte sich der 41-jährige Siegrist vergangenen April ans Werk.

Bitte nicht nachmachen

Das Resultat ist am Montag online gestellt worden. Auf Smartphones und Tablets lassen sich die 360-Grad-Ansichten sogar allein durch die Bewegung des Gerätes steuern. Stephan Siegrist war begeistert, als er zum ersten Mal einen Blick auf die Homepage warf: «Es ist schon etwas ganz Spezielles für alle, die diese Tour virtuell im Wohnzimmer verfolgen wollen.» Es erfülle ihn mit grosser Befriedigung, einen Teil zu diesem Projekt beigetragen zu haben.

Siegrist denkt gerne an das Unterfangen zurück: «Die ganze Organisation war interessant. Wir mussten den Umgang mit der Kamera erst lernen. Wie wir uns bewegen können, ohne dass das Bild verwackelt.» Und er erklärt, weshalb die Route nicht von A bis Z, sondern abschnittweise ins Internet gestellt worden ist: «Sonst haben vielleicht gewisse Leute ohne grosse Kenntnisse, aber mit viel Mut das Gefühl, die Eiger-Nordwand mit einem Tablet hochklettern zu können.» Aus diesem Grund lehnt Mammut auch «jegliche Haftung für Schäden und Folgeschäden ab, die durch Verwendung von Inhalten der Plattform entstehen können.»

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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